06.03.2018 - 14:54 Uhr
Kallmünz

Ausstellung Wigg Bäuml in Kallmünz Zurück zu den Wurzeln

Ein Regal voll von knorrigen Wurzeln und Zweigen: Was den Besucher gleich neben der Eingangstür des "Kunstraums Atelier Wigg" in Kallmünz empfängt, ist Programm. Hausherr Ludwig "Wigg" Bäuml präsentiert dort in einer neu zusammengestellten Ausstellung Stationen seines Schaffensprozesses.

Der Oberpfälzer Künstler Ludwig "Wigg" Bäuml präsentiert in seinem Kunstraum in Kallmünz einen Rückblick auf 40 Jahre kreativer Schaffenszeit. Bild: Wolke
von Susanne WolkeProfil

"best of ..." lautet der Titel der Schau mit Bildern und Objekten. Und das heißt auch: zurück zu den Wurzeln. Gute 40 Jahre sind es nun her, dass Ludwig Bäuml eine Lehre als Kirchenmaler in Regensburg begann. Das war in etwa auch die Zeit, als der junge Mann im Vorbeifahren nahe seines Heimatortes Waldthurn (Kreis Neustadt/WN) ein frei gelegtes Grundstück voller Wurzeln entdeckte. Der Künstler in den Kinderschuhen zauderte nicht lange. Schnell zum elterlichen Hof, den Traktor geholt und die Fundstücke eingeladen. Bis heute leisten ihm die bizarren Formationen gute Dienste.

Ländliche Herkunft

Beides, die Ausbildung als Kirchenmaler sowie die ländliche Herkunft prägen das Werk Wigg Bäumls bis heute. Längst hat er die Kunst zu seinem Broterwerb gemacht. Geblieben sind das Blattgold, das Silber und der Kreidegrund. Wenn auch in einem abgewandelten Zusammenhang. Mit Gold überzogene Äste. Silber, das auf Wellpappe oxidiert. Der unverkennbare Stil Wigg Bäumls ist eine eigenartige Mischung aus Arte Povera und Kostbarkeit.

Dass am Anfang nicht nur die Wurzeln standen, führt ein Rundgang durch die neue Ausstellung vor Augen. Akribisch mit einer Vielzahl von Punkten aufs Blatt gebrachte Zeichnungen bringen hier den akademischen Künstler ans Tageslicht. Die virtuos-realistischen Darstellungen eines Torsos und einer alten Frau, die aus dem Fenster blickt, stehen ebenfalls am Beginn der Schau.

Danach kommen Arbeiten, die Bäuml bislang erst zweimal öffentlich gezeigt hat, die aber dennoch bezeichnend für den Künstler sind. Es handelt sich wieder um Fundstücke aus der Natur. Bäuml hat die Formen dieser Holzfragmente nicht verändert und ihre ursprüngliche Vollkommenheit noch mit Gold veredelt.

Morbide Collagen

Daneben hängen Reliefs aus Zementsäcken und anderem groben Papier, unter der Hand des Künstlers mit Farbe und Nägeln zu seltsam morbiden Collagen zusammengeführt. Eine dynamische Landschaftszeichnung, aus der Erinnerung aufs Blatt geworfen, zeigt Bäumls veränderten Stil rund 15 Jahre nach den ersten Zeichnungen.

"Ich bin sehr geprägt durch meine religiöse Erziehung", führt Wigg Bäuml an. Ein Beispiel dafür ist sein "Votivschrein": ein zweidimensionales Stillleben aus Rosenkranz, Marienbild, Dornenzweig und dem Ast eines Olivenbaums. Zwischen Volksfrömmigkeit, Memento Mori und urtümlicher Archaik führt das Werk die Herkunft Bäumls vor Augen.

Die aktuelle Ausstellung in seinem Kunstraum zeigt einen Querschnitt seines Schaffens, erklärt er. Es ist auch eine Rückbesinnung des Künstlers auf die eigenen Wurzeln. Die knorrigen Holzstücke nahe des Eingangs hätte er beim Entrümpeln schon fast weggeworfen. Nun fungieren sie als eine Art Aushängeschild. Und Mitte des Monats wandert das Regal zu einer Ausstellung in den Kunst- und Gewerbeverein nach Regensburg.

Service

Die Ausstellung "best of ..." läuft bis Montag, 2. April, im Kunstraum Atelier Wigg im Bertholzhofener Schlösschen, Vilsgasse 24 in Kallmünz. Zur Finissage am 2. April um 11 Uhr lesen Wigg Bäuml und Albert Mühldorfer ihre Mundarttexte.

Weitere Informationen: www.kunstraum-atelier-wigg.de

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