Denkmalpreis für Ludwig Bäuml und die Renovierung des Bertholdshofener Schlösschens
Verdienter Lohn für harte Arbeit

"Man kann sich kaum vorstellen, wie es am Anfang hier ausgesehen hat,", sagt Ludwig Bäuml. Die "vorher-nachher-Bilder" des Künstlers geben ihm Recht. Im Haus hat der gebürtige Waldthurner auch eine kleine Galerie (rechts) untergebracht. Bilder: Bäumler (6)
Kultur
Kallmünz
02.12.2016
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Wo sich einst Schutt und Gerümpel türmten, gedeiht auf dem Anwesen Ludwig Bäumls nun ein blühender Garten.

Als Ludwig Bäuml in sein Haus einzog, sah er den Himmel. Und zwar durch das kaputte Dach. Der Künstler kennt solch doppeldeutige Situationen. Seit er sich vor gut 30 Jahren das "Bertholdshofener Schlösschen" in Kallmünz unter die Fittiche genommen hat, lebt er zwischen immenser Herausforderung und dem Gefühl "das ist es einfach!"

Letzteres überwog allerdings während all der Renovierungsarbeiten, die ein 500 Jahre altes Schatzkästchen so mit sich bringt. Gut ist das Gefühl vor allem jetzt. "Wir sind fertig", kann Ludwig Bäuml nun sagen. Endlich. Auch das Bayerische Staatsministerium würdigt die besonderen Verdienste Bäumls um den Erhalt des Baudenkmals. Unlängst erhielt der Künstler und Hausbesitzer dafür den Denkmalpreis 2016 der Hypo-Kulturstiftung. "Für den besonderen Einsatz um den Erhalt unseres kulturellen Erbes", so die Begründung.

Eng und muffig

Keine Frage, der Erhalt des Bertholdshofener Schlösschens ist erst einmal gesichert. Das Dach ist dicht, die Sonne strahlt den ganzen Tag über in die Räume und das Haus verströmt eine heimelige und höchst individuelle Atmosphäre. Das meiste davon war schwer zu erahnen, als Bäuml und seine Frau das Haus 1987 zum ersten Mal sahen. "Alles war eng und muffig. Die Räume waren klein und die ganze alte Bausubstanz war verputzt." Ludwig Bäuml kann sich kaum mehr vorstellen, in welchem Zustand das Gebäude ganz am Anfang war.

Einen Denkmalpreis hätten die türkische Großfamilie und die alte Frau, die das Anwesen damals bewohnten, mit Sicherheit nicht erhalten. Ludwig Bäuml dagegen schon. Und das ist der Grund, warum er heute aus tiefstem Herzen sagen kann: "Das hat mich sehr gefreut!" All die Mühen und Plagen - sie haben sich gelohnt. In der Münchner Residenz hat der Künstler den Preis unlängst von Staatssekretär Bernd Sibler entgegengenommen. Die Auszeichnung wurde dort an drei dotierte und zwei undotierte Sieger ausgehändigt, die aus rund 40 Bewerbern aus dem Bereich private Denkmalpflege hervorgegangen sind.

"Das war super"

"Man wird über die Regierung vorgeschlagen", erklärt Ludwig Bäuml den Hintergrund des Preises, für den man sich nicht selbst bewerben kann. Eine Gruppe Sachkundiger habe sich die entsprechenden Projekte dann angeschaut. "Das war super!", beschreibt der Vorsitzende des Berufverbands Bildender Künstler Niederbayern/Oberpfalz (BBK) das Gefühl, als die positive Mitteilung bei ihm eintrudelte. Das Preisgeld will er zurücklegen und bei Bedarf ins Haus stecken. Mit der Renovierung seines Hauses macht Ludwig Bäuml nicht nur sich selbst eine Freude. Die Galerie, die er seit April dieses Jahres im untersten Stockwerk betreibt, hat sich schnell als Anziehungspunkt für Kunstfreunde entwickelt.

Ausstellungen, Lesungen und Gruppenführungen stehen in der "Galerie Wigg" mittlerweile auf der Tagesordnung. Sein Atelier, das sich ebenfalls im Haus befindet, stellt Bäuml Gastkünstlern zur Verfügung. Die Amerikanerin Lisa Bean kam diesen Sommer in den Genuss dieses privaten Stipendiums - und ergatterte durch Bäumls Kontakte prompt eine eigene Ausstellung fürs kommende Jahr in der Regensburger Galerie Andrea Madesta.

Ansonsten lebt Ludwig Bäuml mittlerweile alleine mit Hund und Katze im Bertholdshofener Schlösschen. Seine Frau ist vor sechs Jahren verstorben, die beiden Kinder sind aus dem Haus. Geblieben sind die schönen Erinnerungen an eine gemeinsame Zeit - und ein wunderbares Zuhause. Das Gebäude in der Kallmünzer Vilsgasse, das im Jahre 1514 erstmals erwähnt wurde, den Bertholdshofenern einst als Hammerwerk diente und im Laufe der Zeit mehrmals die Besitzer wechselte, ist bei Ludwig Bäuml in guten Händen.

Trotz aller Mühen und Schicksalsschläge: Für seinen Besitzer ist das Haus der Himmel auf Erden. Und zwar mittlerweile nur noch im übertragenen Sinne.
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