Gemeinderat Kastl diskutiert über Linksabbieger nach Unterbruck - Drei Referenten
Ringen um die Ideallösung

Gerhard Kederer vom Staatlichen Bauamt, Klaus Kastl vom Landratsamt und Polizeichef Bernhard Gleißner (von links) diskutierten mit den Gemeinderäten mögliche Lösungen.
Politik
Kastl bei Kemnath
15.09.2017
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Über diesen Weg sollen die bisherigen Linksabbieger bei Unterbruck künftig an ihr Ziel kommen, wenn es nach den Vorstellungen des Staatlichen Bauamtes Amberg-Sulzbach geht. Bilder: stg (2)

Die Verkehrssituation auf der Staatsstraße 2665 bei der Einmündung nach Unterbruck steht auf der Agenda der Kommune ganz weit oben. Das macht die Sitzung des Gemeinderats deutlich. Verschiedene Lösungsvorschläge liegen auf dem Tisch, für eine Einigung muss aber noch schwer gerungen werden.

Drei Experten standen dem Gremium bei dem Thema Rede und Antwort, das seit Monaten intensiv debattiert wird - Klaus Kastl vom Sachgebiet Verkehrswesen am Landratsamt Tirschenreuth, Abteilungsleiter Gerhard Kederer vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach sowie Bernhard Gleißner, Leiter der Polizeiinspektion Kemnath. "Es geht um etwas, das nicht nur die Leute in den betroffenen Ortschaften, sondern die gesamte Bevölkerung bewegt", schickte Bürgermeister Josef Etterer voraus.

Seit vielen Jahren werde immer von "kritischen Situationen" an beiden Stellen bei Unterbruck und Senkendorf berichtet. Etterer ließ Diskussionen und Entscheidungen der Vergangenheit sowie und die Unterschriftenaktion mit über 1200 gesammelten Unterschriften Revue passieren. Aktueller Stand nach einem Gespräch am Landratsamt im Juli sei nun ein Vorschlag des Bauamtes, den Linksabbiegerverkehr bei Unterbruck de facto nicht mehr zuzulassen. So müssten Autofahrer künftig an der "Schneider-Kreuzung" links in die Industriestraße einbiegen und - nach einem weiteren Linksabbiegen - den Flurbereinigungsweg folgen, der in die Gemeindeverbindungsstraße nach Unterbruck mündet. Dazu habe das Bauamt entsprechende Ausweichstellen angeboten. "Die Unterbrucker sind klar gegen diese Lösung", betonte Etterer.

Kederer führte aus, dass auf der Staatsstraße keinesfalls eine Linksabbiegerspur nach Unterbruck gebaut werden könne. "Wir haben hier nur geringe Abbiegerzahlen." Diese Einmündung unterscheide sich nicht von ähnlichen Straßen mit ähnlichen Linksabbiegesituationen. Dass Einmündungen wie diese immer ein gewisses Gefahrenpotenzial enthalten, bestritt Kederer genauso wenig wie Kastl und Gleißner. Entschärfen könne man die Situation, wenn die Abbiegespur wenig später genutzt werde, für die es nur einen kleinen Umweg von wenigen hundert Metern bedarf: "Das wäre eine akzeptable Lösung."

Dem pflichtete Kastl bei. Die von Kederer skizzierte Lösung charakterisierte auch der Polizeichef als "günstige Umstände". Auf der Staatsstraße dort ein Überholverbot zu fordern, sei zwar verführerisch, jedoch würde sich wohl der "Überholdruck" auf einene andere Stelle verlagern. "Es besteht schon die Gefahr, sich Folgeprobleme zu schaffen, die unabsehbar sind", meinte Gleißner.

Die Begeisterung für die Lösungsvorschläge hielt sich bei den Gemeinderäten in Grenzen. Michaela Veigl (CSU) störte sich daran, dass meist von 30 Linksabbiegern in Richtung Unterbruck gesprochen werde. "Die Messung an nur einem Tag ist nicht aussagekräftig." Etterer führte aus, dass es mit einer oder zwei Ausweichstellen nicht getan wäre. Dies bestätigte auch Hans Wopperer (CSU): "Wenn kein kompletter Ausbau der Straße vom Staatlichen Bauamt erfolgt, dann nützt es nichts. Die Straße ist dann gleich kaputt!" Gerhard Dobmeier (FW) warf ein, dass eine Linksabbiegespur auch für den vorbeifließenden Verkehr sinnvoll sei. Gerade weil es sich bei der Staatsstraße um eine stark vom Schwerlastverkehr genutzte Verbindung handele, könne man eben nicht von einer Straße und einer Einmündung wie viele andere auch sprechen. Zudem werde die vorgeschlagene Ausweichroute stark von Fußgängern und Radfahrern genutzt.

Hans Walter (CSU) bilanzierte, dass man unterm Strich nicht weiterkomme. "Das Problem liegt auf der Staatsstraße und muss auch dort gelöst werden." Er schlug vor, auf der Staatsstraße für eine "Testphase" ein Überholverbot einzurichten und eine Geschwindigkeitsreduzierung nicht auszuschließen. Kederer schlug dagegen vor, die "Testphase" für die vom Bauamt favorisierte Lösung - vorerst ohne bauliche Veränderungen - einzurichten. Der Gemeinderat wird sich in einer der nächsten Sitzung Gedanken zum weiteren Vorgehen machen.

Unterschriften nicht "verpuffen" lassenÜber 1200 Unterschriften sind gesammelt worden mit konkreten Forderungen für eine Verbesserung der Situation an den Einmündungsbereichen bei Unterbruck und Senkendorf. Diesen Ordner wollte Bürgermeister Josef Etterer bei einer Gesprächsrunde am Landratsamt Tirschenreuth übergeben. Sie seien allerdings nicht angenommen worden, berichtete der Rathauschef. Sein Stellvertreter Arno Stahl holte dies in der Gemeinderatssitzung auf arg barsche Weise nach, indem er Klaus Kastl vom Landratsamt den Ordner förmlich auf den Tisch knallte und sich zuvor noch ereifert hatte, dass man sich das nicht bieten lasse.

Landrat Wolfgang Lippert bestätigte auf NT-Anfrage, dass Etterer die Unterschriften im Juli in einer Sitzung übergeben wollte. "Das Landratsamt ist aber die falsche Behörde dafür", erklärte Lippert. Er habe damals gesagt, dass man die Unterschriften nicht "verpuffen" lassen und sie für eine andere Instanz aufheben solle. Da der Ordner nun aber am Landratsamt angekommen sei, werde man die Unterschriften auch aufheben. (stg)
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