Siemens-Chef Alfred Koch sieht in Klausurtagung der Kastler CSU-Fraktion bei vielen Kommunen ...
Region muss qualifizierten Menschen auch etwas bieten

Alfred Koch (Dritter von rechts), Leiter des Kemnather Siemens-Standortes, erklärte bei den Kastler CSU-Gemeinderäten, weshalb viele Gemeinden Probleme haben, qualifizierte Menschen in der Region zu halten. Lob gab es jedoch für die Bemühungen von Bürgermeister Josef Etterer und den Mitgliedern um Johann Walter (von rechts), Kastl attraktiv zu gestalten. Bild: exb
Politik
Kastl bei Kemnath
08.03.2018
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Großer Gast im kleinen Kreis: Einen Nachmittag lang nahm sich Alfred Koch Zeit für die Klausur der CSU-Gemeinderatsfraktion im Kloster Speinshart. Der Standortleiter von Siemens Healthineers in Kemnath diskutierte mit den Politikern über jene Trends, die auch die Zukunft kleiner Kommunen prägen werden.

Laut Ortsvorsitzendem und Fraktionssprecher Johann Walter werde sich die Gesellschaft grundlegend ändern. Was dies bedeute, könnten nur wenige in der Region so beurteilen wie Koch. Dieser schnitt mehrere Themen für die anschließende Diskussion an. Klar beschrieb er die Veränderungen. "Die Frage ist nicht ob, sondern wie schnell sie ablaufen und wie wir reagieren." Moderne Kommunikation lasse neue Formen des Wirtschaftens entstehen. Geschlechterrollen verlören an Verbindlichkeit, was Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft habe. Global agierende Plattformkonzerne werden ohne eigene Infrastruktur zu wirtschaftlichen Großmächten, Städten und Regionen im Wettbewerb um neue Industrien sowie talentierte und mobile Menschen stehen. Zunehmend stünden ihnen Möglichkeiten der Wissensverknüpfung zur Verfügung. Das führe zu neuen Arbeitsweisen und einer neuen Einstellung zu Arbeit.

Derzeit stellt die Industrie 25 Prozent der Arbeitsplätze in Bayern. Den Rest stemmten hauptsächlich Handwerk und Dienstleistung. Die Hälfte der Dienstleister hänge von der Industrie ab. "Die Grundlage sind talentierte, erfahrene und motivierte Mitarbeiter und Experten." Man müsse sich fragen, warum ein Talent von einer Elitehochschule oder ein Softwareexperte, der auch bei Google in München arbeiten könnte, in die Region kommen soll. "Bei der Antwort kommt manch Bürgermeister oder Landrat ins Straucheln, weil sie nachdenken müssen, was sie diesen Menschen bieten können."

Die "Work-Life-Balance" spiele eine Rolle. "Wie groß ist der Freizeitwert? Was kann man abends unternehmen? Wo kann man sich weiterbilden und vernetzen? Wie gut sind die Zentren erreichbar? Das sind Fragen, die mir bei Einstellungsgesprächen gestellt werden." Wie hoch das Einkommen und die Karrieremöglichkeiten seien, werde erst am Schluss gefragt", meinte Koch. "Das wird als hervorragend vorausgesetzt."

Themen wie Kinderbetreuung, Schulen, wohnortnahe ärztliche Versorgung, kommunale Dienstleistung der Rathäuser, schnelles Internet, digitale Schulen und kostenloses Wlan seien Grunderwartungen. "Es ist traurig, dass diese Basics noch immer nicht überall verfügbar sind." Sein Appell und seine Forderung war eine überkommunale Zusammenarbeit über Bezirksgrenzen. "Allein im Bereich Tourismus macht jede Gemeinde, jeder Verband sein eigenes Ding. Es gibt keine Broschüre, keine App, die im Umkreis von 30 Kilometern schnell und übersichtlich anzeigt, was bei uns möglich ist." Walter und Koch waren sich einig, dass die Kommunen vor großen Herausforderungen stehen. Vieles von dem, was Kastl in den vergangenen Jahrzehnten geschaffen habe, sei nun Grundlage, um die Herausforderungen zu bestehen.

Koch zeigte sich begeistert davon, dass sich eine so kleine Gemeinde wie Kastl den Herausforderungen der digitalen Revolution stellen wolle. CSU-Sprecher Hans Walter dankte Bürgermeister Josef Etterer, Altbürgermeister Bruno Haberkorn und den Gemeinderäten für die gute Vorarbeit. So könne sich die Kommune auf die neuen Herausforderungen konzentrieren, weil in der Vergangenheit die Hausaufgaben erledigt worden seien. "Nutzen wir die gute Ausgangslage, um die Kommune und die Region attraktiver zu machen."
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