04.04.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Ernst Walberer hält der Krieger- und Soldatenkameradschaft Kastl seit 75 Jahren die Treue Seit dem Krieg dabei

Die Krieger- und Soldatenkameradschaft Kastl ehrt Ernst Walberer für 75 Jahre Treue. Schon während des Zweiten Weltkrieges tritt er ihr bei. Dass er diese schreckliche Zeit mit Fronteinsatz und Gefangenschaft überlebt hat, grenzt an ein Wunder.

Stellvertretende Bezirks- und Kreisvorsitzende Thomas Semba (Zweiter von rechts), Ortsvorsitzender Michael Pühl (links) und dritter Vorsitzender Michael Fritsch (rechts) dankten Ernst Walberer für seine 75-jährige Treue zur Krieger- und Soldatenkameradschaft. Bild: rpp
von C. & W. RupprechtProfil

Weha. Ernst Walberer ist einer von zwei noch lebenden Kriegsteilnehmern in den Reihen der Krieger- und Soldatenkameradschaft. Für 75 Jahre Mitgliedschaft erhielt der heute 91-Jährige die Treuenadel des Bayerischen Soldatenbundes (BSB) 1874. Zur Übergabe hatten sich stellvertretender Bezirks- und Kreisvorsitzender Thomas Semba, Ortsvorsitzender Michael Pühl und dritter Vorsitzender Michael Fritsch auf den Weg nach Weha gemacht.

Da beim BSB auch Arbeits- und Kriegseinsätze angerechnet werden, begann Walberers Mitgliedschaft im Oktober 1943, denn da wurde er im Alter von nur 17 Jahren zum Reichsarbeitsdienst eingezogen. Ein Zug brachte ihn damals vom Weidener Bahnhof nach Posen (heute Poznan) in Polen. Vier Monate kam er Walberer nach Werschowitz (Vrsovice, ein Stadtteil von Prag) zur Funkerausbildung. Am 6. Juni 1944 folgte die Versetzung nach Frankfurt an der Oder zur 541. Grenadierdivision.

Von dort ging es dann in 18 Güterzügen an die Front ins heutige Weißrussland. "Ich war im 17. Zug", erinnert sich Walberer genau. Dieser sei von der roten Armee eingekesselt worden, er und seine Kameraden konnten aber noch ausbrechen. Danach ging es nach Minsk (Weißrussland), wo die Divisionen schließlich aufgerieben wurden.

Mit vielen anderen Kameraden geriet Walberer am 30. Juli 1944 in Gefangenschaft. Den 250 Kilometer langen Weg von Minsk nach Brest-Litowsk mussten sie zu Fuß zurücklegen. "Der Marsch dauerte zwölf Tage lang", weiß Walberer. Dort verluden sie zehn Tage lang Waffen für Polen auf Güterzüge, die an die Front fuhren, bevor ein Zug sie in ein Gefangenenlager nach Gomel (heute Homel, Weißrussland) brachte. Zusammen mit 600 Mann war der Oberpfälzer in einen Pferdestall gesperrt. Mangels Hygiene brach am 1. Januar 1945 eine Epidemie aus. "Im März waren nur noch 55 Mann übrig. Erst Ende April konnten wir die Leichen begraben, da dies vorher wegen des Bodenfrosts nicht möglich war. Im Mai kamen dann weitere 400 Mann zu uns. Wir halfen beim Aufbau der Ziegelei am Ort", berichtet Walberer.

Anfang Oktober 1947 kam Walberer mit 500 Mitgefangenen nach Stalino (heute Donezk Ukraine), wo sie in einem Kohlebergwerk bis knapp 1000 Meter Tiefe im Dreischichtbetrieb Kohle abbauen mussten. Am 24. Dezember fuhr Walberer bei schönem Wetter zur zweiten Schicht in das Bergwerk ein. Bis zu deren Ende um 23 Uhr hatte es einen Wetterumsturz gegeben und es hatte geschneit. Mangels geeigneter Schuhe musste er barfuß drei Kilometer weit zurück zum Quartier laufen.

Daraufhin erkrankte Walberer und kam über Silvester in ein Lazarett, wo er danach drei Monate lang Dienst leistete. Anfang November kam er, an Tuberkulose erkrankt, wieder ins Lazarett. Zehn Tage später wurde er aus der Gefangenschaft entlassen.

Die Heimreise führte in zunächst in ein Lazarett in Frankfurt an der Oder. Von dort ging es über Leipzig nach Hof. Im Stadtteil Moschendorf wurde er zunächst drei Tage lang von den Amerikanern befragt. Für sie musste er Lagepläne von den Ortschaften zeichnen, in denen er sich während seiner Gefangenschaft befand. Erst danach durfte er mit dem Zug nach Weiden und schließlich weiter zum Bahnhof Kemnath-Neustadt. Zu Hause angekommen, übernahm Walberer die elterliche Landwirtschaft, der er bis heute treu blieb.

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