Fledermäuse werden kartiert
Großes Flattern entlang der Trasse

Eine Bechsteinfledermaus, die dann besendert wurde, ging den Experten ins Netz. Das Weibchen kann nun mittels Sender Daten übertragen. Die Experten verfolgen die Spur und können damit Fledermaus-Wochenstubenquartiere ermitteln. Die Sender, die zwischen den Schulterblättern mit einem medizinischen Hautkleber angebracht werden, fallen nach zehn bis zwölf Tagen ab. Bild: ITN
Vermischtes
Kastl bei Kemnath
25.08.2017
304
0

In den Wäldern zwischen Neustadt am Kulm und Kastl gehen Experten derzeit auf die Jagd. Grund dafür ist einer der alternativen Korridore des geplanten Süd-Ost-Links.

Kastl/Neustadt am Kulm. (esc/idu) In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch schleichen sich durch die Wälder zwischen Kastl und Neustadt am Kulm Mitarbeiter des Instituts für Tierökologie und Naturbildung aus Hessen. Sie haben eine besondere Mission: Sie untersuchen Fledermausarten in den verschiedenen Alternativen des Süd-Ost-Korridors.

"Im bayerischen Teil sind das 13 Untersuchungsflächen", wie Oliver Wild, stellvertretender Projektleiter der Kartierungsfirma, erklärt. In allen Flächen läuft eine automatische akustische Aufzeichnung von Fledermausrufen, in elf werden noch dazu Netze gespannt. So auch im Wald zwischen Neustadt am Kulm und Kastl. Von 20 Uhr am Dienstagabend bis um etwa drei Uhr am Mittwochmorgen waren die Experten hier unterwegs. Alle 20 Minuten haben sie die Netze auf Fledermäuse abgesucht. Für gefangene Tiere erfolgte eine Bestimmung der Artzugehörigkeit, des Geschlechts, des Reproduktionsstatus' und des Alters. Um eine doppelte Registrierung zu verhindern, wurden die Tiere an den Fußzehenkrallen mit Farbtupfern versehen.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch haben die Experten zwischen Neustadt am Kulm und Kastl einen männlichen Kleinabendsegler gefangen und eine weibliche Bechsteinfledermaus ausgemacht. Den Weibchen klebten die Mitarbeiter des Instituts mit einem medizinischen Hautkleber Sender zwischen die Schulterblätter. Markiert wurden nur die weiblichen Tiere, um somit die Fledermaus-Wochenstubenquartiere ausfindig zu machen. Die ausgewählten Arten haben ihre Unterkünfte in natürlichen Baumhöhlen.

Etwa 20 Tage übertragen die Sender ein Signal, nach 10 bis 12 Tagen fallen sie von den Körpern der Fledermäuse wieder ab. Mit entsprechenden Empfangsgeräten können die von den aktivierten Sendern abgegebenen Signale über Entfernungen von bis zu circa zwei Kilometern geortet werden.

Im Herbst, wenn die Feldsaison vorbei ist, werden die Daten dann ausgewertet und für den Auftraggeber Tennet aufbereitet. "Wir wollen unseren Teil von den Kartierungen der Fledermäuse noch in diesem Jahr fertigstellen", sagt Wild. "Die Kartierungen der Fledermäuse sind nur ein kleines Rädchen in der Untersuchung des Korridors." Aufgabe des Instituts sei es herauszufinden, in welcher Variante aufgrund des Natur- und Artenschutzes mit am wenigsten Widerstand zu rechnen ist. Vorab seien außerdem zum Beispiel schon Luftbilder ausgewertet und andere Tierarten wie Vögel und Amphibien im Gelände kartiert worden.

Aufgrund der vielen Wasserflächen rund um Tirschenreuth und die Kiefernwälder in dem untersuchten Gebiet gebe es hier viele Insekten. "Das ist eine gute Nahrungsgrundlage", sagt Wild im Hinblick auf das Fledermausvorkommen im Landkreis Tirschenreuth. Ähnliche Bedingungen fänden sich auch in dem untersuchten Waldstück entlang des Erlgrabens.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.