20.09.2017 - 17:18 Uhr
Oberpfalz

InitiAktivKreis Tirschenreuth besichtigt Schloß Wolframshof Bei Schlossherren zu Besuch

Seit langer Zeit beeinflusst das Schloss Wolframshof mit seinem landwirtschaftlichen Gutshof die Region rund um den Rauhen Kulm. Für den InitiAktivKreis Tirschenreuth öffnet die Besitzerfamilie Obermeier die Pforten des Anwesens.

Die Besucher waren von den stilvoll eingerichteten und hellen Räumen des Schlosses begeistert. Bild: rpp
von C. & W. RupprechtProfil

Vier Mal im Jahr lädt dieser zum Stammtisch mit Besichtigung einer Firma oder eines anderen interessanten Objektes ein. Diesmal war das Treffen unter dem Jahresthema "Heimat leben, Heimat erleben" in Wolframshof. Trotz strömenden Regens waren rund 55 Personen der Einladung zur Schlossführung gefolgt.

Stellvertretender Vorsitzender Wolfgang Wenisch stellte kurz das Tätigkeitsfeld des Stammtisches vor und dankte den Hausherren für die Bereitschaft, das Schloss Wolframshof, das schon von außen sehr imposant wirkt, für diesen Abend zu öffnen. Josef Obermeier und Bürgermeister Josef Etterer führten die Teilnehmer in die Privaträume des geschichtsträchtigen Hauses.

Die Familie Obermeier hatte es 1995 leer übernommen und nach historischen Gesichtspunkten renoviert. Die Gäste lauschten den Ausführungen und bestaunten die hellen und gemütlichen Räume. Vor allem der helle Dielenboden machte den Charme der Zimmer aus. "Die Dielen haben wir alle ausgebaut, selbst abgeschliffen und wieder verlegt", berichtete Obermeier stolz.

Aus der Zeit der Barone von Lindenfels waren noch ein offener Kamin mit schön verzierter Umrandung und ein historischer Kachelofen vorhanden. Mit dunklen historischen Möbeln, gemixt mit modernen Elementen, sind die Zimmer behaglich und stimmig ausgestattet worden. Fenster mit mundgeblasenem Glas gaben den Blick in den Schlossgarten mit seiner neuen Buchshecke frei. Helle Vorhänge unterstrichen das elegante Ambiente und ließen so die zahlreichen Lüster und Leuchten zur Geltung kommen.

Räume im ersten Stock stehen für Ausstellungen und Vernissagen zur Verfügung. Die Gäste waren sichtlich beeindruckt und hatten auch so manche Frage nach den historischen Begebenheiten. Anschließend setzten sich die Stammtischfreunde des InitiAktivKreises und die weiteren Besucher in der Kulturscheune des Gutshofes zu einem gemeinsamen Abendessen zusammen. Zweiter Bürgermeister Arno Stahl erläuterte dazu den geschichtlichen Hintergrund des Schlossgutes (Kasten). Er wusste auch, dass die Haustüre schon immer die südliche Türe gewesen sei, durch die man auch an diesem Abend das Haus betreten habe. Vorsitzender Florian Preisinger dankte den Gastgebern mit einem Korb mit regionalen Schmankerln.

Pralinen von der Gräfin

Zweiter Bürgermeister Arno Stahl beleuchtete in der Kulturscheune die Entwicklung des Wolframshofs. Es werde erstmals anlässlich der Gründung des an die Flur angrenzenden Lindenhofes urkundlich erwähnt. Kaiser Heinrich III. habe 1054 auf Bitten seiner Gemahlin einem gewissen Hartwich etwa 30 Tagwerk nahe der "Villa Wolframmesdorf" bei Lindach - dem heutigen Lindenbühl - als freies Eigentum überlassen. Nachdem zwischen Haidenaab und rund um den Kulm zahlreiche ältere Siedlungen bekannt sind, hält es Stahl für wahrscheinlich, dass die ursprüngliche Siedlung schon viel früher entstanden ist. Die slawische Besiedelung im sogenannten Flednitzgau erfolgte bereits im 6. Jahrhundert. Am Kulm gebe es sogar Funde aus der Jungsteinzeit.

Für Wolframshof nimmt man an, dass ebenfalls eine Schenkung für die Entstehung des Ortes ursächlich war. Ein getreuer Gefolgsmann des Burgherren in Waldeck namens Wolfram war ursprünglich beim Erlbühl mit einem ganzen Hof beschenkt worden, der auf dem sogenannten Sandsteinfelsen errichtet war. Später kaufte sich ein Edelmann in den Gutshof ein und baute an die heutige Stelle seinen Schlosssitz, nachdem das sumpfige Gelände trockengelegt war. Es entstand ein Ansitz mit Städeln und Stallungen sowie einem steinernen Hochwasserschutz. Dazu wurde aus dem Fichtelgebirge Granit herantransportiert, da der hiesige Sandstein nicht geeignet war. Die heutigen Grundmauern stammen teilweise noch aus dieser Zeit.

Nach dem Bau des neuen Hofes hießen Landsitz und Ortschaft fortan Wolframshof. Laut Heimatforscher Josef Scheidler soll die Anlage burgartig gewesen sein. Mitte des 14. Jahrhunderts entstand zusätzlich eine Mühle, etwa 1725 dann der Vorgänger des heutigen Schlosses, das 1920 samt des Lindenfels-Archivs abbrannte. Seit 1924 zeigt sich das Gebäude in der heute bekannten Form.

Stahl nannte dann in genauer Aufzählung die gesamten Namen der Besitzer in zeitlicher Abfolge. So hatten die Familien Ochs und Sparnberger 1450 die Kastler Pfarrkirche zu ihrer jetzigen Größe erweitert. 1617 kaufte Bernhard von Löschwitz das Anwesen. 1725 folgten die Freiherren von Lindenfels, die bis 1972 auf dem Gut ansässig waren. Seitdem wechselte das Schlossgut mehrmals den Besitzer, bis es die Familie Obermeier 1995 erworben hat.

Wie Stahl weiter ausführte, wobei er teilweise auf seine eigenen Kindheitserinnerungen zurückgriff, gab es im Hof des Schlosses einen riesigen Misthaufen und einen überdimensionalen Güllehochbehälter, da rund 600 Schweine und 100 Rinder gehalten wurden. Die Straße führte früher an der südlichen Haustüre vorbei und später mitten durch den Wirtschaftshof. Vor dem Haus saß oft die alte Gräfin von Oberndorff. Sie schenkte den Kindern, wenn diese ehrwürdig grüßten, Pralinen.

In Wolframshof wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts Strom mit dem Mühlrad erzeugt. Bis in die 1950er Jahre wurde der Ort so bis 22 Uhr mit Energie versorgt. Bei vereistem Fluss waren allerdings wieder die alten Petroleumlampen nötig. Später waren hier Flüchtlinge untergebracht und fanden Arbeit in der Landwirtschaft, der Schreinerei oder der Bäckerei des Schlosses.

Auch der Reitclub von Guttenthau hatte seine Pferde ursprünglich in den Stallungen des Schlossgutes stehen. Sogar ein Weinberg hatte im 18. Jahrhundert einmal zum Schloss gehört. Die Zuhörer dankten Stahl mit großem Applaus. Vom Vorsitzenden Florian Preisinger erhielt er einen heimischen Trunk.

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