08.01.2018 - 21:38 Uhr
Oberpfalz

Familienunternehmen Hoven feiert 100-jähriges Jubiläum Aus Tierknochen und Fetten wertvolle Proteine

Seit 100 Jahren bewirtschaftet die Familie Hoven inzwischen das Gut Birkhof. Erstmals im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt, liegt der Ort auf einer Erhöhung an der Haidenaab zwischen Kemnath und Pressath in der Gemeinde Kastl. Die Besitzer wechselten regelmäßig. Ab dem späten 18. Jahrhundert gehörte es der Familie Kohl, welche die zwei ursprünglichen Höfe zu einem großen Gut vereint hat. Zuletzt konnte die Familie den Betrieb nicht halten und musste 1917 verkaufen.

Gesamtschau auf die Betriebsgebäude des Familienbetriebs Hoven in Birkhof (Kastl bei Kemnath). Bild: privat
von Autor HWKProfil

Es war eine mutige Entscheidung von Maria Sybilla Hoven, der Urgroßmutter von Gesellschafterin Katja Hoven, ein Jahr vor Kriegsende in Birkhof komplett neu anzufangen. Zusammen mit ihren drei Kindern, im Alter von 17 bis 23 Jahren, musste sie vorher und in der Zeit danach mit zahlreichen Schicksalsschlägen zurechtkommen - wie zum Beispiel dem Tod ihres Mannes 1914 und dem Tod ihres Sohnes Johann im Ersten Weltkrieg. Die Entscheidung, einen großen Bauernhof an einem über 500 Kilometer entfernten Ort zu kaufen, erforderte Mut, nachdem sie ihren Besitz in Hochneukirch bei Jüchen zwischen Mönchengladbach und Grevenbroich an einen Tabakfabrikanten abgetreten hatten.

Die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf die Anfangsjahre der Weimarer Republik verursachten zusammen mit der Inflation ein heilloses Durcheinander. Der Betrieb mit rund 65 Hektar landwirtschaftlicher Fläche wurde ohne Vieh betrieben. Um die Wirtschaftskraft zu steigern, erfolgten Investitionen in ein Sägewerk und eine Grasmühle. Das getrocknete Pulver aus Klee und Luzerne wurde als Kraftfutter für Geflügel und andere Nutztiere deutschlandweit verkauft. Vor Kriegsbeginn kam eine Knochenmühle als weiterer Wirtschaftszweig dazu. Die Arbeiter sammelten bei den Metzgern in der Umgebung die Rinder- und Schweineknochen ein und verarbeiteten sie zu Knochenmehl. Warenumschlagplatz war der nahe Bahnhof in Trabitz.

Cleveres Marketing

Mit dem Ausbau des Wirtschaftsbetriebes erfolgte in den 30er Jahren auch der Neubau eines Wohnhauses. Als 1942 Maria Sybilla Hoven verstarb, übernahm Heinrich Hoven sen. mit 44 Jahren die Betriebsleitung. Mit einem für damalige Zeit guten Marketing gelang es der Familie, die Produkte deutschlandweit gut zu platzieren. Indem sich der landwirtschaftliche Betrieb in den Nachkriegsjahren auf die Saatgutvermehrung von Kartoffeln spezialisierte, konnte man sich weiter wirtschaftlich gut behaupten. Wichtigstes Standbein waren aber nach wie vor das Sägewerk und die Mühlen.

Nach dem Brand des Sägewerkes und der Grasmühle 1962 sowie dem Tod von Heinrich Hoven sen. 1971, übernahmen in den 70er Jahren die Söhne Heinrich, Peter und Klaus die Geschäftsführung. Sie entschieden sich, die Landwirtschaft zu verpachten und sich auf das heutige Kerngeschäft, die Verarbeitung von Schlachtnebenprodukten von gesund geschlachteten Tieren zu spezialisieren. Es folgten zahlreiche Investitionen, um profitabel zu wirtschaften. 1978 wurden zwei Kamine mit je 60 Meter Höhe gebaut. Vier Jahre später entstanden neben den neuen Betriebsgebäuden auch zwei neue Betriebshäuser mit drei Wohnungen für Firmenmitarbeiter.

Eigene Kläranlage

1996 wurden die Lagerkapazitäten erneut vergrößert. Eine Großbrauerei in den neuen Bundesländern musterte sechs Flüssigkeitstanks aus, sie kamen nach Birkhof. Jeder Tank hat eine Größe von 280 Kubikmetern. In ihnen werden Knochenfett oder andere Fette und Öle gelagert. Wie schnell sich Märkte und Situationen ändern können, zeigte 2000 die BSE-Krise. Innerhalb kürzester Zeit musste sich der Familienbetrieb neu aufstellen. 2016 und 2017 wurde das Bürogebäude erweitert und modernisiert. 2018 ist eine neue werkseigene Kläranlage geplant.

Große europa- und weltweit operierende Firmen beherrschen die Märkte. "Hier mit erstklassigen und einwandfreien Produkten Schritt halten zu können und als Zulieferer nach wie vor interessant zu bleiben, wird die große Herausforderung der kommenden Jahre." Produziert wird in einem Dreischicht-System an sechs Tagen in der Woche. Der Familienbetrieb mit 26 Mitarbeitern will seine Eigenständigkeit bewahren. Betrug die jährlich verarbeitete Rohwarenmenge in den 70er Jahren noch 10 000 bis 15 000 Tonnen, wird aktuell eine jährliche Menge von 70 000 Tonnen verarbeitet. Die Produkte daraus gehen europaweit als Knochenfett, tierisches verarbeitetes Protein und organischer Naturdünger an weiterverarbeitende Betriebe. 2017 erfolgte erstmals eine Lieferung nach Südostasien und Indien.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.