14.02.2018 - 21:12 Uhr

Firma IEM aus Kastl bei Kemnath wieder auf Erfolgskurs Oberpfälzer reinigen Abluft aus Kohlekraftwerken

Das unternehmerische "Tal der Tränen" gehört der Vergangenheit an. 2014 kämpfte die weltweit tätige Firma IEM um ihre Existenz. An Nachhaltigkeit interessierte Investoren bringen sie wieder auf Kurs. Heute stehen die Oberpfälzer für jene Schlüssel-Technologie, welche die Kohlekraftwerke sauberer macht.

Die Firmenzentrale von IEM Fördertechnik in Kastl bei Kemnath: Hier sitzt auch die Abteilung Forschung und Entwicklung mit acht Mitarbeitern - vom Verfahrenstechniker bis zum Doktor der Chemie. Bilder: cf (5)
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

bei Kemnath. "Mercury Emission Control" (MEC) heißt das Verfahren: Es verringert das bei der Verbrennung von Kohle entstehende und durch den Kamin entweichende giftige Quecksilber dauerhaft um 60 bis 80 Prozent. Der toxische Stoff lässt sich ansonsten nur schwer im Rauchgas "einfangen". "Es gibt global kein anderes Unternehmen, das die diffizile Quecksilber-Thematik derart komplett angeht", sagt Geschäftsführer Ralf Zander. Seit September 2016 bietet der in Kastl bei Kemnath (Kreis Tirschenreuth) beheimatete Betrieb den Kohlekraftwerken sogar eine mobile MEC-Testanlage. Die Entwicklung dieses auf einem Lkw installierten Hightech-Messgeräts wurde vom Freistaat Bayern gefördert.

2014 stand das damals nahezu 170 Mitarbeiter zählende Unternehmen am Abgrund. Die ehemaligen Inhaber sorgten mit ihrem auf Fördertechnik-Aggregate und Klärtechnik spezialisierten Betrieb zwar für volle Auftragsbücher: Einer der Gesellschafter fiel jedoch auf einen Anlagebetrüger herein und "verbrannte" - zulasten der Firma - rund sieben Millionen Euro. Der riesige Verlust zehrte das Eigenkapital gänzlich auf, zuletzt hing IEM am Tropf der Banken. Dazu kamen Abschreibungen auf Finanzanlagen und ein hoher, aber unprofitabler Auftragsbestand aus dem Jahr 2014, der auch in den Folgejahren noch die Bilanz der IEM belastete. Diese Hintergründe hatten letztlich zum Verkauf des Unternehmens geführt. Die neuen Eigentümer sanierten - und strukturierten das Unternehmen von Grund auf.

"Langer Atem" nötig

"Im neuen Geschäftsjahr, das im Juni beginnt, erwarten wir erstmals wieder eine vernünftige operative Rendite. Die Auftragsbücher sind sehr gut gefüllt und wir gehen von einer weiteren Umsatzsteigerung auf knapp 20 Millionen Euro aus", sagt Geschäftsführer Zander. Er leitet mit Alexander Remes nicht nur die IEM. Sie gehören auch der dreiköpfigen Beteiligungsgesellschaft CGR Industry Management GmbH (München) an, die den angeschlagenen Familienbetrieb übernommen hat.

Auch in China aktiv

"Es waren harte Jahre, bei denen es um Schadensbegrenzung ging. Wir verzichteten auf jegliche Rendite", unterstreicht Zander den "langen Atem" der Investoren für eine "nachhaltige Wachstumsstrategie". Die Geschäftsführung mit Remes und Zander setzte auf neue Produkte, Internationalisierung und Wachstumsmärkte. Nach dem Abbau von mehr als 50 Arbeitsplätzen zählt heute IEM bei nahezu voller Auslastung 130 Mitarbeiter. Laut Zander stieg der Auftragseingang gegenüber dem Vorjahr um mehr als 70 Prozent. "Wir sind inzwischen breiter und globaler aufgestellt - und im klassischen Anlagenbau überall dort, wo extrem schwere, heiße oder aggressive Stoffe bewegt werden", erklärt Kaufmännischer Leiter Michael Walter. IEM verstehe sich als "kompletter Lösungsanbieter" mit eigener Forschung und Entwicklung, Engineering und Fertigung "unter einem Dach", bei hoher Wertschöpfungs-Tiefe. Dazu gehören die Quecksilber-Reduzierung ebenso wie etwa wartungsarme, robuste und langlebige Schienentransportsysteme beim Rückbau von Kernkraftwerken oder auch Komponenten für Kernkraftwerke in China. "Bei unseren Produkten handelt es sich stets um individuelle Maßanfertigungen, auch in Kleinserien", versichert Michael Walter. Neben den internationalen Aktivitäten zählt IEM als Zulieferer die bedeutende Unternehmen in der Region zu ihren Kunden, beispielsweise BHS Corrugated in Weiherhammer oder Siemens Medizintechnik in Kemnath.

Mehrere Standbeine

Zur Fördertechnik für fossile Energien/Schüttgüter und der Emissionskontrolle MEC kommen als weitere Standbeine: die IEM Service (Ersatzteile und Dienstleistungen wie Revisionen, Montage und Wartungen); ROS Metalltechnik (Lohnfertigung von Komponenten) und die ROS Rollentechnik (Trag- und Schwerlastrollen für die verschiedensten industriellen Anwendungen). Für den Bereich ROS Fördertechnik (Sonderlösungen für Stückgut) eröffnete IEM im Sommer 2017 einen Standort in Vaihingen bei Stuttgart.

Ohne Kohlekraftwerke hätte Deutschland ein Riesenproblem bei der sicheren Energieversorgung.Ralf Zander, Geschäftsführer IEM Fördertechnik GmbH
Wir sind inzwischen breiter und globaler aufgestellt - und im klassischen Anlagenbau überall dort, wo extrem schwere, heiße oder aggressive Stoffe bewegt werden.Michael Walter, Kfm. Leiter IEM

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