Die 150 Mitwirkenden der Kastler Schweppermann-Festspiele ernten viel Applaus - Massenszenen ...
Zurückversetzt ins Mittelalter

"Jedem Mann ein Ei, dem braven Schweppermann aber zwei!" Mit viel Charme setzten die Kastler den berühmten Ausspruch Ludwigs nach der siegreichen Schlacht bei Mühldorf in Szene. Bilder: Huber (2)
Kultur
Kastl
08.07.2013
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"Ein Spiel soll nun beginnen aus Kastls großer Zeit - von großer Rittertreue, doch auch von Zank und Streit." So verkündet es der Schalksnarr. Man schreibt das Jahr 1319 in Kastl. Ludwig der Bayer steht im Krieg mit Friedrich von Österreich um die deutsche Königskrone. Während alle Seiten versuchen, Allianzen zu schmieden, erholt sich Ludwigs Gattin Beatrix mit den Kindern Mechthild, Ludwig und der kleinen Anna auf der Klosterburg zu Kastl. Sie genießen die Gastfreundschaft der dortigen Mönche und von Frau Kathrein, der Gattin von Ludwigs Feldhauptmann, dem Kastler Seyfried Schweppermann.

Beatrix erlebt den Alltag im Kastler Markt mit den Klosterschülern ebenso wie mit Festen, Spiel, Musik und Tanz bei der Bevölkerung. Und mit ihr erleben es alle Besucher der Kastler Schweppermann-Festspiele, die am Freitag, nach fünf Jahren, wieder Premiere hatten.

Detailgetreue Kleider

Regisseur Michael Ritz kann mehr als stolz sein auf das, was die 150 Akteure und viele Helfer im Hintergrund auf die Bühne des Kastler Burghofes zaubern. Die prachtvollen Gewänder von Königin und Hofdamen sind ebenso detailgetreu und liebevoll hergestellt wie die Kleider des Volkes, und so bietet sich dem Zuschauer in den perfekt choreografierten Massenszenen ein farbenfrohes Bild.
Der Szenenaufbau stellt sich wie zufällig und selbstverständlich dar und ist doch erkennbar exakt festgelegt. Mit echten Pferden wird in den Burghof eingeritten, für Ein- und Auszug der Akteure dienen die alten Tore der Klosteranlage. Höfischer Tanz und Artistik lockern das Spiel an vielen Stellen auf. Da ist es kein Wunder, dass sich der Betrachter mehrfach tatsächlich ins 14. Jahrhundert zurückversetzt fühlt, wenn etwa die Mönche zum Läuten der Glocken beim Tod der kleinen Königstochter Anna psalmodierend in den Burghof ziehen - diese Szene dürfte sich in der Realität vor nahezu 700 Jahre ähnlich abgespielt haben.

Bis die Funken schlagen

Beeindruckend sind auch die Schaukämpfe der Schweppermannsöhne mit dem zukünftigen Knappen Trautwein, welchen vielen professionelle Fechtstunden vorangegangen sind. Mit schweißtreibendem Krafteinsatz werden die schweren Eisenschwerter geschwungen, bis sie sogar Funken auf dem Pflaster schlagen. So wechseln sich lebensfrohe Augenblicke mit Gänsehautmomenten ab, etwa, als in der abendlichen Dunkelheit, bei rötlicher Beleuchtung und bengalischem Feuer, bei Mühldorf die entscheidende Schlacht um die Königskrone ausgefochten wird - dargestellt durch die allegorischen Figuren Zwietracht, Not und Tod und kommentiert von dem allseits präsenten Schalksnarren: "Was für ein Schelmenspiel - ein Reich ... zwei Könige."
Die gespenstische Szenerie wird abgelöst von der Frohbotschaft des bayerischen Sieges und einer begeisternden Siegesfeier, bei der die Kastler Kinder die Entscheidungsschlacht aus ihrer Sicht zeigen und das Publikum mit ihrem Charme mitreißen. Wenn die kleinen Hennen Eier legen, um den berühmten Ausspruch Ludwigs zu verkörpern: "Jedem Mann ein Ei, dem braven Schweppermann aber zwei!", was denn auch mit viel Szenenapplaus belohnt wird.

Die "Stürmerin" erklingt

Den Abschluss des Stückes bildet die ergreifende Szene, als hoch im Turm die alte Glocke Kastls, die "Stürmerin", mit ihrem Schlagwerk einsetzt - es ist die Glocke, die die Kastler Edelfrauen anlässlich des Sieges von Ludwig gestiftet haben: "So klingt auch noch heute weit über Kastl hin das uralte Geläut der großen Stürmerin."

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Bildergalerien im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/schweppermann2013 http://www.oberpfalznetz.de/schweppermannzug2013
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