Kastler Sandlöcher werden nicht mehr bewirtschaftet Waldstück ist jetzt ein Reservat

Der Kastler Staatswalddistrikt Herrnberg wird stillgelegt: Das Gelände, in der Bevölkerung besser bekannt unter dem Namen Sandlöcher, ist vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten als Naturwaldreservat ausgewiesen worden.

Sie stellten das Naturwaldreservat in Kastl vor (von links): Die Bürgermeister Markus Dollacker (Ensdorf) und Stefan Braun (Kastl), Forstbetriebsleiter Thomas Verron, Reinhard Neft von den Bayerischen Staatsforsten aus Regensburg, Franz Brosinger vom Ministerium in München und Wolfhart-Rüdiger Wicht vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Amberg. Bild: jp
von Autor JPProfil

(jp) Einzelheiten zum Konzept und seinen Zielen waren Thema einer Zusammenkunft im Kastler Steinstadel mit Vertretern aus der Forstwirtschaft, dem Naturschutz und der Politik. Zu Thomas Verron, Leiter des zuständigen Forstbetriebs Burglengenfeld, gesellten sich unter anderem Ministerialrat Franz Brosinger vom Landwirtschaftsministerium aus München und Reinhard Neft von den Bayerischen Staatsforsten aus Regensburg.

Alle Fichten entfernt

Thomas Verron teilte erfreut mit, dass der staatliche Herrnberg mit rund 48 Hektar Wirtschaftswald ab jetzt ein Naturwaldreservat ist. Das bedeutet, dass die Bewirtschaftung eingestellt wurde. Das Areal liegt im FFH-Gebiet "Wälder im Oberpfälzer Jura". Aus diesem Waldmeister-Buchenwald wurden die Borkenkäfer gefährdeten Fichten komplett entfernt. Reinhard Neft stellte das Konzept der Naturwaldreservate vor, das es seit 2016 gibt. Er berichtete, dass die Staatsforsten in Bayern 19 000 Hektar natürliche, kartierte Waldgesellschaften (davon 7000 Hektar Naturwaldreservate) bei einer Gesamtfläche des Staatswalds von rund 800 000 Hektar ausgewiesen haben. Weitere würden folgen. Bürgermeister Stefan Braun betonte die gute Zusammenarbeit zwischen dem Markt Kastl und den Staatsforsten, die eine Dienststelle im Kastler Rathaus mit Bürgersprechstunden unterhält.

Dann führte eine Waldwanderung in den Herrnberg, am Kammweg entlang, um den Buchenwald in Augenschein zu nehmen. Große Fichtenholzstapel an der Forststraße zeigen, dass man diese Baumart ganz aus dem neuen Reservat genommen hat - wegen eventueller Kalamitäten (Schäden/Erkrankungen). Als Nadelholz wurden nur Kiefern und Lärchen stehengelassen. Einige der alten Buchen haben bereits deutlichen Pilz- und Schwammbefall, der in ein paar Jahren sicher zum Absterben und Umfallen dieser Exemplare führen wird. Auch der Anteil von sogenanntem Totholz ist entsprechend hoch. Charakteristisch für den Jura sind die bemoosten Felsriegel und bereits stark zersetzte Baumstümpfe - ein Rückzugsgebiet für selten gewordene Pflanzen und Tiere.

Neues Leben im Baum

Die Besucher konnten auch Spechthöhlen in alten Bäumen bewundern. In eine ist bereits ein Dohlenpaar eingezogen - ein Beispiel für Biodiversität (biologische Vielfalt). Auf Windwurf-Flächen hat sich schon eine dichte Buchen-Naturverjüngung eingestellt. Und auch die Sauen feiern fröhliche Urständ, wie eine durchgepflügte Rückegasse und die Schilderung des Jagdpächters Sven Schauer zeigten. Nach dem Waldbegang kehrte die Gruppe in den Steinstadel zurück. Hier erläuterte Bürgermeister Stefan Braun die Geschichte des Gebäudes. Thomas Verron kündigte an, dass die Staatsforsten ab Herbst in die Wildbret-Direktvermarktung einsteigen werden.

Naturwaldreservate

Franz Brosinger betonte, dass der Waldnaturschutz in Bayern Tradition habe. Naturwaldreservate, als Flächen, die nicht bewirtschaftet werden, und in denen man die natürliche Entwicklung beobachten kann, spannten sich wie ein natürliches Netz von den Alpen bis ins Weinbauklima Unterfrankens über ganz Bayern. Sie repräsentierten wie die Nationalparks die wichtigsten Waldgesellschaften. Dies sei auch in der Bayerischen Biodiversitäts-Strategie so verankert. Die Reservatsflächen, die ständig zunähmen, würden zur Sicherung der Biodiversität in den Wäldern beitragen. Dies sei in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels wichtig - denn sie fungierten als Trittsteine für selten gewordene Tier- und Pflanzenarten. (jp)

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