Hermann Schwarzferber aus Kastl im Sommer 2014 am Grab des 1914 verstorbenen Verwandten Gefallener Onkel - "sauberer Kerl"

"Wo ich heute lebe, hat er als Bub gespielt", sinniert Hermann Schwarzferber aus Kastl. Der 67-Jährige spricht von seinem Onkel Josef, dessen Grab er erstmals auf dem deutschen Soldatenfriedhof St. Mihiel oberhalb von Verdun besucht. Es regnet in Strömen an diesem Nachmittag. Doch den Mann aus dem Lauterachtal hält dies nicht ab, in sich zu gehen, eine Kerze zu entzünden, Blumen niederzulegen und das schwarze Eisenkreuz mit der Inschrift "Josef Schwarzferber, Sergeant, gest. 5. 11.1914" zu putzen.

Über 6000 deutsche Soldaten liegen hier auf dem Friedhof von St. Mihiel, oberhalb von Verdun - auch Josef Schwarzferber aus Kastl.
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

Auch mehrere Erinnerungsfotos werden aufgenommen, denn Hermann Schwarzferber ist sich nicht sicher, ob er noch jemals wieder hierher nach Frankreich zurückkehren wird - auf die ehemaligen Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs. Nach dem Besuch an der letzten Ruhestätte des Onkels denkt der Rentner nach und erzählt, dass er sich all die vergangenen Jahre immer wieder mal vorgenommen hatte, eines Tages an dieses Grab kommen zu wollen.

Auch den Gaskrieg

Geklappt hatte es vorher nie - aber nun, im Sommer 2014: "Die ständige Berichterstattung in den Medien über den Ersten Weltkrieg hat in mir etwas ausgelöst wie einen persönlichen Bezug." Eben den zum gefallenen Onkel, den Ältesten von sieben Geschwistern und Bruder seines Vaters, der selbst sowohl an der Ost- als auch an der Westfront eingesetzt gewesen war und den Gaskrieg überlebt hat.

Der Vater habe bis zu seinem Tod 1962 kaum über seine Kriegserfahrungen gesprochen - möglicherweise weil das Erlebte zu grauenvoll war, um es sich oder seinen Angehörigen immer wieder vor Augen zu führen.

Von seinem Onkel, so Hermann Schwarzferber, wisse er aus Erzählungen und von Bildern, dass er "ein sauberer Kerl war". Bis er im August 1914 in den Krieg zog, hatte er schon seit 1908 bei der 1. Kompanie im 21. Infanterieregiment der Königlich Bayerischen Armee in Fürth gedient. In dieser Zeit erreichte er den Dienstrang eines Sergeant - nach heutiger Lesart wohl ein Stabsunteroffizier. Am 5. November 1914 starb der frühere Hilfspostbote im Alter von 26 Jahre bei einem Gefecht um das Fort de Liouville.

Innere Genugtuung

Hermann Schwarzferber ist heute froh, die 466 Kilometer lange Autofahrt nach Frankreich angetreten zu haben. Er stieß zu der Volksbund-Gruppe hinzu, weil er früher zurückkehren musste als die anderen Teilnehmer. Beim Neffen von Josef Schwarzferber macht sich eine gewisse innere Genugtuung breit - weil er nach all den Jahren doch noch das Grab des Onkels gesehen hat.

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