Sparkasse und Raiffeisenbank beziehen in Kastl gemeinsame Filiale
Rot und Blau geben sich die Hand

Noch ist es die Sparkasse, doch schon bald zieht hier auch die Raiffeisenbank ein. In Kastl versuchen es die beiden Geldinstitute jetzt gemeinsam. Das freut unter anderem Bürgermeister Stefan Braun (links) sowie die beiden Vorstandsvorsitzenden Josef Dunkes (Dritter von links - Raiffeisenbank) und Dieter Meier (Fünfter von links - Sparkasse), die schon mal für die "Konkurrenz" Werbung machen. Bild: Steinbacher
Wirtschaft
Kastl
13.01.2017
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Besondere Umstände erfordern kreatives Handeln. Beispielsweise in der Bankenlandschaft, die auf der einen Seite mit sinkenden Zinserträgen, auf der anderen mit einem sich ständig verändernden Kundenverhalten hin ins Internet zu kämpfen hat. In Kastl führte das jetzt zum ersten Mal auf Landkreisebene zu einer räumlichen Kooperation von Raiffeisenbank und Sparkasse.

Die beiden Institute teilen sich künftig das bisherige Sparkassengebäude im Herzen der Gemeinde. Normalerweise fasst Dieter Meier, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Amberg-Sulzbach, das blaue Raiffeisen-Logo nicht so gerne an. Und auch Josef Dunkes, dem Vorstandsvorsitzenden der Raiffeisenbank Neumarkt, ist das rote Sparkassen-S eher fremd. Doch am Freitag demonstrierten sie beide die große Harmonie. Denn ab Mitte Februar werden sie gemeinsam die Bankfiliale am Kastler Marktplatz betreiben.

Über Schatten springen

"Natürlich muss man über den eigenen Schatten springen", machte Dieter Meier am Freitag deutlich, auf dessen Aussage in der Amberger Zeitung die jetzige Kooperation zurückgeht, die Sparkasse zeige sich grundsätzlich offen für eine Zusammenarbeit mit anderen Geldinstituten, wenn dadurch Filialen erhalten bleiben könnten. "Ich habe das gelesen, dann habe ich ihn angerufen", schilderte Josef Dunkes, der Raiffeisenmann aus Neumarkt, das weitere Vorgehen. Man traf sich, redete rund zwei Stunden und war sich schnell einig, es miteinander zu versuchen.

Künftig wird es also in der gemeinsamen Filiale am Marktplatz mal rote und mal blaue Tage geben. Mal steht der Mitarbeiter der Sparkasse hinter dem Tresen, dann ist es der von der Raiffeisenbank. "Die Gesichter bleiben die gleichen", versprachen Dunkes und Meier ihren Kunden. Im Gegenzug gibt die Raiffeisenbank die Filiale an der Amberger Straße auf. Das war übrigens auch Bürgermeister Stefan Braun wichtig gewesen, dass die gemeinsame Bank im Herzen der Gemeinde bleibt. "Damit haben wir hier das Dienstleistungszentrum Rathaus, Bank, Post, Metzger und Bäcker."

Kunden der einen Bank müssen laut Meier und Dunkes übrigens auch künftig nicht befürchten, dass ihre Konten von der anderen Bank ausspioniert werden können. "Keiner hat Zugriff auf die Daten der anderen", machte Meier deutlich. Das ist auch der Grund dafür, dass ein genauer Starttermin noch nicht feststeht - es muss eine zweite Datenleitung der Telekom gelegt werden. Gemeinsam genutzt wird hingegen der Geldautomat, die Kontoauszüge gibt es allerdings wieder getrennt. "Aber aus dem Geldautomat kommt kein rotes oder blaues Geld, es kommen immer Euro heraus", so Dunkes.

Keine neue Sache

Der kennt sich in Sachen Zusammenarbeit mit anderen Kreditinstituten übrigens schon gut aus. Seit rund zehn Jahren unterhält die Raiffeisenbank Neumarkt eine gemeinsame Filiale mit der dortigen Sparkasse in Seligenporten. Für die Sparkasse Amberg-Sulzbach hingegen ist diese Art der Zusammenarbeit neu. "Wir haben zwar schon Gespräche geführt, die waren aber nicht fruchtbar", sagt Dieter Meier. Das belastet Kastls Bürgermeister Stefan Braun aber eher weniger. Für ihn steht das Modell Kastl als Beispiel für die Bankenlandschaft der Zukunft. "Und hier in Kastl haben wir sowieso alle die rote und die blaue Karte in der Geldbörse."
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