20.04.2018 - 20:00 Uhr
KemnathOberpfalz

Josef Leypold sammelt über vier Jahrzehnte historische Waffen: "Startschuss" mit Opas Gewehr

Briefmarken? Münzen? Das hat Josef Leypold noch nie sonderlich interessiert. Seine Leidenschaft ist das Sammeln historischer Handfeuerwaffen.

Josef Leypold mit einem Radschlossscheibengewehr, das in den Jahren um 1740 mitunter in der Waffenmanufaktur in Fortschau gebaut wurde. Bild: br
von Hubert BrendelProfil

Überwiegend Gewehre aus Deutschland, Russland und England, aber auch eine breite Palette an sonstigen militärischen Gerätschaften der deutschen Wehrmacht nennt er mittlerweile sein Eigen. Darunter befinden sich auch eine Fliegerabwehrkanone 1938 (Flak) 20mm und ein Kettenkrad. Mit seiner Waffensammlung begeisterte er jährlich auf nahezu 40 Ausstellungen die Besucher.

Ansteckend

Mit dem Sammelvirus infiziert hat den heute 64-Jährigen sein Großvater Josef Schmidt. Dieser hatte sich 1912 freiwillig zum Wehrdienst beim 2. Schweren Reiterregiment in Landshut gemeldet. Knapp fünf Jahrzehnte später habe ihm sein Großvater von Kriegsereignissen und emotionalen Geschichten erzählt. Sein Vorfahre sei zudem noch im Besitz eines Gewehres mit Zielfernrohr, auch "Gewehr 1898" genannt, gewesen. Dieses habe er allerdings etwa 35 Jahre lang in einem Schweinestall versteckt.

So kam es auch nicht von ungefähr, dass Leypold im Alter von 17 Jahren begann, sich für Waffen zu interessieren. Zunächst widmete er sich jedoch der einschlägigen Literatur mit bis zu 600 Büchern. 1973 war das "Gewehr 1898" als Erbstück seines Großvaters der Grundstein für eine stetig wachsende Sammlung.
Nachdem damals ein neues Gesetz in Kraft getreten war, wonach jede Waffe angemeldet werden musste, stellte er beim damaligen Landratsamt in Kemnath einen Antrag für das Sammeln von Handfeuerwaffen. Durch sein fundiertes Wissen entwickelte sich Leypold auch zum Ansprechpartner für Behörden, wenn Waffen angemeldet wurden, die nicht bekannt waren. Seine Schätze wollte er auch der interessierten Öffentlichkeit nicht vorenthalten. Für Ausstellungen erhielt er auf Antrag vom Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden die Genehmigung für sämtliche automatischen Dekowaffen, die damals als Anscheinswaffen verboten waren.

In dieser Zeit habe er auch an einem Montag einen Anruf vom Landeskriminalamt erhalten, erinnert sich Leypold. Er sei gefragt worden, ob er am Telefon eine Sachkundeprüfung ablegen wolle. Diese hat er schließlich mit Bravour absolviert. So erhielt er 1978 auf Antrag auch die "rote Karte", eine Genehmigung, jederzeit und überall legal Waffen zu erwerben. So erstand er auch ein Radschlossscheibengewehr, das um 1740 in der Waffenfabrik in Fortschau als Teil der Meisterprüfung für Büchsenmacher angefertigt wurde. Es galt in der damaligen Zeit als der "Mercedes unter den Schusswaffen", meint der Sammler.

Umstieg auf Motorräder

Etwa zwei Jahre später entdeckte er eine Leidenschaft für Motorrädern. Sein erstes Gefährt wurde 1980 eine Zündapp KS 750 mit Beiwagen, mit der er inzwischen rund 100 000 Kilometer zurückgelegt hat. Für Leypold stand fortan das Sammeln der Oldtimerfahrzeuge im Vordergrund. Die Faszination für Waffen, besonders für die ehemalige Waffenmanufaktur in Fortschau, ließ ihn dennoch nicht los. Auf diese stieß er, als er von einem Schreinermeister aus Mitterteich ein Gewehr kaufen wollte.

Der Kemnather begann daraufhin, sich beim Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreis Kemnath und Umgebung (HAK) zu engagieren. Zehn Jahre lang leitete er das Heimatmuseum der Fronveste, wo er "mit Herzblut" die Fortschauer Waffensammlung mit aufgebaut hat. Mittlerweile können dort 27 Exponate aus dem Fortschauer Armaturwerk bewundert werden. Damit gelang es ihm, ein Stück Heimatgeschichte zu erhalten und interessierten Besuchern zugänglich zu machen.

Auch wenn Leypold auf Antrag seines Vaters keinen Wehrdienst leisten musste, so schloss er sich 1976 als förderndes Mitglied der Reservistenkameradschaft (RK) Speichersdorf an. Deren größere Veranstaltungen bereicherte er seitdem mit seinen Waffenschauen, die ein Besuchermagnet waren. Zuletzt zeigte er seine Sammlung im Vorjahr beim 7. Bürgerfest der Gemeinde Speichersdorf.

Neben den Ausstellungen fand Leypold aber auch mit seinen unzähligen Waffenvorträgen immer aufmerksame Zuhörer. Doch damit nicht genug: Er war auch von 1990 bis 2000 in der Reservistenarbeitsgemeinschaft Schießsport Weiden aktiv. Er bekleitete in dieser Zeit auch das Amt des zweiten Vorsitzenden und stellte auch gerne seine Waffen zur Verfügung.

Nach über 50 Jahren als selbstständiger Metzgermeister mit einem Ladengeschäft und angegliederter Gastwirtschaft am Kemnather Stadtplatz, musste er vor drei Jahren krankheitsbedingt seinen Beruf aufgeben. Damit einhergehend beendete er auch seine Sammelaktivitäten. Doch dies bedeutet nicht, dass er diese ganz beiseitegeschoben hat. Gerne gibt er sein fundiertes Wissen rund um historische Waffen an Interessierte weiter.

 

 

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