09.03.2017 - 18:10 Uhr
KemnathOberpfalz

Stefan Krauß kauft Nachbau des Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 Der Vater aller Autos

Er sieht aus wie das Original - kann es aber natürlich nicht sein: Denn der Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 aus dem Jahr 1886 steht im Deutschen Museum in München. Der Kemnather Stefan Krauß hat sich aber einen exakten Nachbau dieses ersten Automobils mit Verbrennungsmotor zugelegt.

Stefan Krauß (sitzend) hat sich einen exakten Nachbau des Benz Patent-Motorwagens Nummer 1 zugelegt. Unterstützung bekam er bei der Suche und Kaufabwicklung von Robert Skottke (links). Bilder: stg (3)
von Holger Stiegler (STG)Profil

(stg) "Irgendwie ist die ganze Familie Mercedes-narrisch", erzählt Krauß. Schon seine Opas hatten ein Faible für die Fahrzeuge aus Stuttgart. Sein Großvater mütterlicherseits habe sogar das erste Auto in Waldeck überhaupt gehabt. Krauß selbst ist großer Oldtimer-Fan und privat viel auf Messen unterwegs. Die ganze Familie stehe hinter seinem Hobby - solange es nicht ausartet.

Ein Nachbau des Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 hat den Kemnather schon lange interessiert, aber auch wirklich einen zu finden, ist gar nicht so einfach. Unterstützung hat er dabei vom befreundeten Rechtsanwalt Robert Skottke aus Kemnath bekommen. Der Jurist teilt mit dem Bäckermeister nicht nur die Leidenschaft für alte Autos, er hat sich auch beruflich intensiv mit Oldtimer- und Youngtimer-Recht befasst.

In London entdeckt

"Nach einiger Zeit des Suchens haben wir ein privates Automuseum in London entdeckt, das aufgelöst werden sollte", erzählt Krauß. Und tatsächlich gehörte zum Bestand auch ein Nachbau des Benz Patent-Motorwagens Nummer 1. Die Kemnather nahmen Kontakt auf - und nach einigen Telefonaten war man sich schnell einig geworden. "Der Verkäufer wollte natürlich auch sichergehen, dass das Automobil in gute Hände kommt", berichtet der 39-Jährige. Skottke klärte Themen wie Zoll, Steuer, Versicherung und einiges mehr ab, so dass es bereits kurze Zeit später nach London ging, wo der Kaufvertrag abgeschlossen wurde - "über einen aktuell marktüblichen fünfstelligen Betrag", verrät der neue Besitzer. Vor Ort habe es eine Einweisung gegeben, bevor eine Spedition aus Bayreuth das Gefährt verlud.

Tempo 16 Spitze

Wenn Stefan Krauß auf dem Wagen sitzt und darüber spricht, dann kommt er regelrecht ins Schwärmen. Was für den Laien eher nach Fachchinesisch klingt, verzückt natürlich den Oldtimer-Fan. Zentrales Teil ist ein wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor mit einem Hubraum von 0,954 Litern mit großem Schwungrad, liegend im Heck eingebaut. Die Leistung liegt bei 0,75 PS bei 400 Umdrehungen pro Minute. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 16 Kilometer pro Stunde.

Zum Fahrwerk des zweisitzigen Gefährts nennt Krauß Stichworte wie Stahlrohrrahmen, Hinterradaufhängung mit Starrachse und Vollelliptikfedern, Zahnstangenlenkung mit Lenkkurbel, eine Handbremse, die als Bandbremse wirkt auf eine Vorlege-Riemenscheibe und drei Drahtspeichenräder aus Vollgummi mit einem Durchmesser vorne von 730 Millimetern und hinten von 1125 Millimetern. Viele weitere Details kann er noch erzählen - beispielsweise über die Kraftübertragung, die Funktion des Motors, die Zündung und die Schaltung.

Das gute Stück will Krauß natürlich nicht nur in der Garage stehen lassen, sondern damit an verschiedenen Oldtimer-Veranstaltungen teilnehmen. "Dazu wird sicherlich auch das Kemnather Oldtimertreffen im August gehören."

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