26.04.2018 - 21:30 Uhr
KemnathOberpfalz

Waldeck eröffnet im Juni Deutschlands ersten "Essbaren Wildpflanzenpark" Insel für Selbstversorger im Steinwald

Ginge es nach Dr. Markus Strauß, würde sich die Menschheit vor allem von Wildpflanzen ernähren: "So viel können wir gar nicht essen." Waldeck fängt schon mal an: Mit Deutschlands erstem "Essbaren Wildpflanzenpark" (Ewilpa) - ein Parcours rund um die Burg.

Die Väter des Essbaren Wildpflanzen-Parks in Waldeck: (von links) Leonhard Zintl, Bürgermeister Werner Nickl, Ernst Tippmann, Markus Strauß sowie Franz Horn und Georg Wagner vom Heimat- und Kulturverein. Bild: Herda
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Waldeck. "Ich wollte einen Kräutergarten bei der Burg anlegen", erzählt Leonhard Zintl, zweiter Vorsitzender des Oberpfälzer Waldvereins, "dann bin ich vor zwei Jahren auf Buchautor Markus Strauß aufmerksam geworden." Der Volksbanker aus Waldeck und der Allgäuer Ernährungsreformator fanden schnell zu einander: "Ziel der Ewilpa Stiftung Waldeck ist die Reintegration der essbaren Wildpflanzen in unsere heutige Alltagskultur", sagt Strauß.

"Der Bürgermeister hat gemeint, ,unbedingt machen' und auch Ernst Tippmann, Vorstand des Naturparks Steinwald hielt es für eine tolle Sache", sagt Zintl. Knapp zwei Monate vor der offiziellen Eröffnung sind die gärtnerischen Arbeiten des etwa 62 000-Euro teuren Projekts weitgehend abgeschlossen: "Wir haben seit Herbst die bestehenden Alleen, Obstwiesen und Wege um 1000 Sträucher und 100 Bäume ergänzt", sagt Zintl.

Grünes Klassenzimmer

"Das ging nur, weil alle zusammen geholfen haben", lobt Kemnaths Bürgermeister Werner Nickl die Mitglieder des Heimat- und Kultur- oder des Obst- und Gartenbauvereins. Rund 24 000 Euro steuert die Stadt bei: "Dafür profitieren die Bürger vom Naherholungsgebiet, einem attraktiveren Wohnstandort, von der Selbstversorgung mit gesunden Wildpflanzen, vom grünen Klassenzimmer", zählt Strauß auf.

Hecken, Stauden und Bäume bieten Lebensraum für Bienen und Käfer, der Basis der Nahrungskette. Strauß, der an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen und bald auch in Waldeck die einzige Ausbildung auf Hochschulniveau im Bereich essbare Wildpflanzen anbietet, prophezeit einen kulturellen Wandel: "An meinen Seminaren nehmen viele Ärzte, Heilpraktiker, Lehrer aber auch städtische Bauamtsvertreter teil, die landwirtschaftliches Industriegebiet wieder mit Hecken und Stauden bereichern wollen."

Der promovierte Geologe preist die essbaren Wildpflanzen, die künftig jeder am Rand des rund fünf Kilometer langen und mit 13 Schautafeln beschilderten Rundwegs vom Sportplatz zum Schlossberg ernten kann:

"Wildpflanzen waren 2,7 Millionen Jahre neben der Jagd die Nahrungsgrundlage des Menschen", plädiert Strauß für eine "artgerechte" Ernährung.

Industrielle Lebensmittel seien nicht nur gespickt mit Zucker und ungesunden Fetten, es fehlten auch Bitterstoffe, die die Gallentätigkeit und damit Verdauung anregen würden.

Noch sei das Thema nicht sehr gründlich untersucht: "Grob kann man sagen, dass in wilden Pflanzen 5- bis 10-mal mehr Vitalstoffe enthalten sind."

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