Ausstellung im Wunsiedler Fichtelgebirgsmuseum
Wärmflaschen und ihre Geschichte“

Die seit dem 16. Jahrhundert beliebten Wärmflaschen waren nicht nur Nutzgegenstände, sondern auch Statussymbole. Eine glänzende Vernickelung sah gediegen aus und verhinderte ein unschönes Oxidieren des Grundmetalls. Die eingearbeiteten Sicken dienten zugleich der Verzierung und der Stabilität.
Kultur
Kemnath
24.12.2016
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Diese etwa 250 Jahre alte Messing-Bettpfanne ist das Lieblingsstück des passionierten "Sammlers vor dem Herrn" Ernst Roth. Derartige Wärmepfannen wurden mit erhitztem Sand, aber auch mit Kohlenglut gefüllt und unters Bett gestellt. Bilder: Schönberger (5)

"Meine Wärmflaschen konnte man schon im Wunsiedler Fichtelgebirgsmuseum sehen. Aber eure Ausstellung ist schöner." Sichtlich warm ums Herz wird es Ernst Roth, wenn er seinen Blick durch die "gute Stube" des Heimat- und Handfeuerwaffenmuseums schweifen lässt, wo seine ungewöhnlichen Schätze ruhen.

Von Bernhard Piegsa

Viel Zeit und Mühe hat Museumsleiter Anton Heindl auf seine "etwas andere Weihnachtsausstellung" namens "Wohlig warm - Wärmflaschen und ihre Geschichte" im Erdgeschoss der Kemnather Fronveste verwandt, in der einmal nicht die vertrauten Advents- und Christfest-Accessoires die Hauptrolle spielen. "Krippen und Fatschenkindl, Nussknacker und Christbaumkugeln: Das zeigen die meisten Museen in der Weihnachtszeit, und alles das hat in den letzten Jahren auch bei uns im Mittelpunkt gestanden. Heuer wollten wir mal einen ganz anderen Weg gehen", verrät Heindl.

Aber warum gerade Wärmflaschen? Auf diese heiße Fährte hatte ihn Ernst Roth geholt, der heimliche "Sammlerkönig" von Pegnitz. Mit ihm stehen Heindl und seine Mitstreiter vom Museumsteam des Kemnather "Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises" (HAK) seit vergangenem Jahr in gutem Kontakt.

Damals bereiteten die Geschichtsfreunde eine Ausstellung zum Thema Zeitmessung vor: "Und wer sich in unserer Region mit diesem Sujet befasst, kommt um Ernst Roth und seine Uhrensammlung gar nicht herum", gerät Anton Heindl ins Schwärmen. Doch nicht nur Taschen- und Anhängeruhren haben es dem 88-jährigen früheren Leiter des Motorenprüffelds beim Pumpenhersteller KSB angetan. Im Laufe von mehr als 40 Jahren fanden auch Stiche, Ansichtskarten, Glaskrüge, Emailschilder und noch vieles mehr eine Heimat bei dem gebürtigen Marienbader.

Mit dem Sammelfieber steckte Roth obendrein seine Familie an: Seine Ehefrau fand Gefallen an böhmischen Glasvasen, die Tochter erwärmte sich für Bügeleisen - und als seine Enkelin ihn fragte: "Opa, was soll denn ich sammeln?", lautete sein Vorschlag: historische Wärmflaschen. Inzwischen habe er die über 30 in etlichen Auktionen ersteigerten Wärmespender allerdings in seine Obhut genommen: "Meine Enkelin hat geheiratet, leitet mit ihrem Mann ein Photovoltaikunternehmen - da bleibt zum Sammeln keine Zeit mehr."

In Anton Heindl, der selbst ein passionierter Sammler historischer Dokumente und Gerätschaften von der Postkarte bis zum Jugendstil-Orchestrion ist, fand der Wahl-Oberfranke eine verwandte Seele und überantwortete ihm für drei Monate vertrauensvoll seine Kostbarkeiten aus drei Jahrhunderten. Denn kostbare Zeugen einer oft unbehaglichen Vergangenheit, die mit einer idyllisch verklärten "guten alten Zeit" wenig zu tun hatte, sind sie zweifellos: die Wärmflaschen und Wärmepfannen aus Steingut und Porzellan, edel glänzendem Kupfer und Messing, schwerem Zinn oder schlichtem Blech, und die Wärmesteine aus Serpentinit, das in Deutschland vor allem im Erzgebirge, aber auch bei Erbendorf und Rehau vorkommt.

"Jeder von uns nutzt heute warme Winterbekleidung und die Annehmlichkeiten beheizter Wohnungen. Das war nicht immer so", blickt Wärmflaschensammler Ernst Roth in einem kurzen Erläuterungstext für die Museumsbesucher zurück. In vielen Häusern habe es nur eine beheizte Wohnstube gegeben, und auch die "Hutzenstuben" hätten Gelegenheit geboten, in gemütlicher Runde mit Anverwandten und Freunden etwas Wärme zu tanken: "Um aber auch im Bett ein warmes Plätzchen vorzufinden, wurde eine Vielzahl von Wärmern und Wärmflaschen erfunden."

Freilich war der Wunsch nach Wärme nicht ohne Risiko zu erfüllen: Eine Wärmflasche voll heißen Wassers konnte auslaufen oder platzen, und die mit glühenden Kohlen zu befüllende und unters Bett zu schiebende Wärmepfanne, Roths Lieblings-Sammelstück, dürfte bei manchem Schläfer ein mulmiges Gefühl hervorgerufen haben: Vielleicht spiegelt die Redewendung "Feuer unterm Hintern machen" einschlägige schmerzvolle Erfahrungen wider.

Zusätzlich zu den Exponaten der Sammlung Roth zeigt die Sonderschau einen "gerundeten" Leibwärmer, der sich um Bauch oder Nierengegend schmiegt, aus dem Nachlass der Kemnatherin Margarete Heuberger und eine "patriotische" Wärmflasche aus dem Ersten Weltkrieg mit Reichsadler, Eisernem Kreuz und Losung "In Treue fest" aus dem Besitz von Arno und Tobias Damberger.

"Die beiden Ebnather haben auch schon zugesagt, die Weihnachtsschau 2017/18 zu bestücken, die unter dem provokanten Motto 'Weihnachten im Ersten Weltkrieg - der Krieg begann im Kinderzimmer' stehen wird", kündigt Museumsleiter Anton Heindl an.

ServiceAusstellung: "Wohlig warm - Wärmflaschen und ihre Geschichte". Bis 26. März.

Ort: Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum in der Fronveste, Trautenbergstraße 36, 95478 Kemnath.

Öffnungszeiten: jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr sowie jeden ersten Sonntag des Monats zusätzlich von 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung. Eintritt frei.

Kontakt: 09642/8396.

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Weitere Informationen:

www.hakkem.de http://koerper-waermespender.de/pages/historisches...
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