Pater Anselm Grün referiert in der Kemnather Mehrzweckhalle vor gut 500 Zuhörern
Was einem die Emotionen sagen

Kultur
Kemnath
09.03.2018
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Pater Anselm Grün und ein guter Krimi haben eines gemeinsam - beide können gehörig fesseln. Den Zuhörern in Kemnath gibt er mit auf den Weg, dass negative Emotionen auch etwas Gutes haben können.

Mit seiner ruhigen, aber zugleich auch eindrucksvollen Stimme zog er am Donnerstag die Zuhörer in der Mehrzweckhalle in seinen Bann, sorgte dafür, dass sich sämtliche Augen und Ohren voll und ganz auf ihn konzentrierten. Er, das war an diesem Abend Pater Anselm Grün, der frühere wirtschaftliche Leiter der Abtei Münsterschwarzach und damit ehemals für 20 Betriebe verantwortlich.

Doch Grün ist noch viel mehr, denn der Benediktinermönch zählt zu den meistgelesenen christlichen Autoren der Gegenwart: Mittlerweile sind rund 300 Bücher lieferbar mit einer Gesamtauflage von weit über 15 Millionen Stück. Übersetzt worden sind seine Werke in über 30 Sprachen. Am Donnerstagabend stand er vor der Passionsbühne auf einem kleinen Podest. Ein mittlerweile 73-Jähriger mit leicht zotteligen grauen Haaren und ebensolchem rauschigen Vollbart.

Gut 500 Zuhörer wollten auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Tirschenreuth sowie der Pfarrei Kemnath hören, was ihnen der Mönch zum Thema "Verwandlung der Emotionen" zu sagen hatte. Rund 70 Minuten sprach der promovierte Pater ohne Manuskript, erläuterte anhand zahlreicher Geschichten aus der Bibel, eigener Erfahrungen und Untersuchungen anderer Theologen und Psychologen, wie (negative) Emotionen zu Quellen für positive Kraft werden können.

In seinem Vortrag machte Pater Anselm deutlich, dass es darauf ankomme, wie man mit Emotionen umgehe. "Es geht nicht darum, sich gegen Emotionen zu wehren. Denn alle Emotionen haben einen Sinn", stellte der Referent fest. Versuche, ein Gefühl zu unterdrücken, führten eher dazu, dass dieses noch intensiver und noch stärker werde. Aus diesem Grund sei "Verwandlung" ein zentraler Begriff. Der Ordensmann rief den Zuhörern auch in Erinnerung, dass das Nicht-Sprechen über Gefühle zu einer Lähmung führe. "Alle Emotionen wollen uns etwas sagen", so Pater Anselm.

Anhand zahlreicher Beispiele aus eigenen Gesprächen und Begegnungen widmete sich der Referent Emotionen wie Ärger, Hass, Jähzorn, Neid, Eifersucht, Trauer sowie Depression und gab Ratschläge, wie mit diesen umgegangen beziehungsweise wie sie ins Positive verwandelt werden können. Anselm Grün konnte natürlich keine allgemeingültigen Patentrezepte geben. Es gelang ihm aber, die an sich einfache Botschaft, die allerdings oft verschüttet sei, wieder ins Bewusstsein der Zuhörer zu bringen - nämlich dass man keine "Schuld" bei sich suchen solle, wenn negative Emotionen aufkommen. "Ganz entscheidend ist es, wie ich damit umgehe", formulierte es der Referent.

Und er ging sogar noch einen Schritt weiter, denn solche Emotionen könnten eine Chance sein. Eine ganz wesentliche Hilfe sei das richtig verstandene Gebet. "Hier darf es aber nicht darum gehen, Gott als eine Art Zauberer zu verstehen, der beispielsweise die Angst nimmt." Die Wirkung Grüns aufs Publikum war unübersehbar: gebannte Stille, die bei Vortrags-Veranstaltungen mit vergleichbaren Besucherzahlen eigentlich unvorstellbar ist. Die Zuhörer hingen an seinen Lippen. Dass Anselm Grün in gewisser Weise ein "Massenphänomen" ist, bewies der Abend.

"Zum Teil kommen Emotionen, und wir wissen nicht warum", sagte Pater Anselm. Oftmals würden diese auch aus alten Verletzungen in der eigenen Lebensgeschichte rühren. Ein "rationales Wegwischen" gebe es nicht. "Emotionen geben meinem Leben Geschmack, Leidenschaft und Kraft", meinte Pater Anselm. Im Anschluss an den Vortrag stand der Geistliche noch für Fragen zur Verfügung, außerdem signierte er zahlreiche seiner Werke, die am Tisch des Kemnather "Bücherladen" erhältlich waren.
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