09.11.2017 - 20:00 Uhr
KemnathOberpfalz

Verantwortliche der Kemnather Passion stellen Kostüme für Darsteller zusammen Authentischer und schmutziger

Was ziehe ich heute nur an? Diese Frage - Achtung Klischee - kennen viele Ehemänner von ihren Frauen. Schwieriger wird's, wenn es darum geht, jemand anderen einzukleiden. Und noch komplizierter ist es, Kostüme für gut 100 Darsteller auszusuchen oder zusammenzustellen.

Wer zieht was an? Mit Hilfe des Bildbandes von 2013 suchen Spielleiter Thomas Linkel, Organisationsleiter Roland Sächerl, Kostümbildnerin Monika Popp und Elke Linkel (von rechts) auf dem Dachboden des Alten Rathauses die ersten Gewänder aus. Bilder: plms (3)
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Vor dieser Aufgabe stehen die Verantwortlichen der Kemnather Passion alle fünf Jahre. So auch diesmal, als Spielleiter Thomas Linkel, seine Frau Elke, Beate Stock als Leiterin der Ausstattung, Kostümbildnerin Monika Popp und Organisationsleiter Roland Sächerl auf dem Dachboden des Alten Rathauses stöbern und den Fundus sichten.

An sechs Kleiderständern hängen - teilweise in Folie eingehüllt - Kostüme für das Volk, den Hohen Rat, die Apostel, Jesus sowie die jüdischen und römischen Soldaten. Deren Helme und Schwerter liegen in Regalen, große Plastiktüten schützen weitere Kopfbedeckungen vor Staub. Schuhe, die eher wie Sandalen aussehen, stapeln sich in verschließbaren Kunststoffboxen. Dazwischen verteilt lagern einige Scheinwerfer, Kartons mit Kleiderbügeln und in Stoff eingewickelte Vorhänge für die Tribüne.

Blicke in Bildband

Stock und Popp haben Vorarbeit geleistet und die Gewänder für die Apostel-Darsteller hergerichtet. Es sei "farblich schön, wenn es unterschiedlich ist", meint Popp, die vor fünf Jahren zu der Truppe gestoßen war. Sie habe die Sachen so "rausgesucht, wie es bei der letzten Passion war". Damals sei Judas gelb gekleidet gewesen - in der Farbe des Verräters. "Das war bewusst so gewählt", weiß Thomas Linkel mit Blick in den Bildband über die Aufführungen von 2013. Für die nächste Inszenierung wünscht er sich allerdings mehr Filzwolle für die Jünger. Das sei von der Qualität hochwertiger. Der Spielleiter möchte gerne "weg von Synthetik".

Auch bittet er Popp, "das Volk schmutziger zu machen". Es könne "nicht wie frisch aus der Waschmaschine aussehen. Das wirkt unecht." An den nächsten Bildband, der mehr Aufnahmen von den Vorbereitungen enthalten sollte, denkt dagegen Stock. Wenn der Stoff zu sehr glänze, "kommt das schlecht auf den Fotos". Beide vertrauen daher auf die Kunst der Theaterschneiderin Popp, die auch für die Inspizienz bei den Aufführungen zuständig ist. Sie versuche, die Kostüme mal entsprechend "schmutzig einzufärben und zu schauen, welche Farben dafür überhaupt geeignet sind".

Authentischer sollte auch die Zusammensetzung des Volkes sein. "Damals war oft Krieg, und alt sind sie auch nicht geworden. Die Mittellage war ziemlich ausgedünnt." Allerdings stünden die Darsteller in dieser Altersklasse überwiegend als Soldaten auf der Bühne, weshalb Linkel angesichts rund 90 angemeldeter Personen meinte: "Es könnten mehr sein." Während er mit Sächerl mögliche Kandidaten durchgeht, sichten die drei Frauen weiter den Fundus.

Nicht glücklich ist Linkel auch mit Helm und Hosen beim "jüdischen Gewand". Sollten die Helme wegfallen, "müsste man den Kameraden sagen, dass sie nicht mehr zum Friseur gehen", meint dazu Sächerl. "Sie sollten keine kurzen Haare haben." Auch wenn die Helme nicht so gut auf dem Kopf halten, findet er sie "nicht schlecht". Man könnte ja versuchen, sie weiter zu machen. Ebenso kann er sich mit den Hosen anfreunden, sie sind nicht wie die Oberteile synthetisch. Passen müssten jedenfalls die Helme der römischen Soldaten, fordert der Spielleiter. Deren Darsteller müssten lange stehen, "wenn's drückt, wird's unangenehm".

Obwohl noch Fragen zu klären sind, erwartet Popp, die während der Saison im Festspielhaus in Bayreuth tätig ist, dass "der Aufwand dieses Mal nicht so hoch wird", bis alle eingekleidet sind. Vor fünf Jahren seien die Kostüme für den Hohen Rat und die Apostel neu gemacht worden. Bei den Darstellern der Priester, Ältesten und Schriftgelehrten gibt es laut Thomas Linkel nur zwei Umbesetzungen. Die kämen von der Größe her hin, weshalb die Änderungen nicht ins Gewicht fallen, ist die Theaterschneiderin sicher. Und da bei den Frauen wieder die gleichen dabei seien, könne man deren Gewand so belassen. Um aber auf Nummer sicher zu gehen, bittet sie Sächerl um eine Auflistung der Darsteller mit Schuh- und Körpergröße.

Neue Schuhe für Hohen Rat

Dennoch kommen die Verantwortlichen nicht um Neuanschaffungen herum. Für Pontius Pilatus, Hohen Rat und Teile des Volkes sollen neue Schuhe her. Die alten waren kaputt und "haben nicht schön ausgeschaut", meint Stock, und ist damit nicht allein. Popp hat bereits im Internet gestöbert. Eventuell könne man beim Hohen Rat noch vorhandene Schuhpaare mischen, schlägt sie vor. Bei den Soldaten sollten sie jedoch alle gleich sein.

Bis zum großen Einkleiden am 13. und 14. Januar soll laut Stock alles, "was nicht repariert oder zu Tode gewaschen wurde", aussortiert werden. Was dann fehlt, könne ergänzt werden, sagt Popp, die auch einen Kostümverleih betreibt. Doch um davon möglichst wenig Gebrauch machen zu müssen, hat Thomas Linkel einen Vorschlag: Gewänder, die man nicht waschen kann und die "zu sehr muffeln", mit Wodka besprühen: "Dann riecht man nichts mehr."

Sechs Vorstellungen

Die seit 1983 achte Kemnather Passion feiert am 10. März 2018 um 19.30 Uhr Premiere in der Mehrzweckhalle. Weitere Termine sind Samstag, 17. und 24. März, ebenfalls um 19.30 Uhr sowie Sonntag, 18. und 25. März, jeweils um 18 Uhr, und Karfreitag, 30. März, 19.30 Uhr. Eventuell gibt es eine Zusatzvorstellung. Tickets und Informationen unter www.kemnather-passion.de.

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