Bienen und Blüten im perfekten Tauschgeschäft - Expertin referiert bei Imkern im Landkreis ...
Fruchtbringende Partnerschaft

Lokales
Kemnath
03.04.2014
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(hrö) Bienenexpertin Dr. Friedgard Schaper, die ehemalige Leiterin des Fachzentrums Bienenzucht an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim sorgte für ein volles Haus bei der Jahresversammlung der Imker im Landkreis Tirschenreuth. Ihr fachlich und rhetorisch hervorragender Vortag, "Bienenweide: Blüten für die Bienen, Bienen für die Blüten" begeisterte nicht nur die Neulinge unter den Imkern, selbst erfahrene Bienenzüchter sprachen der Referentin hohes Lob aus.

Dr. Schaper erklärte, der eigene Garten, die Wiesen und Äcker sind ein Stück von Menschen gestaltete Natur. Jeder freue sich dort über blühende Pflanzen, reifes Obst und Feldfrüchte. Trotz Fleiß und Technik könne der Mensch aber nicht alles allein schaffen. "Er braucht die Hilfe der Insekten, insbesondere der Bienen, um im Sommer Erdbeeren und Kirschen und im Herbst Birnen, Pflaumen, Äpfel und viele andere Früchte zu ernten.

Perfektes Tauschgeschäft

Wenn eine Pflanze Samen oder Früchte hervorbringen will, muss sie zuvor bestäubt werden. Die Frage sei, was braucht die Biene? Nektar als Energienahrung und Pollen als Aufbaunahrung. Beides bieten die Blüten in einem perfekten Tauschgeschäft an. "Ohne Werbung mit attraktiven farbigen Blüten und Bezahlung durch mit dem Rüssel erreichbaren Nektar kommen keine Insekten vorbei", meinte Dr. Schaper.
Bienen wünschen sich die "ideale" Blüte, bunt strukturiert, individuell. Sie erkennen Farben (UV-Licht, kein Rot), Bienen haben ein gutes Farben- und Formengedächtnis zum Wiedererkennen und Wiederfinden von Trachtpflanzen mit viel zuckerreichem Nektar, markantem Duft, viel hochwertigen leicht auszubeutenden Pollen. Die Frage, "Wer hat die Werbung mit Farben erfunden?" sei klar zu beantworten: die Natur.

Damit die Werbung noch besser ankommt, sind manche Blüten bunt. Ist die Blüte befruchtet, ändert sie oft ihr Aussehen und signalisiert den Insekten: Hier lohnt sich der Anflug nicht mehr. Nachts, bei Regen und Kälte schließen sich die meisten Blüten. Nur für die Nachtschwärmer unter den Insekten haben einige Pflanzen auch wenn es finster wird noch ihre Nektarquellen geöffnet.

Blüten produzieren ein Überangebot an Blütenstaub (Pollen) und Nektar, um damit Insekten anzulocken. Wenn Insekten Nektar saugen, streifen sie mit ihrem fein behaarten Körper auch an den Staubbeuteln entlang und pudern sich mit Blütenstaub ein. Beim Besuch der nächsten Blüte wird die Biene an der Narbe, dem Empfangsorgan für Blütenstaub, vorbeistreifen, einige Pollenkörnchen bleiben hängen, die Befruchtung kann erfolgen. Der übrige Blütenstaub wird zur Versorgung der Bienenbrut und der geschlüpften Bienen in das eigene Bienenvolk getragen, erklärte die Expertin.
Ein Bienenvolk sammelt im Lauf eines Jahres etwa 35 Kilogramm Blütenstaub, um damit Larven und junge Bienen zu ernähren. An dieser Menge kann man erkennen, wie umfangreich die Bestäubungsleistung ist. Der Bienenfleiß lasse sich aber auch sehr direkt ausdrücken: "Der durch die Bienen ermöglichte Obstertrag übertrifft im Wert den Honigertrag um das Zehnfache. Hinzu kommt noch der Wert der Bestäubung von Saatkulturen, Futterpflanzen und Wildpflanzen in unserer blühenden Natur."

Bienen brauchen Hilfe.

Nach dem Frühjahr mit seiner Blütenvielfalt in der Kulturlandschaft wird das Angebot geringer. Wo findet man noch Löwenzahn- oder Wildwiesen. Im Sommer, besonders im Spätsommer, ist eine ausreichende Versorgung wichtig, um mit gut genährten Bienen in den langen Winter zu gehe. Bienchens "Traum-Menü" könnte dann im "Vier-Sterne-Hotel" Bienenweide angeboten werden, riet Dr. Schaper.

Wer den fleißigen Sammlerinnen helfen wolle, der kann in seinem Garten durch eine blütenreiche Bepflanzung für einen reich gedeckten Tisch sorgen. Wichtig sei hier zu wissen, dass nur ungefüllte Blüten den Insekten den lebensnotwendigen Pollen anbieten. "Der häufig so sehr geschätzte nur grüne Zierrasen ist für Tiere eine grüne Wüste. Dort gibt es keine Lebensmöglichkeit für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Igel, selbst den Regenwürmern gefällt es dort nicht mehr."
Die Umwandlung von Zierrasen zur Blumenwiese funktioniere allerdings nicht von heute auf morgen, lasse sich aber durch die gezielte Einsaat und durch das Zupflanzen von Wiesenblumen beschleunigen. Blumenwiesen sind pflegeleichter als Rasen und dienen der Vielfalt in der Natur. Unter www.lwg.bayern.de findet man sehr gute Informationen über "Blumen im Garten" und Bienen im Garten", gab Dr. Schaper bekannt.

Die anschließende Diskussion war geprägt von der richtigen Auswahl der Pflanzen zur Verbesserung des Nahrungsangebotes für die Bienen in der sehr durch Maisanbau geprägten Landwirtschaft. Das von Naturschützern nicht gerne gesehen Springkraut ist für die Bienen eine hervorragende Nektar- und Pollenquelle.

Kreisvorsitzender Hans Schön und der Kemnather Imkervorsitzende Andreas Schultes dankten der Bienenexpertin für den interessanten Vortrag.
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