12.12.2013 - 00:00 Uhr
KemnathOberpfalz

Brauhauskomplex muss "bürgerorientierter Bebauung" weichen - Abrissarbeiten in vollem Gang Ende einer Tradition

Das Stadtbild erfährt dieser Tagen eine bedeutende Veränderung. Mit dem Abriss des Sudhauses an der Amberger Straße nahe dem Stadtweiher verschwindet ein prägendes Gebäude. Gebraut wurde dort seit 1993 nicht mehr.

Das alte Wappen des Brauhauses weist auf die Ursprünge der Braustätte im Jahr 1677 hin. Bild: wew
von Autor WEWProfil

Mit dem Abriss von wichtigen Teilen des Brauhausgeländes wird der erste Schritt hin zur geplanten Entwicklung eines attraktiven Standort für "bürgerorientierte Bebauung" getan, wie es die Stadt formuliert.

Nachdem die massiven Betonsäulen des Sudhausturms verschwunden waren, rückte nun der Abrissbagger den Ziegelausmauerungen des markanten Baukörpers zu Leibe. Das 1961 erbaute Sudhaus war der Kern des Brauhauskomplexes, der viele Jahrzehnte das Stadtbild im Westen prägte. Das hohe Gebäude hatte die frühere Kemnather Baufirma Lautner errichtet. Manch Kemnather erinnert sich noch, dass damals eine Gruppe ägyptischer Bauarbeiter zum Einsatz kam.

Vor über 300 Jahren

Die Entfernung der Außenmauern an der Seeseite gab nun auch den Blick frei auf das alte Wappen des Brauhauses Kemnath und seiner Vorgänger. Es zeigt, dass die Ursprünge der Braustätte auf das Jahr 1677 zurückgeführt werden können. Die wechselvolle Geschichte begann mit dem Weißen Brauhaus der ehemaligen Lenzbräu.
1907 kauften die Brüder Alois, Max-Josef und Lorenz Ponnath die ehemalige Kemnather Stadtmühle, die vorher im Besitz der Familie Steger war. Als das Familienoberhaupt bei Holzarbeiten tödlich verunglückte, kam der Verkauf zustande. Max-Josef und Alois mussten im Ersten Weltkrieg an die Front, Lorenz durfte die Brauerei weiterführen. Nach der Rückkehr der beiden Brüder kam es zu Streitigkeiten, die in einen Prozess mündeten, den Lorenz Ponnath schließlich verlor. Er bekam dafür die alte Lenzbräu, musste den Geschäftsbetrieb aber neu aufbauen. Alois und Max-Josef gründeten das Brauhaus Kemnath, das nach ihnen mehrere Generationen bis zum letzten Besitzer Bruno Ponnath jun. Bestand hatte. Er hatte den Betrieb von seinem Onkel Bruno sen. übernommen, der als Landrat und Landtagsabgeordneter bekannt wurde.

Vater Rudolf Ponnath hatte sich aus der Geschäftsführung zurückgezogen, als er zum Bürgermeister der Stadt Kemnath gewählt wurde. Bis 1993 lief der Braubetrieb, aus dem das Kemnather Getränkeland hervorging. Mit der Beendigung dieses Betriebes in wenigen Wochen und dem Ankauf des Brauhausgeländes durch die Stadt schließt sich ein Kreis Kemnather Brautradition.

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