Fracking den Garaus machen

Lokales
Kemnath
15.09.2014
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Ein Gespenst geht um in der Region: Fracking. Was sich hinter dieser Gasfördermethode verbirgt, und welche Gefahren für Mensch und Natur damit verbunden sind, war Thema bei einer Informationsveranstaltung im Gasthaus "Fantasie" in Kemnath.

Eingeladen hatte der Kreisverband Tirschenreuth von Bündnis 90/Die Grünen. Referenten waren Werner Schubert vom Bund Naturschutz, der Grünen-Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol aus Regensburg sowie Stephan Müller, der über die Fracking-Situation in Rumänien berichtete. Am Schluss war klar: Die umstrittene Technik findet auch in Kemnath keine Freunde. Die Menschen hier wollen sich am aktiven Widerstand beteiligen.

Schubert ließ die vergangenen Monate Revue passieren, in denen die Thematik "Fracking in Nordostbayern" erst allmählich an die Öffentlichkeit kam. Anhand verschiedener Zeitungsberichte beleuchtete er die recht diffusen Aussagen von Mitgliedern der Bayerischen Staatsregierung. Ausführlich und sehr anschaulich erläuterte Schubert das Fracking-Verfahren zur Gewinnung von Schiefergas.

Vielfältige Gefahren

Hierbei würden jede Menge Gefahren lauern. "In der Fracking-Flüssigkeit sind giftige, gesundheitsgefährdende und gefährliche Chemikalien enthalten", so Schubert. Auch im Lagerstättenwasser, das bei der Bohrung zusammen mit Resten der Fracking-Flüssigkeit als sogenannter "Flow Back" zutage gefördert wird, seien Quecksilber, Benzol und radioaktive Stoffe aus der Tiefe enthalten.

Die Folgen von Fracking könnten verheerend sein: Schubert nannte Trinkwasser- und Grundwasserverunreinigungen, seismische Ereignisse wie leichte Beben, Berghebungen- und -senkungen sowie einen unkontrollierten Gasaufstieg. Entsprechende Vorfälle habe es nicht nur in den USA gegeben, sondern auch schon in der Bundesrepublik.

Betrachte man die rechtliche Situation, so müsse man festhalten, dass Fracking in Deutschland grundsätzlich weiter erlaubt sei. Notwendig sei deshalb eine Änderung des Bundesbergbaugesetzes, in dem ein entsprechendes Verbot verankert werden müsse. Für vertiefte Informationen verwies Schubert auf die Studie der Heinrich-Böll-Stiftung "Ressourcenschwindel Schiefergas".

Stephan Müller, ein Kenner der Fracking-Situation in Rumänien, beleuchtete die Lage in dem osteuropäischen Land. "Die Firmen dort gehen rücksichtslos gegen Mensch und Natur vor", klagte er. Ein korruptes Regierungssystem und eine unterdrückte Presse würden es den Managements der betreffenden Firmen leicht machen, ihre Sache auch mit brutalen Mitteln durchzuziehen. "Wer gegen das Fracking protestiert, dem wird gleich eine pro-russische Einstellung unterstellt", fasste Müller zusammen.

Seiner Ansicht nach genüge es auch in unserer Region nicht, an der Straße nur irgendwelche Protest-Schilder aufzustellen. Vielmehr sei es nötig, den Widerstand auch physisch zu demonstrieren. "Sollte es wirklich zum Fracking in Nordbayern kommen, dann wäre eine mögliche Gleichstromtrasse unsere geringste Sorge", betonte Müller.

Abgeordneter Jürgen Mistol monierte, dass bei dieser Angelegenheit wie so oft in Bayern mal wieder die Transparenz gefehlt habe. "Dass es eine Erkundungslizenz seitens des Ministeriums in München gegeben hat, hat die Öffentlichkeit nur zufällig erfahren", prangerte Mistol an. Warum es diese Lizenz gebe, wenn die Staatsregierung gleichzeitig betone, dass sie gegen Fracking sei, könne ein vernünftig denkender Mensch wohl nicht nachvollziehen. "Im Grunde ist es von der Staatsregierung nicht gewollt, dem Fracking einen Riegel vorzuschieben", folgerte der Landtagsabgeordnete.

Widerstand bündeln

Deswegen sei es wichtig, der Regierung zu demonstrieren, dass die Bevölkerung eben nicht alles mit sich machen lasse. Mit Blick auf die sogar von der Bayerischen Staatsregierung proklamierte "Energiewende" hin zu erneuerbaren Energien habe es auch gar keinen Sinn, auf eine Methode wie das Fracking zu setzen.

In der Diskussion waren sich die Teilnehmer einig, dass nur aktiver Widerstand gegen das Fracking das tatsächliche Verbot dieser Methode bewirken kann. Wichtig dafür sei es, sich in der Region noch intensiver zu vernetzen.
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