Freie Wähler besichtigen mit zahlreichen Teilnehmern die Anlage der Bioenergie Kemnather Land
Strom für 2500 Häuser

Lokales
Kemnath
24.04.2013
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24 Landwirte haben sich zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen und produzieren seit fast einem Jahr Biogas. Deren Vorsitzender Ely Eibisch hieß an der Anlage der Bioenergie Kemnather Land eG - zwischen der Kläranlage und der Firma Hegele die Freien Wähler Kastl sowie zahlreiche Besucher willkommen.

Die 2,7 Millionen Euro teure Biogasanlage wird laut Eibisch ausschließlich mit nachwachsenden Rohstoffen wie Ganzpflanzensilage, Kleegras, Mais, Gras und in geringen Mengen Weizen betrieben. Diese liefern nur Landwirte an, die Mitglieder der Genossenschaft sind. Mit 16 000 Tonnen Substraten werden die Fermenter jährlich gespeist. Die Anlage erzeugt in vier Behältern täglich bis zu 9000 Kubikmeter Gas.

Auf dem Gelände steht ein Blockheizkraftwerk, das über eine drucklose Leitung mit dem Gas der Anlage versorgt wird. Der erzeugte Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist; mit der anfallenden Abwärme werden die Fermenter beheizt. Eine Leitung versorgt zudem zwei weitere Blockheizkraftwerke mit Gas zur Strom- und Abwärmeerzeugung. Eines steht auf dem Gelände der Fleischwarenfabrik Ponnath, die die Abwärme ganzjährig als Prozesswärme nutzt. "Einen Betrieb, der ganzjährig Wärme abnimmt, benötigt man, um eine Biogasanlage wirtschaftlich betreiben zu können", so Eibisch. Das andere befindet sich im Bereich der Schulsportanlage. Mit der abgegebenen Wärme werden das Hallenbad und das Schulzentrum gespeist. Seit Betriebsbeginn im Dezember konnten so bereits 60 000 Liter Heizöl eingespart werden.

Felder weiter nutzen

Wie Eibisch mitteilte, könnten mit dem erzeugten Strom 2500 Häuser versorgt werden. Derzeit kümmerten sich zwei in Vollzeit angestellte Mitarbeiter und sechs Teilzeitbeschäftigte um die Anlage. "Die komplizierten technischen Abläufe benötigen Fachkräfte, so nebenher lässt sich eine Biogasanlage dieser Dimension nicht betreiben." Aufgrund der Genossenschaftsform bleibe die Wertschöpfung aus der Anlage in der Region. Landwirten, die aus der Tierhaltung aussteigen, werde eine weitere Nutzung ihrer Felder ermöglicht.

Der Vorsitzende hob hervor, dass die Staatsregierung den Bau und Betrieb von Biogasanlagen gezielt fördert. Mit gespeichertem Gas könne die Stromproduktion bei Bedarf hochgefahren werden, also dann, wenn beispielsweise Windräder und Photovoltaikanlagen keinen Strom lieferten. In nächster Zeit sei beabsichtigt, aus der EEG-Förderung auszusteigen und den erzeugten Strom über ein Partnerunternehmen an der Leipziger Strombörse als "echten grünen Strom" direkt zu vermarkten.
Ausführlich ging Eibisch auch auf die immer wieder geäußerte Kritik ein, dass wegen Biogasanlagen eine Verödung der Landschaft durch immer mehr Maisfelder einhergehe. Mit Mais könnten die höchsten Erträge erzielt werden, erklärte er dazu. Andere Pflanzen werden getestet, aber bislang ohne durchgreifenden Erfolg. Er räumte ein, dass durch den hohen Wuchs der Pflanze der Eindruck von Monokulturen entstehen könne. Der Landwirt müsse aber auch eine Fruchtfolge einhalten. So wird im Wechsel auf den Feldern auch wieder Kleegras angesät, welches dem Boden den Kohlenstoff, den der Mais entzieht, wieder zuführt.

Substrat als Dünger

Das nach der Fermentierung übrig gebliebene Substrat bringen die Landwirte wieder als hochwertigen Dünger auf die Felder aus. Der Einsatz von teuren Mineraldüngern ist nicht nötig, was Kosten spart.

FW-Vorsitzende Elisabeth Streng dankte Eibisch für seine Erläuterungen. Die Freien Wähler werden sich weiter mit dem Thema "Erneuerbare Energien" beschäftigen.
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