Jagdverband: Hans Rösch warnt vor weiterer Beeinträchtigung der Lebensräume der Waldbewohner
Sogar Enten verlassen Reviere

Reinhold Bayerl und Helmut Diesner (von links) hatten im Staatswald in Steinwald die reifen Ernteböcke erlegt. Bild: hrö
Lokales
Kemnath
03.05.2013
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Den warnenden Finger erhob Hans Rösch in der Jahreshauptversammlung mit Pflichthegeschau des Jagdverbandes Kemnath. Der Wandel in der Landwirtschaft mit Zunahme der Energieflächen für Biogas verschlechtere die Lebensräume für das Wild und andere Lebewesen gravierend, erklärte der Naturschutzobmann.

Es könne nicht sein, dass die Jäger nur noch damit beschäftigt seien, das Schwarzwild kurz zu halten. In der Zwischenzeit verabschiedeten sich Rot- sowie Rehwild, Rebhühner Hasen und sogar die Enten aus den Revieren wegen schlechter Lebensbedingungen. Jagden, die außer Schwarzwild nichts mehr zu bieten haben, werden bald nicht mehr zu verpachten sein, betonte Rösch.

Maisfelder kontrollieren

Dass es auch anders geht, berichtete Fred Tretter aus Reuth. Dank laufender Revierverbesserung durch Hecken, masttragende Bäume, Anpflanzungen und Wildäcker seien immer noch Hasen, Rebhühner, Wachteln, Enten und Rehwild im Revier vorhanden. Bei der letzten Spurlautprüfung für Bracken seien 30 Hasen gezählt worden. Neben der laufenden Biotopverbesserung werde der Fuchs und sonstiges Raubzeug scharf bejagt. Wer im Jahr rund 50 Füchse erlege und laufend mit Hunden die Maisfelder kontrolliere, der habe auch Hasen, Rebhühner und keine großen Probleme mit dem Schwarzwild.

Rösch lobte Tretter, da er auch regelmäßig seine Aufschreibungen über den Rebhühnerbestand im Revier Reuth liefert. Nur die jährlichen Wildzählungen gäben Aufschluss über die Entwicklung des Niederwildes.
Zuvor hatte Vorsitzender Dr. Wolfgang Schinner im gut besetzten Foyer der Mehrzweckhalle auch eine große Anzahl von Jungjägern begrüßt. Die Kaibitzer Schlossbläser hatten die Jahreshauptversammlung eröffnet. "Jagd vorbei" und Halali zum Gedenken an alle im vergangenen Jahr verstorbenen Kameraden ertönte es aus dem Jagdhörnern. Dr. Schinner erinnerte unter anderen an Dr. Wilhelm Markgraf aus Immenreuth, der 1962 die Kemnather Jagdhornbläser ins Leben gerufen hatte. Der Vorsitzende dankte allen Vorstandsmitgliedern und Förderern für die gute Zusammenarbeit im abgelaufenen Jagdjahr.

Das neue Vegetationsgutachten hat laut Schinner bewiesen, dass unsere Jäger und Waldbesitzer Wild und Wald in Einklang bringen können. Die Radium-/Cäsium-Belastung beim Schwarzwild sei wegen des langen Winters und der dadurch vermehrten Aufnahme der Hirschtrüffel wieder angestiegen.

Kassier Michael Hautmann bestätigten die Revisoren eine einwandfreie Kassenführung. Er konnte sogar ein kleines Plus vorweisen.
Hundeobmann Hubert Mühlhofer berichtete über die 49. Brauchbarkeitsprüfung für Jagdhunde, die neun Vierbeiner mit Erfolg bestanden hatten. Der Vorbereitungskurs für die 50. Hundeprüfung der Kreisgruppe beginnt am 25. Mai. Die Prüfung ist für 7. September angesetzt. Mühlhofer dankte allen Helfern, Prüfungsrichtern und dem Forstbetrieb Schnaittenbach für die Bereitstellung der Übungs- und Prüfungsflächen.

Dank Zuschüssen des Landesjagdverbandes konnten im Vorjahr laut Rösch 113 masttragende Bäume an die Revierinhaber kostenfrei abgegeben werden. Anmeldungen für die Herbstpflanzung müssen bis 31. Mai bei Rösch, Telefon 09642/8396, oder unter mai@roeschhans.de beantragt werden.

Unter dem Leitgedanken "Der Landkreis blüht" startet eine Gemeinschaftaktion der Landwirte mit Unterstützung durch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Tirschenreuth, Landrat Wolfgang Lippert, Initiaktivkreis Tirschenreuth, Bauernverband, Jagdverband, Imker, Maschinenring, Sparkassen, Volks-und Raiffeisenbanken, Friedenfelser Landhandel und der Raiffeisenlagerhäuser. Ziele sind, das Ansehen für Landwirte und von Silomais zu verbessern, das Landschaftsbild aufzuwerten, höhere Artenvielfalt, Boden-Erosions- und Gewässerschutz sowie das Anlegen von Bienenweiden und effektivere Jagdmöglichkeiten. Die Jäger erhielten entsprechende Faltblätter. Im Herbst sollen die schönsten Flächen prämiert werden.

Kein Luchs in den Fotofallen

Die Biberprobleme im Landkreis erfordern eine Mithilfe der örtlichen Jäger. Rösch forderte als Biberberater die Anwesenden auf, die Grundstückseigentümer beim Abfangen von Problembibern zu unterstützen. Seit April 2012 wurden im Auftrag des Umweltministeriums im Steinwald und im Raum Bärnau Fotofallen aufgestellt, um Nachweise zur Existenz des Luchs zu bekommen. Allerdings erfolglos.

Helmut Völkl von der Unteren Jagdbehörde informierte über die Folgen von Schonzeitvergehen beim Rehbockabschuss. Dies sei nach wie vor eine mit Bußgeld belegte Angelegenheit, die in der Regel aber keine Konsequenz auf die Jagdkarte habe. Er dankte den Jägern für ihren Einsatz bei der Abschusserfüllung. Die Oberpfalz sei als Spitzenreiter aus dem Vegetationsgutachten hervorgegangen. Die Abschüsse werden in der Regel nicht erhöht.

Die hohe Schwarzwildstecke (siehe Kasten) zeige den intensiven Einsatz der Jäger auf. Ein Problem sei die Vorlage der Streckenliste zum 10. April. Leider sehe er sich gezwungen, den Säumigen heuer nach fünf Jahren eine Verwarnung auszusprechen.

Karlheinz Böhm, der Hornissenbeauftragte des Landkreises, regte erneut an, die Kanzeln mit Nelkenöl gegen die Ansiedlung von Hornissen einzusprühen. Zum Umsiedeln voll entwickelter Völkern sei eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde nötig.
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