Waldeck startet mit einem Konzert in der Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk ins Koessler-Jahr
Zauberhafte Melodien zum Auftakt

Lokales
Kemnath
24.04.2013
0
0

Das erste Konzert im Koessler-Jahr in der Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk war ein wahrer Genuss für alle Besucher. Anlass war der 160. Geburtstag des gebürtigen Waldecker Komponisten Hans von Koessler.

Der Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins (HuK), Georg Wagner, sagte, dass es für den HuK nicht einfach gewesen sei, eine Konzertreihe zum 160. Geburtstag von Hans von Koessler zu starten.

"Zu spät geboren"

Organisator Josef Brunner sagte, dass sich die viele Arbeit des HuK in den vergangenen Monaten gelohnt habe. Hans von Koessler sei einer der romantischen Komponisten, der gänzlich unverdient über viele Jahre vergessen worden sei. Mit heiterer Gelassenheit "nahm er es hin, dass er als Komponist einfach ein bisschen zu spät geboren wurde", wie er selbst in seiner Autobiografie schreibt.

Sein Heimatort Waldeck, wo er am 1. Januar 1853, übrigens nur zwei Häuser weit von der Pfarrkirche entfernt, als Sohn des Dorfschullehrers geboren wurde, ehrt ihn heuer mit drei besonderen Konzerten. Brunner bedankte sich schon im Voraus bei den Künstlern für ihre Bereitschaft, dieses Konzert zu gestalten.

Begeisterten Applaus gab es schon zu Beginn des Konzerts. Kein Wunder auch: Koessler komponierte wundervolle Melodien, die jeden Zuhörer noch heute vom ersten Ton an ganz und gar erfassen.
Das, was aus der Feder Koesslers stammt, interpretierten Uschi Steppert (Sopran), Karl-Heinz Kuhl (Klavier) und die Sinfonietta Bayreuth unter der Leitung von Albert Hubert. Diesen Künstlern gelang etwas, was viel zu selten in Kammermusikkonzerten entsteht: Eine musikalische Brücke zu bauen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, ohne dabei sentimental, harmlos oder protzig zu wirken.

Stepperts heller und schlichter Sopran brachte die Waldecker Pfarrkirche mit den Liedern "Herbst", "Erwartung" und "Mein Engel" aus der Feder des Jubilars zum Strahlen. Der imposante schwarze Flügel, der den Chorraum der Pfarrkirche eigens für diesen Abend schmückte, erklang nicht nur gut abgestimmt und facettenreich als Begleiter, sondern auch solo bei einer "Elegie", die Karl-Heinz Kuhl ganz als Fantasiestück verstand und dadurch einfach und schön mit dem Raum in Korrespondenz treten ließ. Max Regers bekanntes "Mariä Wiegenlied" und der klare Sopran Stepperts zauberte Romantik zur barocken Kulisse. Auch das virtuose Allegro aus Koesslers e-Moll-Sonate für Violine und Klavier, mit inniger Empfindung und herrlicher Musikalität von Albert Hubert interpretiert, kongenial ergänzt durch den Pianisten, schien von Koessler wie geschaffen für die Akustik dieses Raumes.

Vier Huberts im Quartett

Ein Höhepunkt war die Darbietung des Streichquartetts in g-Moll, das die vier Huberts (so die Nachnamen der Künstler) herrlich beweglich, farbenreich und wunderbar dem romantischen Klangideal verpflichtet musizierten. Humorvoll und mit einem Augenzwinkern sang Uschi Steppert auch vom übervollen Herz, das vor Glück springt.

Nicht zuletzt immer dann, wenn die Sinfonietta Bayreuth und Uschi Steppert gemeinsam zu hören waren - wie etwa bei der Zugabe "Am Abend" -, zeigte sich das Meisterhafte von Hans von Koessler. Die Vielfalt an Klangfarben, die große musikalische Bandbreite und die eingängigen Melodien "im Volkston" erzeugten eine sofortige Resonanz bei allen Beteiligten und die Zuhörer spürten: Hier wird gerade wirkliche Kunst vorgetragen - die Wiederentdeckung eines echten Juwels aus der Romantik.

Auch Stücke seiner Schüler

Die Hommage an Koessler wäre unvollständig, wären nicht auch seine berühmtesten Schüler Bela Bartok und Zoltan Kodalý zu hören gewesen. Bei Bartok konnte man den Humor seines Lehrers erkennen, und die Bearbeitung eines bekannten Chorwerks von Kodalý bereicherten das Programm. Mit Brahms Ungarischem Tanz Nr. 5 in einer schwungvollen Fassung nahm das Streichquartett Hubert gleichzeitig einen klangvollen Ausblick auf das nächste Konzert im Jubiläumsjahr. Am 27. Oktober ist der gemischte Chor Cantabile Chorwerkstatt Bayreuth mit Werken von Koessler und den Zigeunerliedern von Johannes Brahms zu hören. Der herzliche Schlussapplaus zeigte, dass die Künstler bei den Zuhörern sehr gut angekommen sind.

Georg Wagner vom HuK bedankte sich bei Ortspfarrer Heribert Stretz für seine Unterstützung und auch beim Kulturkreis Pressath, der das Konzert durch das kostenlose Verleihen des Flügels unterstützte.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.