23.08.2017 - 15:00 Uhr
KemnathOberpfalz

Aufruf zum Mitmachen: Infoveranstaltung zur Bundestagswahl Wählen und die Zukunft gestalten

Mit einer so großen Resonanz hatte wohl weder Jürgen Preisinger noch Friedrich Wölfl gerechnet. Beim Informationsabend zur Bundestagswahl platzt das größte Zimmer des Kemnather Jugendtreffs fast aus allen Nähten.

Jürgen Preisinger (links) Vorsitzender des Kreisjugendrings und Friedrich Wölf (rechts) gaben im Kemnather Jugendtreff Informationen zur Bundestagswahl und stellten sich den Fragen der Zuhörer
von Katrin Zapf (kaz)Profil

Rund 30 Zuhörer, fast ausschließlich junge Erwachsene und Erstwähler, waren gekommen, um sich die Ausstellung anzusehen. Die zehn vom Stadtjugendring Regensburg konzipierten Roll-Ups standen unter dem Motto: "Wenn du dich nicht entscheidest, dann verlasse ich dich. Deine Demokratie".

Bevor Studiendirektor a. D. Friedrich Wölfl die einzelnen Plakate erläuterte, hieß Jürgen Preisinger, der Vorsitzende des Kreisjugendrings Tirschenreuth, alle willkommen und freute sich, dass so viele der Einladung gefolgt waren. Auch Jugendbeauftragter Florian Frank bedankte sich beim Team für die tolle Organisation und die Hilfe beim Aufbau der Stellwände.

"Warum hat eigentlich die junge Bevölkerung kein Interesse an der Politik?" Mit dieser Frage begann Friedrich Wölfl seinen Vortrag. Die Antwort darauf sei schockierend: Viele junge Erwachsene kennen die Abläufe und das System der Wahlen nicht und haben deshalb wenig Interesse daran. "Das ist wie mit dem TV-Programm", zog der Referent einen Vergleich. Wer die Regeln, zum Beispiel bei Sportarten nicht kenne, schalte weiter. Politik müsse deshalb schon früher unterrichtet werden, um das Interesse der zukünftigen Wähler zu wecken, forderte er.

Zahlreiche Altwähler

Zu diesem Desinteresse komme noch hinzu, dass 30 Prozent der wahlberechtigten Bürger über 60 Jahre alt sind. Die 18- bis 30-Jährigen machen dagegen nur 15 Prozent aus. Gehen nun von diesen 15 Prozent auch noch nur wenige zur Wahl, ergebe das schnell eine "Politik der Alten". Wölfl stellte den Zuhörern die Frage, ob sie als junge Menschen angesichts unterschiedlicher Ansichten den Älteren die Entscheidung über das zukünftige Geschehen überlassen wollen. Als aktuelles Beispiel dafür führte er den Brexit an. Nach der Abstimmung stellte sich heraus, das der Austritt durch die zahlreichen Altwähler bestimmt wurde. Die junge Generation dagegen sei mit den Vorteilen der EU aufgewachsen und schätze diese.

Multiplikator sein

Über die in Kemnath anwesenden Erstwähler mache er sich keine Gedanken, erklärte der Referent: Wer zu dieser Veranstaltung gegangen sei, werde wahrscheinlich auch seine Stimme abgeben. Er rief dazu auf, als Multiplikator zu agieren und noch mehr Freunde und Bekannte zur Teilnahme an der Wahl zu motivieren. "Je weniger Menschen wählen gehen, desto mehr sind die Stimmen der Wähler wert, die ein Kreuz machen", betonte er.

Auf die Frage, ob der "Wahl-o-mat" bei der Wahlentscheidung hilfreich sei, antwortete Wölfl, dass man das Programm mehr als ein Instrument zum Nachdenken verstehen sollte. Nicht alle der 42 Parteien seien dort aufgelistet. "Wichtig ist, dass man sich bei der Beantwortung der Fragen Gedanken zu seinen Standpunkten macht. Denn die Ergebnisse spiegeln nur die einzelnen Standpunkte wieder, nicht die ganzen Ansichten einer Partei. Außerdem könnte diese ihre Wahlpunkte nur durchsetzen, wenn sie mehr als 50 Prozent und somit die absolute Mehrheit hätte. Politik besteht somit immer aus Kompromissen", machte er deutlich.

Zum Abschluss hatte der Studiendirektor a. D. noch ein paar wissenschaftliche Fakten für die Zuhörer parat. So fanden Forscher heraus, dass 40 Prozent der Wahlberechtigten erst in den letzten zwei Tagen entscheiden, wen sie wählen. "Wahlkampf bewirkt somit bis zum Ende etwas."

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.