27.02.2016 - 02:00 Uhr
KemnathOberpfalz

BLLV-Bezirksvorsitzende Ursula Schroll sieht Lehrer an Grenzen angelangt Mehr verhaltensauffällige Schüler

Ursula Schroll ist bekannt für deutliche Worte. Die Mitglieder des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) erwarteten daher mit Spannung die Ausführungen der Bezirksvorsitzenden. Sie enttäuschte ihre Zuhörer nicht.

Ursula Schroll. Bild: jzk
von Josef ZaglmannProfil

Demokratie müsse immer wieder neu geschaffen und verteidigt werden, schickte Schroll ihren Ausführungen in der Jahreshauptversammlung des Kreisverbandes voraus. Dabei spielten die Lehrer eine bedeutende Rolle. Die Schule bereite junge Menschen darauf vor, als Erwachsene die Spielregeln der Gesellschaft zu bestimmen.

Schon immer seien ihr Aufgaben zugeschoben worden, die andere nicht leisten konnten oder wollten. "Es kann aber nicht sein, dass die Gesellschaft einerseits enorme Aufgaben von der Schule fordert, andererseits die Schule und die Lehrer immer wieder in der Öffentlichkeit kritisiert und ihr Ansehen beschädigt", monierte die Bezirksvorsitzende. Jedoch habe sich bei dieser Problematik Vieles zum Positiven entwickelt. So rangiere der Lehrer in der jüngsten Allensbacher Berufsprestige-Skala auf Platz vier nach Arzt, der Krankenschwester und Polizist.

Die Kinder seien heute anders als früher. "Wir haben mehr Prinzen und Prinzessinnen, die erwarten, in der Schule genauso gehätschelt zu werden wie zu Hause", bedauerte Schroll. Viele könnten die Einflüsse der Umwelt und vor allem die Medienvielfalt nicht mehr verarbeiten. Ein 14-jähriges Kind habe 40 000 Morde im Fernsehen gesehen. "Wir haben mehr und mehr verhaltensauffällige oder überraschungsaktive Kinder", die in den Klassen eine tägliche Herausforderung seien und Lehrer an ihre Grenzen bringen". Deren Rolle sei jedoch gleich geblieben. "Lehrer sind Vorbilder, früher genauso wie heute", wusste Schroll. Ihre Beziehung zum Schüler sei für den Lern- und Erziehungsprozess ganz entscheidend.

Zur Flüchtlingsproblematik merkte Schroll an: "Diese Kinder sind bei uns willkommen." Die Lehrer wollten alles tun, damit diese Schüler eine solide Ausbildung erhalten. Doch die Kinder hätten alle keine deutschen Sprachkenntnisse. "Aber der Einsatz der Lehrkräfte geht bereits jetzt in aller Regel weit über die Vermittlung von Sprache hinaus", gab Ursula Schroll zu bedenken. Sie bräuchten professionelle Unterstützung durch Lehrer mit Deutsch als Zweitsprache, durch Dolmetscher, Psychologen und Sozialarbeiter.

In seinem Nachtragshaushalt habe der Landtag 168 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das seien zum einen 730 Lehrerstellen für Grund-und Mittelschulen, zum anderen dienten diese Mittel zur Finanzierung von Drittkräften. Es gebe aber noch keine Pläne, wie und wohin die Stellen und die Gelder verteilt werden.

"Wir stehen in einem äußerst angespannten Schuljahr", sagte Schroll. Unabhängig von den Flüchtlingskindern sei die Unterrichtsversorgung der Schulen nur äußerst knapp ausgefallen und decke kaum mehr als den Pflichtunterricht ab. Die mobilen Reserven seien langfristig verplant. "Fast jeden Tag müssen an den Schulen Notpläne entworfen werden, damit jede Klasse einen Lehrer hat." Trotzdem müsse in den Schulen alles getan werden, damit die Integration gelingt und eine Willkommenskultur gefestigt wird.

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