28.12.2017 - 20:00 Uhr
KemnathOberpfalz

Bürgermeister Werner Nickl blickt im Stadtrat zufrieden auf 2017 zurück In Kemnath ist die Welt in Ordnung

Die weltpolitische Lage sorgt auch beim traditionellen Jahresrückblick von Bürgermeister Werner Nickl in der Dezember-Sitzung des Stadtrats nicht für Euphorie. Dagegen fällt für das Geschehen in der Kommune das Resümee positiv aus.

von Holger Stiegler (STG)Profil

"Dieses Jahr 2017 ist global gegenüber den früheren Jahren nicht friedlicher geworden", sagte Bürgermeister Werner Nickl. "In unserem Land leben wir seit über 72 Jahren in Frieden und Freiheit", hob er zugleich hervor. Natürlich wachse auch hier eine gewisse Unsicherheit, denn der Frieden scheine in Gefahr zu sein: durch Terroranschläge, eine zunehmende Kälte zwischen Ost und West, die Flüchtlingskrise und ihre Folgen. In Kemnath sei die Welt noch in Ordnung, stellte der Bürgermeister fest. Was andernorts eine "Flüchtlingskrise" gewesen sei, sei in der Stadt dank vieler ehrenamtlicher Helfer eine neue Lebenserfahrung gewesen, aus der man lernen konnte.

Das Positive betonen

Ihm werde immer mal wieder vorgehalten, dass er vieles schönrede und darauf hinweise, wie viel Positives man auf den Weg gebracht habe: "Aber was ist falsch daran zu zeigen, was wir haben? Herauszustellen, wie schön und funktionell bei uns doch alles ist, unsere Vorzüge herauszukehren?", fragte Nickl. Miesmachen und Schlechtreden sei der falsche Weg. Auch wenn nicht alles rund laufe, gelte es, das Positive zu betonen und an den Schwächen und Fehlern zu arbeiten. "Die soziale, wirtschaftliche Lage ist so gut wie nie zuvor", erklärte der Bürgermeister mit Blick auf Bevölkerungszahlen und Geburtenrate, Arbeitsplatzangebot, Nachfrage nach Bauplätzen, Kindertagesstätten und Schulangebot. Nickl räumte zugleich ein, dass nicht immer alles gelinge. Besonders eine Mitteilung habe 2017 die Kommune bis ins Mark getroffen - die angekündigte Schließung des Milchhofes.

Keine leichte Entscheidung sei die Schließung der Grundschule in Waldeck wegen der zu geringen Anzahl an Kindern gewesen. In dem Gebäude könne nun aber etwas für die Waldecker Vereine entwickelt werden, machte der Bürgermeister deutlich. Viele Themen und Aufgaben seien im zu Ende gehenden Jahr begonnen und erledigt worden: Die Rathaussanierung schreite voran, die Grünanlage auf dem Dietl-Areal stehe vor der Vollendung, die sanierte Schulsportanlage sei ein "wahres Schmuckstück" geworden. "Selbst die Brückenbaumaßnahmen haben wir Gott sei Dank und unfallfrei überstanden."

Ein großer Gewinn für die Verkehrssicherheit sei der neue Kreisverkehr an der Hegele-Kreuzung geworden. In seinem Rückblick nannte der Bürgermeister noch zahlreiche weitere Höhepunkte 2017 wie den Nofi-Lauf, die Einweihung des Zentrums Bayern Familie und Soziales am Stadtplatz mit 20 Arbeitsplätzen, das "lebendige" Familienzentrum und noch vieles mehr.

Medaille mit zwei Seiten

Bei der Entwicklung einer Stadt spielen die finanziellen Spielräume eine große Rolle. Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln gehe man verantwortungsbewusst um, sagte Nickl. Trotz Verschuldung habe man keine Stabilisierungshilfe bekommen: "Aber diese Medaille hat zwei Seiten: Stabilisierungshilfe bedeutet ja nichts anderes als Sozialhilfe des Staates." Positiv gesehen könne man stolz sein, nicht darauf angewiesen zu sein. Allein der Verteilungsmodus sei extrem ungerecht und erscheine in manchen Fällen rein willkürlich, merkte der Bürgermeister an.

"Wir können am Ende des Jahres zufrieden sein. Angesichts der Not in der Welt und der vielen Krisenherde können wir uns glücklich schätzen, hier leben und arbeiten zu dürfen. Unsere Probleme sind lösbare Probleme", erklärte Nickl. Sein Dank galt allen, die zu einer positiven Entwicklung der Stadt beigetragen haben.

"Die Richtung stimmt": Fraktionssprecher ziehen Bilanz

Stellvertretend für die Fraktionen dankten deren Sprecher Hans Prieschenk (CSU/CLU), Christian Baumann (FW), Ely Eibisch (FWG), Heidrun Schelzke-Deubzer (Grüne) und Jutta Deiml (SPD) dem Bürgermeister sowie der Stadtverwaltung für ihre Arbeit in diesem Jahr.

Prieschenk betonte, dass auch 2017 die richtigen Wege beschritten worden seien: "Die Richtung stimmt." Es sei gelungen, das positive Image der Stadt weiter zu pflegen. Der Bauboom setze sich fort, gerade beim Thema Baugebiete dürfe man deshalb nicht stehen bleiben. Mit Blick auf den Breitbandausbau brachte Prieschenk seine Hoffnung zum Ausdruck, dass auch kleinste Ortschaften davon profitieren werden.

Christian Baumann (FW) sprach von einem Jahr mit Höhen und Tiefen, in dem man gemeinsam auf das stolz sein könne, was geschaffen wurde. Über die Themen Wasser und Abwasser werde man angesichts der angekündigten Schließung des Milchhofes nochmals intensiv sprechen müssen.

Ely Eibisch (FWG) würdigte, dass in der Stadt sowie im gesamten Umland viel nach vorne gebracht worden sei. Besonders das ehrenamtliche Engagement zeichne die Kommune aus. Heidrun Schelzke-Deubzer (Grüne) stellte fest, dass das Vertrauen der Deutschen in die Demokratie schwinde, ein Stimmenanteil von zwölf Prozent für die AfD in Kemnath bei den Bundestagswahlen mache nachdenklich. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass es auch 2018 eine "gelingende und nachhaltige Stadtpolitik" geben werde.

Jutta Deiml (SPD) betonte, dass vieles von dem, was sich im vergangenen Jahr in der Welt abgespielt habe, nur schwer zu begreifen sei. Sie würdigte die "gute Zusammenarbeit" im Stadtrat. Als wichtige Einstellung für positives Wirken in der Welt, in Deutschland und in der Kommune nannte sie Toleranz. (stg)

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