25.08.2017 - 16:44 Uhr
KemnathOberpfalz

Treff im Mittendrin Gemeinsam alleinerziehend

Gemeinsam geht auch das Alleinerziehen leichter. Einmal im Monat treffen sich im Familienzentrum "Mittendrin" Frauen, die ihre Kinder ohne Partner groß ziehen. Obwohl sich der Hintergrund unterscheidet, Nöte und Problemen gleichen sich.

Gemeinsam geht vieles leichter: Die Mütter des Alleinerziehenden-Treffs aus Kemnath auf dem Weg nach Nürnberg in den Zoo. Bilder: wüw (2)
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Mit Namen möchte keine in der Zeitung stehen. Ansonsten sprechen die Frauen offen - vor allem über fehlende Selbstständigkeit. Natürlich gebe es finanzielle Sorgen, bestätigt Leiterin Elke Burger. Im Gespräch zeigt sich aber, dass die Sorge ums Geld nur eines von mehreren Problemen ist. Finanziell wie organisatorisch: als Alleinerziehende seien sie von anderern abhängig: "Ich bin 37 und musste wieder bei meiner Mutter einziehen", bringt es eine auf den Punkt. Das Verhältnis zur Mutter sei gut, trotzdem sei es kein schönes Gefühl, es ohne nicht zu schaffen. Unschön sei auch der Druck der Erwartungshaltung: Die eine erzählt von vorwurfsvollen Blicken im Kindergarten, weil sie ihr Kleinkind ganztags abgibt um zu arbeiten. Die andere erntet diese Blicke bei Ämtergängen, weil sie mehr Wert auf Zeit mit ihrem Kind legt und deshalb dem Arbeitsmarkt nicht voll zur Verfügung steht.

Neben Eltern, Ämtern und Kindergärten, müssen Freunde, Bekannte und natürlich die Väter mitspielen: "Oft ist es eine Kleinigkeit, die alles durcheinanderbringt", schildert eine der Mütter. Das gilt auch, weil nicht nur die Kinderbetreuung organisiert werden will: Fast alle Frauen führen juristische Auseinandersetzung mit den Vätern - bei den einen geht es um Unterhalt, bei den anderen um Besuchs- und Umgangsrecht. Dies bedeutet zusätzliche organisatorische, finanzielle und psychische Belastung. Was dann noch hinzukommt: An die Suche nach einem neuen Partner sei bei dem Stress kaum zu denken. "Viele sind von meiner Situation auch abgeschreckt oder tun sich schwer, ein fremdes Kind zu akzeptieren" , sagt eine der Mütter, während die anderen nicken.

Bei Arbeitsagentur und Jobcenter in Tirschenreuth kennt man die Probleme. Die Leiterin der Agentur-Geschäftsstelle, Margot Salfetter, Jobcenter-Chef Leonhard Merkl und Jobcenter-Teamleiterin Hilke Janssen sehen aber auch, dass sich im Landkreis viel getan hat. "Uns kommt natürlich auch der gute Arbeitsmarkt zu Hilfe", erklärt Merkl. Gleichzeitig habe aber der Ausbau der Kinderbetreuung Fahrt aufgenommen, die Betreuungsquote im Landkreis liegt inzwischen über dem bayerischen Durchschnitt. Bei Arbeitgebern wachse das Bewusstsein, Müttern entgegenzukommen zu müssen. "Schon aus eigenem Interesse", sagt Salfetter. Der Fachkräftemangel zwinge Arbeitgeber, attraktivere Arbeitszeitmodelle anzubieten.

Die Agentur versuche, den Bedürfnissen entgegenzukommen. "Derzeit läuft eine Teilzeit-Ausbildung für Elektrofachkräfte. Die Arbeitgeber reißen sich um diese Kräfte", freut sich Salfetter. Ein Alleinstellungsmerkmal biete der Landkreis in Erbendorf mit Teilzeitausbildungen für Pflegeberufe. "Das gibt es in Weiden nicht." Regelmäßig machen Jobcenter und Agentur in Frauen-Infotagen auf diese Angebote aufmerksam.

Gleichzeitig werben die Arbeitsmarkt-Experten um Verständnis, dass alle Unterstützung Grenzen habe. "Wir wissen, dass es Schwierigkeiten bei der Randzeiten-Betreuung etwa nach 18 Uhr gibt. So ein Angebot kann aber nur funktionieren, wenn sie genügend nachgefragt werden", erklärt Jannsen. Ähnlich sieht es mit dem öffentlichen Nahverkehr aus. Wegen der dünneren Besiedelung im Landkreis gebe es Lücken.

Insgesamt machen Jobcenter und Agentur mit Alleinerziehenden gute Erfahrungen. "Diese Frauen wollen arbeiten", oft gehe es um organisatorische Kleinigkeiten, die einer Beschäftigung im Wege stehen. Hier suchen die Stellen nach Möglichkeiten anzusetzen.

Wichtig sei schnell in den Arbeitsmarkt zurückzukehren. Je länger die Pause, desto schwieriger wird es. Segen und Fluch zugleich seien dabei Minijobs: Segen, weil sie dem Wiedereinstieg erleichtern, Fluch, weil dabei kaum Beiträge in die Rentenversicherung fließen. "Deshalb sollten diese Stellen nur für kurze Übergangszeit genutzt werden", rät Merkl.

Hintergrund

Den Alleinerziehendentreff in Kemnath gibt es seit 2013. Elke Burger rief ihn damals mit Jutta Deiml unter dem Dach des Kinderschutzbundes ins Leben. Nach dem die Stadt das Familienzentrum übernommen hatte, schlief der Treff ein. Auf Wunsch der Alleinerziehenden ging es 2015 weiter. Jeden dritten Sonntag im Monat treffen sich etwa zehn Frauen. Burger kümmert sich mit Donata Zöllner um die Vorbereitung. Unterstützung gibt's vom Siemens-Mitarbeiterverein, zuletzt für einen Ausflug in den Zoo nach Nürnberg. Der gute Arbeitsmarkt geht an den Alleinerziehenden nicht vorbei. Auch beim Jugendamt gibt es Unterstützung: Beratung und Unterhaltsvorschuss. Unterhaltsleistungen, die vom Vater nicht geleistet werden, übernimmt das Jugendamt. "Wir versuchen dann, uns das Geld vom Vater wiederzuholen", erklärt Jugendamtsleiter Peter Gold. Derzeit nehmen 478 Alleinerziehende die Leistung in Anspruch, 2013 waren es 505. Ähnlich hoch ist die Zahl jener, die sich beim Jugendamt beraten lassen. Auch über die Zeit ändere sich wenig. "Es gibt konjunkturelle Schwankungen, insgesamt bleibt die Zahl konstant", sagt Gold.

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