23.03.2018 - 20:10 Uhr
Kemnath

Vortrag zur Digitalisierung im MIttelstand Technik muss dem Menschen dienen

Industrie 4.0, Automatisierung, Informations- und Kommunikationstechnologie und digitale Transformation: Sebastian Forster vom Liebensteiner Kartonagenwerk Plößberg verwendet viele Begriffe, um die Digitalisierung eines mittelständischen Betriebes zu beschreiben.

Der Geschäftsführer des Liebensteiner Kartonagenwerkes Plößberg Sebastian Forster berichtete bei der MU-Kreisversammlung über die Digitalisierung in Mittelständischen Betrieben.
von Externer BeitragProfil

Sebastian Forster zeigte in seinem Vortrag bei der Mittelstandsunion Tirschenreuth, wie diese Begriffe im Liebensteiner Kartonagenwerk umgesetzt werden. So umfasse Digitalisierung als solches die Technologie und Prozesse, die den Datenfluss ohne menschlichen Einfluss beschreiben, erklärte der Geschäftsführer. Standardisierungen vereinfachten Prozesse, Automatisierung übergebe stupide Abläufe an Maschinen, wobei Informationen hierzu ortsunabhängig erreichbar sein sollten. Die weit verbreitete Zettelwirtschaft erschwere hingegen die Verfügbarkeit von Informationen und verlangsame so Prozesse.

Die Herausforderung liege darin, die richtige Information zur richtigen Zeit in der richtigen Form an die richtige Person zu bringen. Die Digitalisierung eröffne hierzu vollkommen neue Möglichkeiten. Die Wertschöpfungskette stehe dabei im Fokus, nicht das Produkt als solches, das irgendwo auf der Welt mit Sicherheit billiger hergestellt werden könne. Der Kunde sei an einer verlässlichen Dienstleistung interessiert, was dieser gerne auch honoriere, meinte Forster. "Wer hier mitmacht, kann gewinnen. Wer zögert, hat aber schon verloren."

Die Einführung der Digitalisierung stelle Anforderungen an die Mitarbeiter und das Management. Sie müsse aber immer den Menschen dienen und nicht umgekehrt. Ziel sei eine Nutzenkultur, die den Prozess um das Produkt herum besser als bei der Konkurrenz mache. Anfängliche Fehler seien das "Natürlichste der Welt", aber auch die Treiber für die Weiterentwicklung des Betriebes. Die Kompetenz liege darin, mit der Technologie umzugehen und diese sinnvoll zu vernetzen.

Die richtige und ehrliche Selbsteinschätzung sowie die Möglichkeiten zu erkennen, wo die Informations- und Kommunikationstechnologie sinnvoll eingesetzt werden kann, sieht der Redner als Schlüssel zum Erfolg. Anhand mehrerer Beispiele zeigte er, wie dies im Kartonagenwerk umgesetzt wird. Ein Sensor am Walzenwerk melde beispielsweise kontinuierlich den Materialstand am Einzug der Maschine. Sobald eine bestimmte Menge unterschritten werde, prüfe das System, ob weiteres Material benötigt wird und wo dieses bei Bedarf lagert. Das System veranlasst automatisch den Transportwagen, das Material zur Maschine zu bringen.

Für die Umsetzung der digitalen Transformation nannte Forster vier Handlungsfelder. Die digitalen Daten, die Automatisierung der Vorgänge, die Vernetzung und Kommunikation der Bereiche untereinander sowie den digitalen Kundenzugang. "Alle Bestellungen, die am Tag bei uns bis Mittag eingehen, können in der Regel am gleichen Tag bearbeitet werden und bis Mitternacht das Haus auf einem Lkw verlassen." Der Eingang verlaufe vollständig automatisch. Direkt vom Fließband wandere das Material ins Hochregallager, ohne Paletten, ohne Palettenzettel, dafür mit einer kontinuierlichen Inventur.

Per Knopfdruck könne jederzeit abgerufen werden, welcher Auftrag sich an welchem Ort und auf welchem Produktionsstand befindet. Selbst die Rechnungsstellung, Lieferbedingungen oder der Versandstatus lassen sich über ein solch untereinander kommunizierendes System organisieren. Schnell und vor allem richtig reagieren, könne nur derjenige, der über den tatsächlichen Status quo Bescheid wisse. Der EDV komme dabei eine Schlüsselrolle zu, betonte Forster. Vor fünf Jahren waren es gerade einmal eineinhalb Personen, die sich darum kümmerten. Heute beschäftige sein Betrieb hier sechs Mitarbeiter, die auch selbstständig programmieren.

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