05.04.2018 - 20:10 Uhr
KemnathOberpfalz

Ameisenschutzverein Tirschenreuth blickt auf 30 Jahre zurück Großes Herz für kleine Krabbler

Anlass des alljährlichen Treffens, zu dem der Ameisenschutzverein diesen Freitag im Falkenberger "Goldenen Stern" zusammenkommt, ist nicht nur die Rückschau auf das Geleistete. Es ist zugleich Gelegenheit für die Mitglieder um Vorsitzenden Michael Weiß, auf 30-jähriges Bestehen zurückzublicken.

Vor 30 Jahren hoben 16 Personen den Ameisenschutzverein in Kemnath aus der Taufe. Den Vorstand bildeten damals Michael Busch, Max Sertl, Georg Busch (sitzend, von links), Robert Schnurrer, Walter Aigner, Siegmund Bauschke und Bernhard Kastner (stehend, von links). Hubert Fleischmann referierte über die Arbeit im Schwandorfer Raum. Repro: wro
von Werner RoblProfil

Eines aber schickt der Mitterteicher Michael Weiß mit deutlichem Nachdruck voraus: Der Verein mit Sitz in Kemnath habe sich den Schutz des wertvollen Waldameisenbestands in die Satzung geschrieben. "Nicht den der Krabbler im Garten", fügte er mit Blick auf die erhaltenswerten 23, hier in den Wäldern lebenden Arten der Nützlinge, hinzu.

In den vergangenen 30 Jahren hat der Verein viel geleistet. Der Mitgliederstand ist auf 109, die Zahl der Aktiven auf 11 gestiegen. Sie haben unter anderem unzählige gefährdete Nester umgesiedelt. Arbeitsintensive Jahre waren 2015 und 2017 mit verstärktem Holzeinschlag beziehungsweise Straßen- und Wegebau. "Wo sie stören, werden sie umgesiedelt", beschreibt Weiß, der sich zugleich auch als Imker betätigt, den Einsatz, der oft bis zu drei Anfahrten und auch eine Nachschau nötig macht. Als geeignetsten Monat für die positive Entwicklung der Umsiedler nennt er den April.

Gefährdete Bestände konnten zu 90 Prozent erhalten werden. Doch das sei nicht immer unproblematisch, wie der Vorsitzende bedauert: "Die Natur geht eigene Wege." Er nennt ein Beispiel: "Ein Nest der schwarzen Waldameise musste vor Jahren wegen eines Gebäudeneubaus umgesetzt werden. Allerdings zeigten sich die Tiere alles andere als damit einverstanden." Sie wechselten den ihnen zugedachten Standort und siedelten sich wenig später mitten auf einem Waldweg neu an. Überraschend sei die Reaktion des Waldbesitzers gewesen. "Dieser entschloss sich spontan, den Weg neu anzulegen, ohne das Nest weiter zu gefährden." Als vor einigen Jahren eine Tank- und Rastanlage an der A 93 unweit des Waldnaabtals errichtet wurde, lebten dort zwei Ameisenstaaten. "Auch denen nahmen wir uns an", nennt Weiß ein weiteres von vielen Beispielen der 30-jährigen Arbeit im Dienst des aktiven Naturschutzes.

Leider müsse man aber immer wieder feststellen, dass Bauten mutwillig zerstört werden, klagt der Mitterteicher, der auf die Informationen seitens der Bevölkerung vertraut. Wichtig sei eine qualifizierte Ausbildung der Ameisenschutzwarte. Gezählt und kartiert werde regelmäßig auch der Nestbestand, so im Raum Münchsgrün vor einigen Monaten.

Zum Jubiläum "25 Jahre Ameisenschutzverein im Landkreis Tirschenreuth" hatte man seinerzeit in die Gaststätte "Schweinmühle" eingeladen. Drei Jahrzehnte wolle man diesmal aber nicht so groß feiern, betont Weiß. Er arbeitet - wie alle Mitglieder - ehrenamtlich, legt aber großen Wert darauf, dass die Ziele des Vereins in der Öffentlichkeit Beachtung finden. Die Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsforsten sei hervorragend: "Wir selber greifen nur dann ein, wenn es nicht anders geht." Weiter betont der Bienenfreund: "Ameisen helfen, dass es Waldhonig gibt." Zugleich aber bedauert er den Nachwuchsmangel im Verein. Man dürfe sich gerne informieren. Er verweist hier er auf das Informationszentrum im Mitterteicher Kreislehrgarten, das zum Beispiel am Tag der offenen Gartentür besetzt sei. Das Gebäude sei in Eigenleistung, unterstützt von Fördergeldern, vor rund vier Jahren errichtet worden.

Start mit Max Sertl

Geburtsort des damals 16 Mitglieder starken Vereins war der Kemnather Kormann-Saal. In der Gründungsversammlung am 15. April 1988 bestimmten sie Max Sertl aus Kastl zum Vorsitzenden. Sein Stellvertreter war der Haunritzer Georg Busch. "Ameisen leisten einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der Wälder", sagte damals der Nabburger Gast und Vorsitzende des Hirschberger Ameisenschutzvereins, Hubert Fleischmann. "Die Nützlinge stellen eine ökologische Schlüsselfunktion dar", fügte er in seiner Ansprache hinzu. Der Bestand der roten Waldameise müsse gesichert werden. In der Jahreshauptversammlung 2004 legte Sertl sein Amt nieder. Ihm folgte Siegmund Bauschke aus Erbendorf nach. Ihn vertrat Walter Aigner. Seit steht 2013 Weiß an der Vereinsspitze, ihm zur Seite steht Siegmund Bauschke. (wro)

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