15.03.2017 - 20:10 Uhr
KemnathOberpfalz

Bernhard Weigl entdeckt Fahne, die sich bis 1704 in der Waldecker Burg befand Über 300 Jahre alte Kriegsbeute

Die Objekte, die beim Kunstgenuss bis Mitternacht 2015 zu sehen sind, interessieren Georg Wagner weniger. Er will vielmehr hören, was Bernhard Weigl über sein 3-D-Modell der Weidener Stadtmauer berichtet. Der Manteler soll auch von der Waldecker Burg eines anfertigen. Bei seinen Recherchen entdeckt der Heimatforscher jahrhundertelang Verschollenes.

Nach seiner Suche wollte Bernhard Weigl (links) die Fahne, die sich bis 1704 in der Waldecker Burg befand, auch einmal sehen. Für ihn und die Vorstandsmitglieder des Heimat- und Kulturvereins Waldeck, Franz Horn, Vorsitzender Georg Wagner und Wanderwart Uwe Schimpf (von links), haben die Mitarbeiter des Fichtelgebirgsmuseums in Wunsiedel das Banner aus dem Depot geholt. Dorthin kehrte das restaurierungsbedürftige Stück nach dem Besuch wieder zurück. Bild: exb
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Waldeck. Weigl kann sich noch gut erinnern, als ihn damals Wagner angesprochen hat. Der Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins (HuK) habe ihn gefragt, ob er sich vorstellen könnte, auch von der Festung Waldeck aus der Zeit um 1660 ein 3-D-Modell zu erstellen. Die Zusage kam allerdings nicht prompt. Weigl wollte erst "eindringlich prüfen, ob genügend Material vorhanden ist, um es nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten anzufertigen".

Bei seiner Suche stieß der 48-Jährige im vergangenen Jahr im Depot des Bayerischen Nationalmuseum in München auf ein Holzmodell der ehemaligen Burganlage auf dem Schlossberg (wir berichteten). Von der Nachbildung fehlte über 250 Jahre jede Spur. Genauso bedeutend ist für Weigl jetzt sein zweiter Fund: Eine von drei Fahnen, die bis 1704 ihren Platz in der Waldecker Burg hatten.

Die Entdeckung in Wunsiedeler Fichtelgebirgsmuseum sei "quasi ein Nebenprodukt" seiner Recherche für die Computersimulation. Und doch: "Eine Fahne aus dieser Zeit ist schon was besonderes." Das etwa 128 mal 154 Zentimeter große und restaurierungsbedürftige Stück zeigt einen Löwen mit einem Säbel in der Vorderpranke. Der Rand war ehemals wohl dunkelblau, vermutet der Manteler. Allerdings sind die Farben nach 300 Jahren stark verblasst. Der Heimatforscher ist sich sicher, dass das Banner einen militärischen Charakter hat. "Welchem Regiment oder Bürgerausschuss sie gehört hat, ist unklar. Es ist die Frage, ob man das je herausfinden wird."

Für die Geschichte der Festung Waldeck ist das Stück jedoch ein historisch wertvoller Mosaikstein, meint der 47-Jährige. In Zuge des Spanischen Erbfolgekriegs sei die Burg 1704 von Reichstruppen erobert und in der Folgezeit nach und nach zerstört worden. Ihnen gehörten vor allem fränkische Soldaten, so aus Hof, Bayreuth, Wunsiedel und Selb, an. In diesen Städten setzte der Manteler bei seinen Nachforschungen an. In Fachliteratur aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert entdeckte er Hinweise auf die Fahnen aus Waldeck.

Eine davon hing mindestens bis 1823 in der St.-Michaelis-Kirche in Hof. Dann zerstörte ein großer Stadtbrand auch die Inneneinrichtung des Gotteshauses. Weigl nimmt an, dass dabei auch die Fahne verbrannt ist. Zumindest sei heute von dieser nichts mehr bekannt.

In Wunsiedel hatte bis in die 1920er Jahre die sogenannte Waldecker Fahne im Saal des Rathauses ihren Platz. Zwischen 1929 und 1937 wurde sie in den Werkstätten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege restauriert. Danach findet sich ihre Spur im Fichtelgebirgsmuseum. Dort wird sie laut Weigl in den 1950er Jahren noch beschrieben. Demnach zeigte sie einen steigenden, gelblichen Löwen mit blauen Krallen und aufgesetztem Kurhut. Weigl hatte eigentlich erwartet, diese Fahne im Fichtelgebirgsmuseum zu finden. "Doch die ist kurioserweise verschollen."

Blieb noch das dritte Banner. Der Heimatforscher hatte herausgefunden, dass es in Selb im Heimatmuseum hing. Nach dessen Auflösung nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Bestände nach Wunsiedel. "Allerdings legte man damals anscheinend keinen großen Wert auf eine Registrierung", meint Weigl. Der früheste Vermerk zur Fahne stamme von 1960. Deren bewegte Geschichte und Herkunft sei hier in Vergessenheit geraten.

Doch auch sie war zunächst nicht auffindbar. Weigl ließ aber nicht locker. "Das Ding muss drin sein", war er sich sicher. Schließlich sei sie vor rund 50 Jahren noch im Fichtelgebirgsmuseum gewesen. Seine Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Die zuständige Mitarbeiterin Yvonne Müller entdeckte das gute Stück im Depot. Weigl konnte die Fahne anhand eines alten Fotos aus dem Selber Heimatmuseum eindeutig zuordnen. Dieses ist zuletzt im Heftchen "Die Belagerung der Veste Waldeck" von Stefan Heinrich von 2006 abgebildet. Wie darin steht, dürfte es sich laut dem 48-Jährigen um die Fahne handeln, die der Selber Bürgerausschuss 1704 in Waldeck erobert hatte.

Dass es schließlich noch zu ihrer Entdeckung kam, ist für Weigl nicht selbstverständlich. Er ist den Mitarbeitern "dankbar, dass sie sich die Arbeit gemacht haben". Denn im Fichtelgebirgsmuseum sei nur ein Bruchteil ausgestellt, "und wenn nichts registriert ist, dann sucht man sich zu Tode". Deshalb hat er die Hoffnung, dass irgendwann einmal auch die sogenannte Waldecker Fahne wieder ans Tageslicht kommt, nicht aufgegeben. "Sie könnte noch in einem Depot schlummern." (Hintergrund)

Eine Fahne aus dieser Zeit ist schon was besonderes.Bernhard Weigl

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.