17.10.2017 - 20:00 Uhr
KemnathOberpfalz

Brandstifterin führt Kameraden des Geburtsjahrgangs 1946/47 durch die Altstadt Klassentreffen mit GeschichtsstundeBrandstifterin als Stadtführerin

Eine historische Stadtführung hatte sich Gerhard Kuhbandner aus Neusorg für seine Kameraden vom Geburtsjahrgang 1946/47 zum Klassentreffen in Kemnath gewünscht. Für sie ließen einige Gästeführer die Geschichte der Phantastischen Karpfenstadt in historischer Gewandung wieder aufleben. Anna-Müller Rösch übernahm die Rolle der Stadtführerin.

Vor dem ehemaligen Bürgerspital erwarteten Christoph von Trautenberg (Hans Rösch, links) und Bruder Josef (Heiner Dworzak) die Teilnehmer an der Stadtführung. Bild: jzk
von Josef ZaglmannProfil

Beim Schmelzbrunnen am Rathausplatz schilderte Josef Zaglmann den Lebenslauf von Wolfgang Schmeltzl. Der wurde 1500 im Haus mit der Hausnummer 10 auf dem Stadtplatz geboren und in Wien als Kantor sowie Schuldramatiker berühmt. Hans Rösch schlüpfte in die Rolle von Christoph von Trautenberg. "Ihm verdankt die Stadt eine wohltätige Anstalt, die sowohl von seinem christlichen und sozialen Empfinden, als auch von seiner Liebe zu den Kemnathern Zeugnis ablegt", betonte der Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises. Der Adlige hatte nämlich das Bürgerspital, ein Bruderhaus, gestiftet. Dazu stellte er der Stadt 8400 Gulden bereit. Für die Aufnahme kamen nur "in Ehren abgehauste" Bürger in Frage, die "arm geworden und eines guten Herkommens" waren.

Frauen, Aussätzige, Epileptiker, Stumme und Bettler waren ausgeschlossen. Jeder Neuaufgenommene musste sein Bettzeug mitbringen. Sein Vermögen fiel nach Trautenbergs Tod an das Spital. Über die Aufnahme in das Spital entschieden der Stadtrat und der Älteste der Familie der Trautenberger. Die Oberaufsicht über diese Stiftung hatten der Bürgermeister und der Rat der Stadt. Diese bestimmten zwei Spitalmeister, bei denen die Bewohner ihre Klagen über unzureichendes Essen und Trinken, über mangelhafte Bettwäsche, Kleidung oder ähnliche Dinge vorbringen konnten. Zwei Mal im Jahr mussten die Spitalmeister Rechenschaft ablegen.

Auf dem weiteren Weg erzählte Müller-Rösch vom "Kemnather Geleit" und von der ehemaligen landrichterlichen Fronfeste (dem heutigen Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum). Sie ging näher auf die Geschichte der 1448 bis 1450 erbauen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und die frühere Bedeutung des "Fleischbankls" ein. Im Klosterhof erzählte Thomas Völkl als der letzte Guardian die Geschichte des Franziskanerklosters bis zur Auflösung bei der Säkularisation 1802.

Im Kirchwinkel in der Schmidt-Straße wartete Martin Mayer als Schulinspektor Johann Horn vor der ehemaligen Lateinschule auf die Gäste. Den krönenden Abschluss bildete der Auftritt von Anna-Müller- Rösch als Brandstifterin Sybilla Schimmel, die 1848 den verheerenden Stadtbrand gelegt hatte.

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