Bundestagsvizepräsidentin zu Besuch in Kemnath
Claudia Roth "Mittendrin"

Schwarz-grüne Hochstimmung: Claudia Roth von den Grünen gefällt es im Familienzentrum "Mittendrin" und auch CSU-Bürgermeister Werner Nickl fand den Besuch erheiternd. Bilder: sdr
Vermischtes
Kemnath
23.08.2017
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Flüchtlinge bastelten Herzen und versahen sie mit Botschaften für Claudia Roth. Jessika Wöhrl-Neuber (Mitte) und ein Dolmetscher übersetzten die Botschaft.

Dass Kemnath Willkommenskultur lebt, erfährt Claudia Roth nicht erst im Familienzentrum. Schon am Ortsschild wird die Vorzeige-Grüne herzlich empfangen.

Dass sie im "herzenswarmen Bayern" ist, bekam Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth schon am Stadteingang zu spüren. Für den Besuch im Familienzentrum "Mittendrin" war die Spitzenkandidatin der Bayern-Grünen etwas zu früh dran und legte deshalb einen kurzen Stopp ein. Ein älterer Herr klopfte gleich an die Scheiben des Dienstwagens und fragte, ob er helfen könne, berichtete Roth von der Hilfsbereitschaft bei ihrer Ankunft.

"Gastfreundlich begrüßt" und "gut aufgehoben" fühlte sich Claudia Roth dann auch im "Mittendrin". "Da tanzt und lacht das Herz." Sie habe selten erlebt, dass man sich von Anfang an so wohlfühlen kann. "Ich bin reingekommen und hatte das Gefühl, da geht was." In Zeiten, in denen das Land von Demokratiefeinden umgeben sei, komme es auf Deutschland besonders an. Schon Kinder müssten erfahren, dass sie mit Rechten ausgestattet sind und ernstgenommen werden. "Demokratie wächst von unten. Das Familienzentrum und die Kommunen bieten Teilhabemöglichkeit für alle Menschen. Man kann nicht in Berlin einfach Beschlüsse fällen, und die Kommune muss sich danach richten."

Die Arbeit des Familienzentrums stellte die Sozialpädagogin Jessika Wöhrl-Neuber vor. "Wir wollen einen Ort bieten, wo man sich trifft", meint Neuber. Familie sei nicht rosarot. Das Zentrum biete offene Ohren für alle und ein gutes Netzwerk, um im Ernstfall Hilfe zu bieten. "Von Babyzeichensprache bis zum Trauertreff ist alles dabei. So ist das Leben", lobte Roth die Bandbreite.

Einen besonderen Einblick bekam Roth in die Flüchtlingsarbeit. "Seit Oktober 2015 sind wir hier aktiv. Unser ,Interkulturelles Café' war das erste Angebot für anfangs circa 60 geflüchtete Menschen", erklärte Neuber. Die Deutschkurse hätten drei unterschiedliche Säulen, führte Gabi Zaus aus. Als ehrenamtliche Mitarbeiterin leitet sie Sprachkurse. Zweimal in der Woche gebe es einen Kurs zu Alphabetisierung, um auch Analphabeten Lesen und Schreiben beizubringen.

Der Deutschunterricht finde entweder flexibel als Einzelunterricht statt oder ebenfalls zweimal in der Woche in einem eigenen Klassenzimmer. Zum Unterricht bringe ein eigens dafür eingerichtetes Taxi die Teilnehmer. "Sprache bringt zusammen, sie bildet die Brücke.", weiß die Sprachlehrerin.

"Wir kämpfen darum, dass es allen besser geht. Ein großer Vorzug unserer Stadt ist die Familienfreundlichkeit", betont auch Bürgermeister Werner Nickl. Ohne das Engagement der Angestellten und vor allem auch ehrenamtlichen Mitarbeiter ginge das allerdings nicht. Räumlich stoße man an Grenzen. Deshalb habe die Stadt bereits ein Gebäude gekauft und richte dort ein Bürgerhaus ein, in dem auch das Familienzentrum mehr Platz findet.

In ihrem Resumee betonte Roth, dass sie ein erfülltes Herz mitnehme. "Das Familienzentrum ist das demokratische Herz der Stadt. Das ist großartig zu erleben. Es ist gut, dass der Bürgermeister mit anpackt." Zurücklehnen dürfe man sich als Staat trotz des Engagements der Bürger nicht.

Die Zeit sich am interkulturellen Büfett zu bedienen, das Flüchtlinge vorbereitet hatten, blieb Roth nicht. Zur Einweihung des neuen Bürgerhauses wolle sie aber wiederkommen. "Eventuell pflanzen wir dann einen Baum oder finden eine andere schöne Aktion für die Feier."
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