02.02.2018 - 15:10 Uhr
Kemnath

Disco-Serie: Erinnerung an Disco "Santana" in Löschwitz "Beichtvater" hinterm Tresen

Sie ist die einzig Wahre für Ernst Priebe. Diejenige, die ihm schon lange durch den Kopf geht. Und auch für seine Ehefrau ist sie die große Liebe: die Löschwitzer Disco "Santana".

Beliebt in Löschwitz: Ein Abend an der Bar im "Santana".
von Marion Espach Kontakt Profil

Löschwitz/Kemnath. Eine Liebe, die lange gehalten hat: 36 Jahre lang hat Anni Priebe mit ihrem Mann die Kultkneipe geführt. Dabei hat alles mit einem Scherz angefangen. Ihr Mann verkündete ihr - ohne vorher mit ihr darüber gesprochen zu haben - das Lokal spontan gepachtet zu haben. "Was er natürlich nicht getan hat. Er wollte bloß sehen, wie ich darauf reagiere."

Nicht besonders positiv, wie sich die heute 67-Jährige erinnert. "Zuerst war ich geschockt." Dann habe sie sich aber mit dem Gedanken anfreunden können, am Ende war sie davon begeistert. Heute denkt sie, dass es eine der besten Ideen ihres Lebens war. "Ich habe nie bereut, mich für die ,Santana' entschieden zu haben." Ihr Mann brannte schon lange für das Lokal. "Er hat immer gesagt, es sei die einzige Disco, die er jemals übernehmen würde", erinnert sich Priebe. Das blieb auch der damaligen Besitzerin im Gedächtnis. "Sie hat ihn gefragt, ob er Interesse hätte, das Lokal zu pachten." Nach kurzem Hin- und Herüberlegen war die Entscheidung des Paares gefallen: Die "Santana" soll zu ihnen gehören.

Viele Veränderungen

Für zwei Jahre pachteten sie die Disco. Eine Zeit, in der sich viel getan hat. Nicht nur, dass die beiden währenddessen geheiratet hatten. Nachdem der Pachtvertrag auslief, kaufte die Stadt Kemnath das Gebäude und baute es um. "Ganz am Anfang waren in dem Gebäude ein Lebensmittelladen und eine Wirtschaft, drüber eine Ferienwohnung." Alles war alt, dunkel und verstaubt. "Das konnte so nicht bleiben." Also mussten alte Holztische, -stühle und -verkleidungen weichen und einer Tanzfläche und Bar Platz machen.

Das Geschäft mit den Feiernden lief gut. So gut, dass das Paar das Lokal 1983 gekauft und ein Restaurant angebaut hatte. Auch in der Küche gab es viel zu tun, an manchen Sonntagabenden gab Anni Priebe über 150 Essen raus. Ihre Pizzen, Schaschlick-Spieße und Schweizer Schnitzel waren eben legendär. "Die Leute fragen mich heute noch nach den Rezepten." So gut es den Leuten am Wochenende auch in der Disco gefiel - irgendwann wollten sie nach Hause. "Sie haben aber nie ein Taxi gefunden", erinnert sich Tochter Stefanie Baier.

Die Idee ihres Vaters: parallel zur Disco einen Fahrservice anzubieten. "Meine Eltern und ich hatten den Taxischein. Meistens ist aber mein Papa gefahren." Ernst Priebe war sozusagen der Geistliche hinter Tresen und Lenkrad. "Viele haben uns in der Disco oder auf der Heimfahrt ihr Leid geklagt", erklärt die 34-Jährige. Alkohol macht eben gesprächig. Doch je mehr andere geredet hatten, desto wichtiger war es, selbst ruhig zu sein. "Man darf nicht weitertratschen, was andere erzählt haben. Mein Papa hat das besonders gut gekonnt. Er war verschwiegen wie ein Pfarrer."

Jähes Ende

Solange Familie Priebe die Disco führte, baute sie das Gebäude noch zweimal um. Für die Wirtsleute eine Notwendigkeit: "Den Raum haben wir auch gebraucht. Bei uns war es immer voll", erklärt Priebe. Dementsprechend viele waren geschockt, als das Paar das Lokal 2011 aufgab. Die Erinnerungen daran lassen sie aber weiterleben, denn: "Es war eine schöne Zeit, die wir nicht missen möchten", sind sich Mutter und Tochter einig.

"Santana" in Zahlen

1975: Ernst und Anni Priebe pachten die "Santana" für zwei Jahre.

1977: Das Lokal wird umgebaut, nach und nach wird sie zur zur Disco.

1983: Die Priebes kaufen die "Santana". In dieser Zeit bauen sie das Haus noch zweimal um und erweitern es um das Restaurant.

Anfangs passten zwischen 300 und 350 Gäste in die "Santana", nach den Umbauten noch mehr.

Am Wochenende gibt Anni Priebe in der Regel nach zwei Uhr morgens zwischen 20 und 30 warme Speisen raus.

2011 : Das Paar gibt die Disco auf und die Kult-Kneipe bekommt einen neuen Besitzer. (esm)

Ein Mann für alles

Viele haben bei Ernst Priebe ein Bier bestellt, sich von ihm nachts nach Hause fahren lassen und ihm ihr Leid geklagt. Er ist ein Mann, den man nicht vergisst - auch nach dem plötzlichen Tod des 70-Jährigen im November 2017. Er bleibt in Erinnerung als das, was er war: Discobesitzer, Restaurantinhaber, "Kummerkasten" und Taxifahrer. Für ihn und seine Frau war die "Santana" mehr als nur eine Kneipe. "Es war ihr Lebenswerk", erklärt Tochter Stefanie. (esm)

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