21.03.2017 - 20:00 Uhr
KemnathOberpfalz

Große Pläne mit Lenzbräu-Gebäude Haus mit Leben füllen

3000 Euro steuerte das Rathaus vor fünf Jahren als Starthilfe für das Familienzentrum Mittendrin bei. Während die Einrichtung am Sonntagnachmittag, 26. März, mit einem Familienfest Jubiläum feiert, bereitet die Stadt ein richtig großes Geschenk vor.

Mit dem Lenzbräu-Gebäude hat die Stadt Kemnath Großes vor. Aus dem Anwesen soll ein "interkulturelles Familien- und Bürgerhaus" werden, in dem auch das Familienzentrum Mittendrin Platz finden wird. Bild: jzk
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Bislang ist das Familienzentrum im ersten Stock des Alten Rathauses, direkt über der Stadtbücherei, untergebracht. Aber nicht mehr allzu lange, geht es nach den Verantwortlichen der Stadt. Sie hat vor zwei Jahren die Trägerschaft übernommen. Wie Bürgermeister Werner Nickl verrät, soll das Lenzbräu-Gebäude, in dem bis Mitte der 1990er Jahre Bier gebraut wurde, das neue Domizil werden. Der Stadtrat sei sich einig, der Eigentümer habe Verkaufsbereitschaft signalisiert, berichtet Nickl. Derzeit werde beim Notar der Vertrag aufgesetzt.

Für das Projekt haben das Büro RSP Architekten um Städteplaner Klaus Stiefler sowie das von Jessika Wöhrl-Neuber geleitete Mittendrin eine Konzeptstudie unter dem Titel "Interkulturelles Familien- und Bürgerhaus in der ehemaligen Lenzbräu" erarbeitet. Dieses liege der Regierung der Oberpfalz seit September 2016 vor. Neben dem Familienzentrum soll dort einmal "alles, was es im öffentlichen Leben gibt, gebündelt werden". So sollen unter anderem Zimmer für die Sprechtage der Koki-Stelle, der Caritas und des Jobcenters entstehen. Auch der Jugend- und der Seniorentreff sollen Platz finden, ebenso Seminarräume, zum Beispiel für Vereine.

Die Maßnahme wäre seines Wissens dann die erste im Landkreis Tirschenreuth, die über den neuen Investitionspakt "Soziale Integration im Quartier" des Bundes und des Freistaates laufen würde, erklärt Nickl. Für Vorhaben in Bayern stünden dafür 34,2 Millionen Euro zur Verfügung. Sollte es zum Tragen kommen, gäbe es einen Zuschuss von 90 Prozent der förderfähigen Kosten. "Ich würde es auch nehmen", scherzt Nickl angesichts einer "optimalen Förderung". Schließlich würden die Baukosten bei geschätzt über drei Millionen Euro liegen. Er ist zuversichtlich, hier zum Zug zu kommen. "Die Regierung hat ein großes Interesse, dass wir bald in die Umsetzung können", denn dort seien für dieses Programm bislang erst zwei, drei Projekte angemeldet.

Aus dem Jahr 1677

Dass hier die Stadt die Initiative ergreift, liegt für Nickl aber nicht nur wegen der Fördermöglichkeiten auf der Hand. "Das Lenzbräu-Gebäude ist als Einzeldenkmal geschützt. Eine Einzelperson würde sich das nicht antun." Und weil Teile der "Urbrauerei von Kemnath" bis 1677 zurückdatiert werden können, redet der Denkmalschutz ein gehöriges Wort mit. Unter anderem der Dachstuhl und der Giebel beziehungsweise der Frontbereich sind geschützt. Dazu gebe es zahlreiche Einbauten, bei denen noch unklar sei, was historisch und was nachträglich dazugekommen ist, weiß Nickl. Schon alleine wegen dieser Untersuchungen plant er nur mittelfristig. "Wenn alles optimal läuft, werden wir dieses Jahr wohl nicht über die Fortschreibung des Konzepts hinauskommen." Aber: Der Antrag auf Förderung des Erwerbs des knapp 1300 Quadratmeter großen Grundstücks laufe. Der zweite Schritt wäre die Bewilligung des vorzeitigen Baubeginns.

Ein Umzug in die Trautenbergstraße würde für Wöhrl-Neuber mehrere Probleme lösen. Angesichts des umfangreichen Betreuungs- und Kursangebots sind im Alten Rathaus die räumlichen Kapazitäten so gut wie ausgeschöpft. Die Sozialpädagogin würde zum Beispiel gerne "noch Tanzkurse reinkriegen", doch dafür "bräuchten wir einen Raum, der doppelt so groß ist wie der Kursraum". Dafür wäre dann im Lenzbräu genügend Platz: Jede der drei Etagen hat eine Fläche rund 300 Quadratmetern. Fast noch schwerer wiegt aber, dass das Familienzentrum nur über eine Treppe erreichbar ist. Dagegen gäbe es im angedachten neuen Zuhause "Barrierefreiheit in Reinform", meint Nickl. An der Stelle des Sudhauses sehe das Konzept ein Treppenhaus mit Lift vor. Auch stünden Wöhrl-Neuber und ihren ehrenamtlichen Mitarbeitern Außenflächen, die in der Stadt fehlten, zur Verfügung.

Besonders hat es dem Rathauschef der historische Dachstuhl angetan. Dieser würde bei Veranstaltungen eine einzigartige Atmosphäre schaffen, ist er überzeugt. Und auch dafür hat die Mittendrin-Leiterin bereits Ideen: eventuell eine Kleinkunstbühne oder eine Ausstellungsfläche für ein Kinderkunst-Museum. (Hintergrund)

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