27.10.2017 - 15:42 Uhr
KemnathOberpfalz

Gründungsvorsitzender und Vorsitzender des Rings junger Landwirte im Gespräch: Mit der Zeit gehen

War früher alles besser? Der Ring junger Landwirte feiert am heutigen Samstag sein 40-jähriges Jubiläum. Gründungsvorsitzender Wolfgang Bothner und der aktuelle Vorsitzende Tobias Vogel sprechen über Entwicklungen und Veränderungen in der Landwirtschaft.

Wolfgang Bothner (links) und Tobias Vogel. Bild: msh
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Die RTL-Sendung "Bauer sucht Frau" hat mit der Realität wenig zu tun, da sind sich beide Landwirte einig. "Es stimmt aber, dass es schwierig ist, eine Frau zu finden, die sich noch in die tägliche Hofarbeit einbringen will. Früher war das vielleicht etwas einfacher", sagt Vogel. "Ohne Familie ist Landwirtschaft nur schwer zu betreiben. Natürlich kommt es darauf an, wie groß der Hof ist, aber gerade Viehwirtschaft ist ohne Hilfe nicht machbar", ergänzt Bothner. Was ist also heute besser? "Die Technik ist eine große Erleichterung der Arbeit", sagt der aktuelle Vorsitzende. Und was war früher besser? "Man hat für seine Arbeit entsprechenden Lohn bekommen und konnte das Geld investieren, denn die Nebenkosten sind mit den Jahren explodiert", erklärt Bothner und fügt an: "Wer die Entwicklung mitgemacht hat, konnte seine Landwirtschaft wachsen sehen."

Bio-Produkte waren früher kein Thema. Heute ist Bio so beliebt wie nie. Das sieht Vogel kritisch, denn es verschafft konventionellen Bauern einen schlechten Ruf. "Es ist nicht so, dass es für uns keine Auflagen gibt. Auch wir geben Bodenproben ab oder müssen unser Vieh begutachten lassen. Vor zwei Jahren haben viele Bauern entschieden, auf Bio umzusteigen, weil es vom Staat gefördert wird, aber die Umstellung dauert etwa drei Jahre und wer weiß schon, wie es dann aussieht", erklärt Vogel. Eine Umstellung auf Bio-Anbau erfordert unter anderem eine andere Bewirtschaftung der Felder und Futter für das Vieh muss umgestellt werden. "Getreidekrankheiten sind für Bio-Bauern viel schwieriger zu bekämpfen. Da muss man schon von Bio überzeugt sein und darf nicht nur wegen des Geldes umsteigen."

Nicht alles ist besser

"Vor allem in den letzten 30 Jahren sind rasante Fortschritte gemacht worden", erklärt Vogel im Hinblick auf die technische Entwicklung. Doch nicht alles ist besser geworden. "1977 gab es zum Beispiel noch keine Milchquote. Trotzdem haben wir für den Liter noch 78 Pfennig bekommen. Das Geld von damals steckten Landwirte in den Ausbau des Hofs", erzählt Bothner. Der aktuelle Milchpreis liegt bei etwas mehr als 40 Cent pro Liter. Auch beim Getreide hat sich der Preis verändert. 1969 kostete der Doppelzentner noch zwischen 50 und 55 Mark und heute liegt er zwischen 15 und 20 Euro. Große Unterschiede sehen die beiden Landwirte vor allem, was die Bürokratie und den Naturschutz betrifft. "Die Naturschützer legten 1977 langsam los, sind damals aber oft übergangen worden", berichtet Bothner. Vogel bestätigt: "Heute ist es schwieriger geworden, weil es vom Naturschutz viele Auflagen gibt. Manche sind vielleicht etwas übertrieben."

"Die Bürokratie wird auch immer mehr. Buchhaltung, Beantragung von Fördergeldern und Auflagen werden immer komplizierter", meint Vogel. Früher war das einfacher, weil die Strukturen auch in der Politik einfach noch nicht in diesem Ausmaß vorhanden waren. An der Größe der Felder hat sich nicht viel verändert, aber die Landwirte versuchen durch Zupacht mehr Flächen zu bekommen, um den Ertrag zu steigern. Allerdings sei das nicht einfach, denn es gebe immer mehr Biogas-Flächen, was die Pachtpreise nach oben treibe, bemängeln beide Landwirte.

Beim Anbau dagegen ist die Vielfalt kleiner geworden. "Früher wurden zum Beispiel viele Kartoffeln und verschiedene Getreidesorten angebaut", weiß Bothner. "Heute ist das nicht mehr so häufig. Am meisten verbreitet sind Maissorten", wirft Vogel ein. Die Viehhaltung hat sich durch moderne Technik und größere Stallungen verändert. "Abgesehen von der Anzahl der Tiere produzierte ein Landwirt früher zwischen 3000 und 4000 Liter Milch, heute bis zu 10 000 Liter", erklärt Bothner.

Wichtige Veränderungen in der Ausbildung

Wichtig waren die Veränderungen in der Ausbildung der Landwirte. Bothner, der 1978 auch Vorsitzender des Bezirksverbandes war, spielte dabei, zusammen mit seinen Kollegen, eine wichtige Rolle. "Schon damals gab es Meisterkurse. Dann war in Bayern geplant, ein Berufsgrundschuljahr in Vollzeit einzuführen, doch das wäre mit der täglichen Hofarbeit nicht vereinbar gewesen. Deswegen haben wir aus der Oberpfalz viel Einfluss genommen, um Teilzeitschulen zu bekommen. Die wurden dann 1984/1985 eingeführt", erzählt der Gründungsvorsitzende.

Davon profitieren Junglandwirte noch heute. Die "Teilzeitschule kooperativ" dauert ein Jahr. Im zweiten und dritten Jahr lernen die junge Landwirte auf einem fremden Hof. Nach weiteren 18 Monaten sind die Nachwuchslandwirte dann staatlich geprüfte Wirtschafter. "Erst dann ist eine Weiterbildung zum Meister oder Agrarbetriebswirt möglich", erklärt Vogel. "Die rasante Entwicklung mitzumachen, ist nicht immer einfach. Aber wer nicht mit der Zeit geht, wird keine Zukunft haben", lautet sein Fazit zu den Veränderungen in der Landwirtschaft. "Das galt schon früher", stimmt Bothner zu. Die Jubiläumsfeier in der Mehrzweckhalle Kemnath beginnt am heutigen Samstag um 19.30 Uhr.

Wer nicht mit der Zeit geht, wird keine Zukunft haben.Tobias Vogel
Die Naturschützer legten 1977 langsam los, sind damals aber oft übergangen worden.Wolfgang Bothner

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.