Günter Grünwald mit "Deppenmagnet" in Kemnath
Südtiroler per Weihnachtspost

Einige ziehen Unglück an, Günter Grünwald nach eigener Aussage Deppen. Über die lästerte der Kabarettist genüsslich bei seiner Vorstellung in Kemnath. Bild: ak
Vermischtes
Kemnath
19.12.2016
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Eine kräftige Prise Satire als Vorspeise, zum Hauptgang ein großer Happen Comedy und Selbstironie als Nachtisch: All dies ergab ein mehrgängiges Menü, mit dem Günter Grünwald rund 850 Besucher in Kemnath zum Dauerlachen brachte.

Doch bevor er mit seinem neuen, zweistündigen Bühnenprogramm "Deppenmagnet" loslegte, zollte er dem Catering in der Mehrzweckhalle Lob und zog einen Vergleich zu einem anderen Auftritt. "Da hat sich die Mortadella auf der Semmel nach oben gerollt. Es war aber besser so, weil sie so wenigsten den dreckigen Teller nicht berührte." Und Grünwald blieb beim Essen, genauer gesagt bei den Backshops. Dort kämen manche Teiglinge seines Wissens aus China. "Die kenna goar koine Semmel, aber die Backmischung wird in die Mischtrommel reingeschaufelt - und das ohne Hund. Wenn's so wär, wär a Ruh mit dem Drecksköter, der in den Sandkasten neischeißt."

Der Ingolstädter ist sich auch seiner Anziehungskraft bewusst. Er sei ein Deppenmagnet: "Wenn im Umkreis von 50 Metern ein Depp is, is er scho bei mir da." Ob dazu auch Menschen mit Tattoos gehören? Herren mit Trichterbrust empfahl er jedenfalls sich ein Ruderboot stechen zu lassen, das in dessen mittigen Strudel untergeht.

Eine weit gesponnene Geschichte rankte der Kabarettist um einen mit Druckluft getriebenen Siphonreiniger aus dem Baumarkt, "der den Dreck bis fast zum Erdmittelpunkt drückt". Dieser habe sogar geholfen, als einem Freund eine Forellengräte im Hals gepeinigt habe. "Unglaublich, was so alles in einem Menschen drin ist."

"Bisher is a ohne Handy und Tablet-PC ganga." Daher sei er skeptisch, ob sich das durchsetzen werde. "Mehr erlebt man draußen und nicht am Monitor", lautete seine Begründung. Grünwald gewährte auch einen Blick in seine Familie. Dem Wunsch seines Neffen auf einen "Südtiroler" nahm er ernst, nachdem der Versand eines durch den Poststempel malträtierten Hamsters letztes Weihnachten nicht geklappt hatte. Der dazu in Bozen aufgelesene Penner sei jedoch beim Neffen nicht sonderlich gut angekommen: Er hatte sich nämlich einen "Cityroller" gewünscht. Das nächste Jahr werde er dem Neffen eine Zehnerkarte beim Logopäden schenken.

Erwähnenswert fand Grünwald, dass das Schimpfwort "Du schwule Sau" ausgestorben und wirkungslos sei. Selbst sein Frisör werbe als heterosexueller damit, "dass er Haare genauso gut schneidet, als wenn er schwul wäre". Absolutes Unding sind für Grünwald Fernsehköche, "die nicht mal einen Liter Wasser ohne Hilfe heiß bringen". Wer könne schon nach Gefühl kochen, wenn er gar keines habe. Sich selbst zog er mit seinem Wandel vom muskelbepackten Bodyman zum Komiker in den Kakao. Beim Urlaub bevorzuge er Ruhe, Erholung und Natur. Daher könne er auf "Camping mit Karaoke und Abenddisco, eine Kreuzfahrt mit 5000 Rentnern auf einem Blechsarg sowie einen animierten Cluburlaub mit Polonaise bei 50 Grad im Schatten" verzichten.

Die begeisterten Besucher belohnten Grünwald mit anhaltendem Applaus, für den sich der Ingolstädter mit einer 15-minütigen Zugabe mit Einblicken in seine Jugendzeit revanchierte.
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