HAK erhält über 100 Jahre altes Dokument für Kemnather Gesellenverein
Bei Anruf historisches Diplom

Museumsleiter Anton Heindl zeigt das Diplom des katholischen Gesellenvereins Kemnath und die Festschrift mit einem Beitrag von Anton Schinner. Bild: jzk
Vermischtes
Kemnath
06.09.2017
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Sehr gute Kontakte zum Stadtmuseum und zum Stadtarchiv Weiden pflegt der Heimatkundliche Arbeits- und Förderkreis Kemnath (HAK). Aus diesem Grund hat der Kemnather Museumsleiter Anton Heindl aus dem Fundus von Max Linhardt ein Diplom von Kemnather Gesellenverein erhalten.

Die Urkunde war Teil eines Nachlasses, den das Stadtarchiv erhalten hatte. "Weil sie mit Weiden nichts zu tun hat, hat man mich angerufen", berichtet Heindl. Das Diplom habe dann im Tourismusbüro im Alten Rathaus abgeholt. Mittlerweile sei das gute Stücke inventarisiert und im Kemnather Museum untergebracht.

Die Anregung zu zur Gründung des Gesellenvereins hatte 1890 der Theologiestudent Georg Bayer gegeben. Kaplan Ludwig Wiebeck begann mit den Vorbereitungsarbeiten und verschickte Einladungsschreiben. 53 Mann kamen zur ersten Versammlung am 26. Oktober 1891. Sie ernannten Kaplan Wiesbeck zum Präses des Vereins, aus dem später die Kolpingfamilie hervorgehen sollte.

Laut dem Dokument aus Weiden ist die Gemeinschaft auf Beschluss des "Central-Vorstandes" in München am 9. Juni 1892 in den allgemeinen Verband des Katholischen Gesellenvereins aufgenommen worden. Weiter heißt es: "Sein Fundament ist der katholische Glaube, ehrenhafte, christliche Sitte der Mitglieder seine Würde, brüderliche Eintracht sein Ehrenzeichen, gegenseitige Hülfe in Noth und Bedrängnis besondere Lebenspflicht, tüchtiges Schaffen und Wirken in Berufskreise das Ziel gegenseitiger Ermunterung." Zudem solle "ein christlicher, wackerer Gesellenstand" durch Tugend und Fleiß "in der Bürgerschaft sich einen ehrenwerthen Meisterstand erobern. Darum halten die Mitglieder des kath. Gesellenvereins die Religion heilig, die Sitte rein, die Ehre des Mannes und des Gewerbes hoch und reichen sich überall die brüderliche Hand, damit sich aufrichte, wer darniedergesunken, und muthig stehenbleibe und weiterschreite, wer den Weg der guten Sitte und der Ehre betreten". Unterschrieben hat das Diplom "im Namen der Central-Vorstandschaft" Präses Johann Mayer.

Es stammt aus dem Nachlass von Josef Linhardt, Onkel von Max Linhardt. Dieser war von den 1920er bis 1950er Jahren Stadtbaumeister in Weiden. Zur Welt kam er 1886 in München, wo er die Volksschule, das humanistische Gymnasium und die staatliche Bauschule besuchte. Nach fünf Semestern an der technischen Hochschule München trat er in den staatlichen Vorbereitungsdienst ein. Als Kriegsfreiwilliger diente Josef Linhardt er vom 1. Oktober 1914 bis zum 19. Dezember 1918 beim 3. Feldartillerie Regiment München und erhielt das Eiserne Kreuz II und das Bayerische Militärverdienstkreuz.

Bis März 1920 oblag ihm unter anderem die selbstständige Bauleitung am Schloss Zinneberg, bevor er am 23. März 1920 in Weiden seinen Dienst als Stadtbaumeister antrat. In seiner Zeit als Stadtbaurat (1927 bis 1952) prägte er das Gesicht der Stadt entscheidend. Zu den Bauten, die unter seiner Leitung entstanden, gehörten unter anderem die Landwirtschaftsschule in der Asylstraße 19, die Wohnblocks an der Moltke- und Kurfürstenstraße, die Wohnanlage der Baugenossenschaft, das Familienheim am Rehbühl, das Gebäude der Stadtsparkasse in der Bahnhofstraße, das Wasserwerk und die Pestalozzi-Schule.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit war er ein begeisterter Naturfreund und ab 1920 Mitglied beim Oberpfälzer Waldverein, dem er drei Tagwerk Wald rund um den Aussichtsturm auf dem Fischerberg stiftete. Außerdem war er von 1946 bis 1970 Beauftragter für den Naturschutz in der Stadt Weiden. In zahlreichen Kohle- und Federzeichnungen, später auch in Ölgemälden hielt er das Bild Bayerns, besonders der Oberpfalz, fest. Die Silberhütte bestückte er mit Zeichnungen. "Dem Stadtarchiv Weiden hat er Zeichnungen und Fotos im Wert von mehreren tausend Euros als Dauerleihgabe hinterlassen" weißAnton Heindl. Josef Linhardt starb am 30.3.1985 in Weiden.

Weitere Einzelheiten über den Katholischen Gesellenverein Kemnath hat Anton Schinner in seinem Beitrag zur Festschrift anlässlich der 975-Jahr-Feier der Stadt Kemnath ab Seite 206 aufgeführt.
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