12.10.2017 - 20:00 Uhr
KemnathOberpfalz

Heimatkundlicher Arbeits- und Förderkreis serviert Lutherzoigl im Musikeum Schmorbraten und Nonnenpfürze

Nach der "Nacht der Kirchen" in Oberndorf und Neustadt am Kulm startete der Heimatkundliche Arbeits- und Förderkreis (HAK) eine weitere Aktion zum Reformationsjubiläum. Museumsleiter Anton Heindl und HAK-Vorsitzender Hans Rösch luden zum Lutherzoigl in das Musikeum ein.

HAK-Vorsitzender Hans Rösch und Museumsleiter Anton Heindl (stehend, von rechts) dankten Pfarrer Dirk Grafe (stehend, links) für seinen humorvollen Vortrag. Bild: jzk
von Josef ZaglmannProfil

Anita Heindl und Anneliese Scherm hatten ein leckeres Dreigänge-Menü zubereitet. Als Vorspeise gab es eine Lombardische Suppe. Als Hauptspeise servierten sie Schmorbraten, dazu gab es Mönchskuchen. "Nonnenfürze" als Nachspeise bildeten den krönenden Abschluss des Luther-Mahles. Zum Trinken gab es süffiges Zoigl-Bier oder andere Getränke.

"Der Reformator Martin Luther war ein begnadeter Redner, ein sprachgewaltiger Schreiber und ein kluger Denker", betonte HAK-Vorsitzender Hans Rösch bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste. Pfarrer Dirk Grafe trug Tischreden von Martin Luther vor. Zwischen den einzelnen Gängen sorgte Kantor Wolfgang Schmelzl (Josef Zaglmann) für musikalische Unterhaltung. Getreu dem Lutherspruch "Tritt frisch auf, tu's Maul auf, hör bald auf" waren weitere Beiträge erlaubt. "Martin Luther war kein Kostverächter", erklärte Grafe schmunzelnd, "er liebte gute Hausmannskost, Fleisch, Fisch, weniger Obst und Gemüse." "Auf einen vollen Bauch steht ein fröhliches Haupt", war einer seiner Lieblingssprüche. Am Tisch der Familie saßen meist auch Schüler und Studenten.

"Bei dieser Gelegenheit gab Luther einiges von sich", erzählte der Geistliche. Darunter waren theologische und geistliche Gedanken, aber auch derbe Sprüche und Scherze. Immer ging es um Alltägliches oder die Politik. "Manche Gäste schrieben auf, was der Hausherr während der ziemlich üppigen Mahlzeiten von sich gab und veröffentlichten es", wusste Grafe. Zahlreiche Nachschriften machen es unmöglich zu sagen, was wirklich authentisch ist. Kleine Bosheiten oder brillante Redewendungen wurden ihm zugeschrieben, auch wenn sie nachweislich nicht von ihm stammten. Dazu zählt zum Beispiel das kleine Gedicht: "Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang." Weitere Kostproben waren: "Der Wein ist stark, der König ist stärker, die Weiber noch stärker, die Wahrheit am allerstärksten", "Das Jahr kennt seinen letzten Tag, der Mensch nicht" oder "Die Welt ist wie ein trunkener Bauer. Hebt man ihn auf der einen Seite in den Sattel, so fällt er auf der anderen Seite herunter". Der Reformator liebte Musik. Das bezeugen Zitate wie "Singen ist eine edle Kunst und Übung" oder "Musika ist eine halbe Disziplin und Zuchtmeisterin, so die Leute gelinder und sanftmütiger, sittsamer und vernünftiger macht".

"Ohne seine tüchtige Ehefrau Katharina von Bora wäre Martin Luther aufgeschmissen gewesen", berichtete Grafe. Sie führte mit großer Umsicht den aufwendigen Haushalt. Sie hatte das Braurecht und braute das Bier selbst, das bei Tisch ausgeschenkt wurde.

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