06.04.2017 - 20:00 Uhr
KemnathOberpfalz

"Hollerhöfe" fechtet Betriebsratswahl an "Setzt eigene Zukunft aufs Spiel"

Die Gewerkschaft legt in Sachen Betriebsratsgründung bei den Hollerhöfen in Waldeck nach. Der Betrieb habe die Wahl angefochten und Arbeitsplätze abgebaut. Stimmt so nicht, hält die Firmenchefin dagegen.

Sie verstehen das Vorgehen der "Hollerhöfe" nicht: (von links) Rechtsanwalt Fabian Riechers, Rainer Reißfelder, Christian Dietl, die beiden Betroffenen sowie Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch. Bild: jut
von Julian Trager Kontakt Profil

Waldeck/Weiden. (jut/wüw) Der Fall der drei fristlos gekündigten Initiatoren der Betriebsratswahl bei den Hollerhöfen in Waldeck zieht Kreise. Wie Rainer Reißfelder mitteilte, hat der Betrieb nun die "völlig ordnungsgemäße" Wahl angefochten.

Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten gibt sich bei einem Pressegespräch bei Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch in Weiden fassungslos: "Ich habe schon einige schwierige Betriebsratswahlen begleitet, aber so eine Gegenwehr wie hier habe ich bisher nur bei größeren Schnell-Restaurants erlebt." Er verstehe nicht, warum sich der Arbeitgeber so sehr gegen einen Betriebsrat stemmt: "Der Betrieb setzt ja seine eigene Zukunft aufs Spiel. Die Schließung droht."

Gründe genannt

Mittlerweile arbeiteten nur noch 8 Mitarbeiter dort, vor den Querelen seien es 17 gewesen. Eine der gekündigten Beschäftigten nannte bei dem Termin im Büro des Bundestagsabgeordneten erstmals Gründe, die der Arbeitgeber für ihre Entlassung angegeben hab: "Im Januar letzten Jahres habe ich die Chefin gebeten, meine Stunden zu reduzieren, weil ich mich um meinen Sohn kümmern wollte." Das sei auch genehmigt worden, sogar schriftlich. "Jetzt ist es ein Kündigungsgrund", sagte die Frau. "Damit will der Betrieb von der Tatsache ablenken, dass die Kündigung mit der Betriebsratswahl zusammenhängt."

Einer der drei Wahl-Initiatoren habe sich mittlerweile außergerichtlich mit dem Betrieb geeinigt, erklärt eine der Betroffenen. "Er hatte keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, er konnte nicht warten." Die zwei anderen Gekündigten bleiben hartnäckig. Zusammen mit Reißfelder, Rechtsanwalt Fabian Riechers und DGB-Regionsgeschäftsführer Christian Dietl sprachen sie bei Grötsch vor.

Der appellierte an den Arbeitgeber: "Wir leben im Jahr 2017, da ist die Gründung eines Betriebsrates üblich. Das ist kein Teufelzeug." Dietl forderte, ein Vorgehen wie das der Hollerhöfe gesellschaftlich zu ächten: "Arbeitnehmerrechte werden mit Füßen getreten - nicht nur in Bangladesch, sondern auch täglich vor unserer Haustür." Rechtsanwalt Riechers habe solch einen Fall noch nicht erlebt: Die Argumentation des Betriebs ist eigentlich nicht tragbar. Ich sehe gute Chancen bei Gericht." "Hollerhöfe"-Chefin Elisabeth Zintl seien viele Gespräche angeboten worden, berichtet eine der Betroffenen. "Wir wollen Einigung, keine Konfrontation." Aber das sei von der anderen Seite nicht gewollt. "Die lehnen ein Mitspracherecht ab."

Auf Rückfrage gibt sich die Hollerhöfe-Chefin zurückhaltend. So viel teilt Elisabeth Zintl dann aber doch mit: "Diese Darstellung ist nicht korrekt und unvollständig." Ansonsten hält sich Zintl mit einer Stellungnahme zurück: "Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich zu Personalangelegenheiten nicht in der Öffentlichkeit äußere."

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.