Im Familienzentrum Mittendrin in Kemnath startet Reparaturcafé
Das ist doch noch gut

Egal, ob kaputter Stuhl oder Kleid, das umgenäht werden müsste - alles was tragbar ist, kann zu Joachim Lamm und Jessika Wöhrl-Neuber sowie ihren Helfern gebracht werden. Sie laden am 28. Oktober zum ersten Reparaturcafé ins Familienzentrum Mittendrin ein. Bild: luk
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Kemnath
17.10.2017
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Egal, ob kaputter Stuhl oder Kleid, das umgenäht werden müsste - alles was tragbar ist, kann zu Joachim Lamm und Jessika Wöhrl-Neuber sowie ihren Helfern gebracht werden. Sie laden am 28. Oktober zum ersten Reparaturcafé ins Familienzentrum Mittendrin ein. Bild: luk

Im Keller oder auf dem Dachboden sammeln sich Erbstücke oder Reliquien aus der Jugendzeit. Sie sehen optisch zwar noch ganz gut aus, funktionieren aber nicht mehr richtig oder sind sonst irgendwie kaputt. Eine Reparatur wäre zu teuer, und selbst hat man zwei linke Hände. Jetzt aber nicht ans Wegwerfen denken.

Stattdessen kann das gute Stück ins Familienzentrum Mittendrin gebracht werden. Dort eröffnet am Samstag, 28. Oktober, von 14 bis 16 Uhr erstmals ein Reparaturcafé. Initiiert hat es Joachim Lamm.

Die Idee dazu hatte er, als er vor zwei Jahren einen Bericht über eine solche Einrichtung im Radio hörte. Doch bis zur Umsetzung sollten Monate vergehen - "wegen eines Fernstudiums". Anfang des Jahres nahm der Kemnather das Vorhaben schließlich in Angriff. Er schrieb Bürgermeister Werner Nickl und seinen Stellvertreter Hermann Schraml an, um ihnen seinen Einfall vorzustellen. "Sie fanden ihn toll", erinnert sich der 44-Jährige. Doch die Umsetzung gestaltete sich schwierig. Nach einem "Kampf mit Finanzamt und Behörden" war klar, dass er dafür "jemand mit Gemeinnützigkeit" brauchte. So kam er auf das Familienzentrum.

Schon fünf Helfer

Bei dessen Leiterin Jessika Wöhrl-Neuber rannte Lamm offene Türen ein. "Nach einem Treffen war schnell klar, ein Reparaturcafé als weiteres Angebot aufzunehmen." Zumal sich die Sozialpädagogin schon 2015 mit dem Gedanken befasst hatte, selbst eines ins Leben zu rufen. "Damals gab es das neu in Waldershof, doch uns ist die Flüchtlingsarbeit dazwischen gekommen."

Um die ersten Schritte planen zu können, nahm Lamm Kontakt mit den dortigen Verantwortlichen sowie mit dem TransitionHaus in Bayreuth auf. Er und Wöhrl-Neuber luden schließlich Ende September zu einem Informationsabend ein, um das Projekt mit Leben zu füllen. Vier bis fünf Helfer hätten sich für die weiteren Treffen gemeldet, und gut ein Dutzend weitere Interessierte seien gekommen, freut sich der Medizintechniker über die Resonanz.

Beide möchten mit ihren Angebot auch Jugendliche ansprechen, "dass sie sich ausprobieren können und auch mal ein Werkzeug in die Hand nehmen". Um das Angebot möglichst vielfältig zu gestalten, ist es Lamms Ziel, einmal etwa zehn feste ehrenamtliche Helfer zu haben. Bisher hat er die Zusagen von Fachkräften aus den Bereichen Holz, Metall und Elektrotechnik sowie einen Nähmaschinenmechaniker.

Sachen schätzen lernen

Wer aber meint, dass er nun seinen defekten Mixer reparieren lassen kann, der irrt doppelt. Denn: Zum einen ist das Reparaturcafé als Hilfe zur Selbsthilfe gedacht, das heißt, die Helfer leiten bei den Arbeitsschritten an und greifen nur im Notfall unter die Arme. Zum anderen "können wir aus Sicherheitsgründen so gut wie keine Elektrogeräte (mit 230 Volt) machen."

Es dürfe hier nur ein Elektromeister die Arbeiten anleiten, der die Geräte hinterher auch prüfen müsse, erklären Lamm und Wöhrl-Neuber. Da sie viel Wert auf den Austausch zwischen Helfern und Besuchern legen, gibt es auch keinen Internetzugang, damit "keiner nachschaut, wie man etwas reparieren kann". Überhaupt soll das Angebot keine Konkurrenz zu Fachgeschäften darstellen. Beide rücken bei den Treffen vielmehr die Wissenvermittlung und die Pflege sozialer Kontakte in den Vordergrund. Wenn die Wartung und Pflege gezeigt werde, "lernen die Leute ihr Gerät schätzen und kennen", meint Lamm. Dadurch werde etwas gegen die Wegwerfgesellschaft getan, ergänzt die Sozialpädagogin.

Das Reparaturcafé ist kostenlos, Spenden werden gerne angenommen. Werkzeug wird gestellt, nur benötigte Ersatzteile sind zu bezahlen. Da nicht alle ehrenamtlichen Helfer jedes Mal vor Ort sein können, soll eine Woche vor einem Treffen festgelegt werden, welche Schwerpunkte angeboten werden können. Das ist dann tagesaktuell im Internet unter www.reparatur-initiativen.de abrufbar.

Alles dokumentierenZwei Räume stehen auf der Etage des Familienzentrums Mittendrin für das Reparaturcafé zur Verfügung. In einem werden zunächst die Anmeldungen entgegengenommen. Die Besucher erhalten dabei auch einen Dokumentationsbogen, auf dem unter anderen die Art des Defekts und eine Fehlerbeschreibung festgehalten werden. Ebenso ist ein Haftungsausschluss zu unterschreiben. Im zweiten Zimmer befinden sich ein Elektrobereich für Arbeiten an Niedervoltgeräten und ein großer Tisch, an dem unter anderem gesägt, gemalt, geschraubt oder geklebt werden kann. Davon etwas abgetrennt ist ein Näharbeitsplatz mit Nähmaschine. Nach den Arbeiten wird die Reparatur dokumentiert, aber auch ob ein Gerät entsorgt oder einem Fachgeschäft vorgelegt werden sollte. Dieser Bogen muss ebenfalls unterschrieben werden. "Das ist bei allen Reparaturcafés so", erklärt Jessika Wöhrl-Neuber.

Nach dem Start am 28. Oktober stehen mit Samstag, 11. November und 9. Dezember, bereits die zwei nächsten Termine fest. Die weiteren Treffen werden in Abstimmung mit dem Mittendrin-Programm für 2018 organisiert. Fest eingeplant hat Joachim Lamm nach den ersten Zusammenkünften aber einen Besuch beim Reparaturcafé in Waldershof zum Erfahrungsaustausch und zur Netzwerkbildung. (luk)
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