Informationsveranstaltung für Vereine zum Jugendschutz bei Festen
Unkenntnis keine Ausrede

Rund 70 Vereinsvorstände, Festverantwortliche und Interessierte aus den Vereinen der Region waren zur Informationsveranstaltung "Jugendschutz auf Festen" unter dem Motto "Vom Starkbierfest zur Maiandacht" in das Foyer der Kemnather Mehrzweckhalle gekommen.
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Kemnath
22.03.2018
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"Die Einhaltung der Jugendschutzgesetze diene als Richtschnur für Jugendliche, Eltern und Veranstalter" - Theresia Scharf, Sozialpädagogin beim Gesundheitsamt Tirschenreuth

Ärger, Wut und Stress sind einige der Auslöser für übermäßigen Alkoholkonsum. Nur fünf Prozent der deutschen Bevölkerung ist abstinent. Besonderer Schutz gilt für Jugendliche. Für die Einhaltung der Verordnungen und Gesetze haben Veranstalter von Festen jede Menge Aufgaben.

Hier den Überblick zu behalten, ist gar nicht so leicht. Das zeigte sich am Interesse an einer Informationsveranstaltung des Kreisjugendamts und Gesundheitsamts Tirschenreuth sowie der Kriminalpolizei Weiden im Foyer der Mehrzweckhalle. Dafür war es laut Sabine Frank längst einmal Zeit. Der letzte Auffrischungskurs liege rund zehn Jahre zurück. Künftig solle er alle zwei bis drei Jahre angeboten werden, kündigte die kommunale Jugendpflegerin an.

"Der Konsum von Alkohol durch Erwachsene, besonders auch Jugendliche, sei im nationalen Vergleich besonders in Deutschland als sehr hoch einzustufen", wusste Theresia Scharf. Die Suchtprävention sieht die Sozialpädagogin des Gesundheitsamtes daher als äußerst wichtig an. Neben der Beeinträchtigung der Gehirnentwicklung leide auch die berufliche Ausbildung. Zudem nähmen die Unfälle und Gewaltdelikte stark zu, wenn in jungen Jahren der Alkoholkonsum stark ausgeprägt ist.

Durch die Zielsetzung, Trinkgelegenheiten im Alltag besser zu begrenzen, sowie verantwortungsvoller mit Alkohol umzugehen und Missbräuche zu verhindern, könne dem entgegengewirkt werden. Die Jugendschutzgesetze dienten als Richtschnur für Jugendliche, Eltern und Veranstalter, erklärte Scharf. Je jünger der menschliche Körper desto schwerer verkrafte dieser Alkohol.

Meist werde Alkohol reichlich konsumiert, um Hemmungen abzubauen und eine Kontaktaufnahme zu erleichtern. Aber auch als "Standeshandlung des Erwachsenseins" oder zur Gefühlsbewältigung griffen vielen zur Flasche. 24 Gramm Alkohol bei Männern und 12 Gramm bei Frauen sind laut Scharf eine noch "risikoarme Dosis" für gelegentliche Trinker. Ein Glas Sekt kratze bei einer Frau schon an diesem Wert, bei einem Mann überschreite ein halber Liter Bockbier bereits diese Dosis.

Missbrauch liege vor, wenn zu unpassenden Gelegenheiten getrunken werde, sowie Müdigkeit oder Aggressivität oder sogar eine sichtbare psychische oder physische Veränderung eintreten. "Risikoarm ist Alkoholkonsum nie." Eine gute Vorbereitung und umfassende Kenntnis über die Regelungen sind für die Verantwortlichen bei Festivitäten im Vorfeld wichtig. "Unkenntnis schützt im Ernstfall nicht", betonte Andrea Neumeier von der Kriminalpolizei.

"Der Veranstalter wird im Falle des Falles gnaden- und schonungslos zur Verantwortung gezogen." In ihrem Vortrag ging die Polizistin auf das Jugendschutzgesetz ein und führte dazu Beispiele aus dem Alltag aus.

Das Jugendschutzgesetz sei nicht nur auszuhängen, sondern auch strikt einzuhalten. Gleiches gelte für die Auflagen der Ordnungsämter und Gemeinden. Bei den Auflagen handele es sich immer um Mindestanforderungen, die bei Veranstaltungen einzuhalten sind. "Ein alkoholfreies Getränk muss günstiger angeboten werden als eines mit ,Stoff'." Dabei beziehe man sich auf den Preis pro Liter Getränk. Zudem müsse der Veranstalter einen Jugendschutzverantwortlichen benennen.

Zudem empfehle es sich, den Barbereich sichtbar abzutrennen und den Zugang zu überwachen. Den Sicherheitsdienst könnten auch ehrenamtliche Ordner übernehmen, sofern nicht in den Auflagen "professionelle Security" vorgeschrieben ist. Problematisch wird es laut der Referentin in den meisten Fällen nur dann, wenn sich Streitschlichter und Kontrahenten persönlich kennen.

Eine Sicherheitsdienstfirma sei nicht unbedingt die beste Lösung. In mancher gebe es Mitarbeiter, deren Ruf "aus polizeilicher Sicht zum Haare raufen" sei. Zum Veranstaltungsbereich zählten auch nahe gelegene Parkplätze und das nähere Umfeld, die ebenfalls mit beaufsichtigt werden müssen. "Die Verantwortung bleibe generell beim Veranstalter und den Verantwortlichen selbst."

Der Veranstalter wird im Falle des Falles gnaden- und schonungslos zur Verantwortung gezogen.Andrea Neumeier von der Kriminalpolizei Weiden
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