19.06.2017 - 20:00 Uhr
KemnathOberpfalz

Kemnath/ Erbendorf/ Eschenbach. (hrö) Information über Amerikanische Faulbrut: Das Schlimmste für einen Imker

Die Bienenzüchter im Raum Kemnath sind aufgeschreckt. Das Monitoring über die Amerikanische Faulbrut (AFB) weist in einigen untersuchten Völkern einen erhöhten Bestand an Sporen nach.

Dr. Clemens Dötsch vom Veterinäramt Tirschenreuth (rechts) und Seuchenwart Josef Ernst (Dritter von rechts) erklärten den Imkern um Vorsitzenden Andreas Schultes (links), was zur Eindämmung der Amerikanischen Faulbrut zu tun ist. Bild: hrö
von Hans RöschProfil

(hrö) Imker aus dem gesamten Landkreis Tirschenreuth und aus Oberfranken waren nach Kötzersdorf in den Landgasthof Busch gekommen, um zu erfahren, was getan werden muss. Dr. Klemens Dötsch, Leiter des Veterinäramtes Tirschenreuth, Seuchenwart Josef Ernst und Kreisvorsitzender Hans Schön informierten über den aktuellen Stand und die notwendigen fachgerechten Sanierungsarbeiten bei der anzeigepflichtigen Bienenseuche.

Laut dem Amtstierarzt ist in Kemnath ein erhöhter Sporenbestand festgestellt worden. Es sei aber zu keinen akuten Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut gekommen. Sie sei für Menschen ungefährlich. Auch der Verzehr von Honig sei unbedenklich.

Die Bakterien vermehren sich in Bienenlarven und töten diese ab. Erwachsene Bienen können daran nicht erkranken, aber die Erreger weitertragen. Alle im Umkreis von zwei Kilometer lebenden Bienenvölker wurden amtlich untersucht und dürfen ihren Standort nicht verlassen. Bienenstände mit erhöhten Sporenvorkommen müssen saniert werden, um den Ausbruch der Seuche zu verhindern. Das ist auch das Ziel des AFB-Monitorings. Wichtig ist, dass flächendeckend alle Bienenvölker beprobt werden. Auch leerstehende Bienenstände mit offenstehenden Fluglöchern könnten Infektionsquellen sein.

Nahezu Dreiviertel aller untersuchten Importhonige aus Supermärkten weisen Sporen der AFB auf. Über 60 Prozent liegen in der Kategorie "hoch". Leere Gläser müssen daher sorgfältig gespült werden, bevor sie in Glascontainern entsorgt werden. Ergebnisse aus anderen Regionen weisen eindeutig daraufhin, dass sich in der Umgebung von Bienenvölkern mit erhöhtem Sporenbefall wahrscheinlich ein Sporenreservoir beziehungsweise ein Seuchenherd befindet.

Seuchenwart Josef Ernst aus Münchenreuth erläuterte die Sanierung der Völker. Diese kommen für zwei bis drei Tage zum Aushungern in einen Karton. Die Königin wird extra gehalten. Sämtliche Beuten, Waben, und Imkergerätschaften müssen entsorgt oder so gereinigt werden, damit die Erreger abgetötet werden. Nach drei Tagen laufen dann die Bienen aus dem Karton in die sauberen Beuten zu ihrer Königin, um ein neues Volk aufzubauen.

Vorsitzender Andreas Schultes forderte die Mitglieder auf, bei der Sanierung der Völker den betroffenen Kollegen zu helfen. Auch sollen verlassene Bienenhäuser gemeldet werden, um alle möglichen Infektionsherde zu erfassen. Gemeinsam werde es sicher gelingen, die Völker schnell zu sanieren.

Das Verbrennen der Brut und Entsorgen der infizierten Waben ist sicher für keinen Imker leicht. Neben den umfangreichen Arbeiten kommen auf ihn erhebliche finanzielle Kosten für die Neubeschaffung der Gerätschaften. Die nicht kostendeckende Entschädigung über die Tierseuchenkasse wird nur gegen Nachweis der fachgerechten Sanierungsmaßnahme ausbezahlt. Überstanden ist das Schlimmste allerdings erst, wenn die Nachkontrollen nach zwei Monaten zeigen, dass es gelungen ist, den Ausbruch der Bienenseuche zu verhindern.

Meldepflicht ab einem Bienenvolk

Für die Haltung von Bienen (schon ab einem Volk) besteht nach der Bienenseuchenverordnung seit dem 3. November 2004 eine Meldepflicht bei der zuständigen Behörde. Das Veterinäramt Tirschenreuth möchte dahingehend ihren Datenbestand aktualisieren. Die Gemeinden des Landkreises werden daher gebeten, die Bienenhalter auf die Anzeigeverpflichtung hinzuweisen. Ein Verstoß gegen die Meldepflicht ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einer Geldbuße von bis zu 30 000 Euro geahndet werden. Die Meldung kann mittels eines Formblatts (http://www.kreis-tir.de/fileadmin/user_upload/ Veterinäramt/Bienen/Anzeigepflicht_Bienenhalter.pdf) beim Veterinäramt Tirschenreuth, St.-Peter-Straße 33, 95643 Tirschenreuth, Telefon 09631/7989011, erfolgen.

Bei leerstehenden Bienenständen müssen die Fluglöcher verschlossen sein. Die Gerätschaften für die Imkerei sind bienensicher zu verwahren. (hrö)

 

 

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