28.02.2018 - 20:00 Uhr
Kemnath

Liederabend der Kreismusikschule Tirschenreuth Erstklassig gesungene Traurigkeit

Zwei Liederzyklen bei einem Liederabend - das ist außergewöhnlich. Normalerweise trägt ein Sänger nur einen Zyklus vor, nicht so aber bei der Lieder-Matinee der Kreismusikschule Tirschenreuth.

Pianist Jakob Schröder (links) begleitete die drei Sänger Bernhard Müller, Adnan Barami und Wolfgang Braun (von rechts). Carol Bischoff (Zweite von links) hatte die beiden Liederzyklen einstudiert. Bild: jzk
von Josef ZaglmannProfil

Nicht nur die "Winterreise" von Franz Schubert, sondern auch "Dichterliebe" von Robert Schumann hatte Carol Bischoff, die Leiterin des Musiktheaters, mit vier Gesangsschülern erarbeitet. Als versierten Klavierbegleiter im Mehrzweckraum der Grundschule hatte die Gesangslehrerin den ehemaligen Musikschulleiter Jakob Schröder gewonnen.

Adnan Barami und Lutz Beckmeyer hatten die 24 Lieder von Schuberts Meisterwerk einstudiert. Wolfgang Braun und Bernhard Müller hatten die 16 poetischen Gesänge Schumanns erarbeitet. "Einen Zyklus schauriger Lieder", hatte der Komponist seinen Freunden angekündigt, als er ihnen seine "Winterreise" vorsang. Schon von schwerer Krankheit gezeichnet, hatte er diesen Liederzyklus nach Texten von Wilhelm Müller kurz vor seinem Tod vollendet. Sterben, Einsamkeit und die Sehnsucht nach Nähe und Zuneigung verband der unglückliche Komponist zu einer vollendeten Einheit. Ihnen liegt keine wirkliche Handlung zugrunde. Es gibt auch kein Happy End, wie das letzte Lied "Der Leiermann" eindrucksvoll beweist. Die Gesänge sind vielmehr eine Kette eines von der Liebe enttäuschten Mannes auf einer ziellosen Reise durch eine Winterlandschaft.

Weil Lutz Beckmeyer erkrankt war, übernahm Barami innerhalb von wenigen Tagen dessen elf Lieder. Das war wirklich eine außergewöhnliche Leistung dieses jungen Sängers. Mit seiner eindrucksvollen Stimme und seiner vorbildlichen Textgestaltung gelang es ihm, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen.

Schumann hatte mit dem Zyklus "Dichterliebe" nach Gedichten von Heinrich Heine einen Höhepunkt des romantischen Kunstlieds geschaffen. Bariton Wolfgang Braun sang acht, Tenor Bernhard Müller die restlichen Lieder. Recht gut gelangen beiden dynamische Abstufungen und die Wiedergabe der lyrischen Passagen ("Im wunderschönen Monat Mai") und der dramatischen Abschnitte ("Im Rhein, im heiligen Strome") bei den einzelnen Liedern. Dankbarer Beifall belohnte die drei Sänger und ihren Pianisten für ihren Mut, sich an die musikalisch sehr anspruchsvollen Liederzyklen zu wagen. Bischoff bedauerte es sehr, dass nur wenige Zuhörer zu diesem Benefizkonzert des Fördervereins MUT gekommen waren: "Leider hat die Kreismusikschule in Kemnath immer weniger Konzertbesucher als in anderen Orten des Landkreises."

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.