26.05.2017 - 17:42 Uhr
KemnathOberpfalz

Meine Eindrücke vom Nofi-Lauf Erschöpft, aber happy

Muskelkater. Ich hatte fast schon vergessen, wie er sich anfühlt. Aber der Nofi-Lauf lässt mich noch Tage später gewaltig spüren, was es heißt, fast untrainiert sechs Kilometer mit einer riesigen joggenden Menschenmenge mithalten zu wollen. Die Schmerzen sind groß, der Stolz über den Sprint ins Ziel aber größer.

Der Startschuss ist gefallen. Die über 7000 Läufer spurten nach und nach los. Zehn Minuten nach dem Start des Nofi-Laufes jogge auch ich über die Startlinie am Kemnather Stadtplatz. Bild: stg
von Anne Spitaler Kontakt Profil

Die letzten 300 Meter sind die schönsten. Ich blende alles um mich herum aus, konzentriere mich nur auf die Uhr, die unbarmherzig die Sekunden zählt, und renne als würde es um mein Leben gehen. Tunnelblick. Ich will das Adrenalin spüren, wenn ich den ersten Fuß auf die Ziellinie setze, kann es kaum erwarten, bis ich es endlich geschafft habe.

Mein Name hallt in meinen Ohren. Es fühlt sich an, als wären die Stimmen weit weg. Ich sehe nicht, wo sie herkommen, nehme nur das rote grelle Licht der Anzeigentafel wahr. Geschafft, es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ich bin stolz und glücklich, dass ich mein Ziel erreicht habe, nämlich unbeschadet ins Ziel zu kommen. Langsam realisiere ich, dass der Nofi-Lauf für mich nun vorbei ist. So schnell wie der Lauf da war, war er auch schon wieder rum. Gut, schnell trifft bei mir im Vergleich zu anderen Teilnehmern nicht ganz zu: 49 Minuten und 50 Sekunden - um genau zu sein - habe ich gebraucht. Mehr als doppelt so lange wie die Spitzensportler. Für jemanden, der nicht gerne joggt und kaum trainiert hat, ist das passabel, habe ich mir sagen lassen.

Trotzdem ärgert es mich ein bisschen, ich wäre gerne schneller gewesen, aber dann ist da dieses Seitenstechen. Es begleitet mich ungefähr ab dem zweiten Kilometer, und ich muss ein Stück gehen - da bin ich zum Glück aber nicht die einzige. Zum Seitenstechen kommt noch ein kurzer Schockmoment dazu: Gefühlt bin ich bei der zweiten Station schon seit Ewigkeiten unterwegs und wähne mich eigentlich bald im Ziel. Denkste!

Irgendwann geht es ein Stück bergab, und ich finde einen guten Rhythmus, überhole sogar einige. Das motiviert mich, genau wie die Musik auf der Strecke. Steht da tatsächlich ein schwarzer Flügel auf dem Asphalt? Ich kann gar nicht alles von der tollen Atmosphäre aufnehmen, zu sehr bin ich damit beschäftigt, durchzuhalten. Einen Moment werde ich aber nicht vergessen: Ein Mann liegt neben der Bordsteinkante, er bewegt sich nicht, wird beatmet. Ersthelfer sind bei ihm. Ich beschließe, mein Tempo zu drosseln, damit mir nicht das Gleiche passiert.

Als ich schließlich kaputt, aber wohlbehalten das Ziel erreiche, steigt ein Rettungshubschrauber in die Luft. Ich muss an den Bewusstlosen denken, hoffe, es geht ihm besser und bin froh, dass ich selbst den Lauf nur mit Seitenstechen überstanden habe. Später erfahre ich, dass der Mann einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten hat. Doch er hatte Glück. Sein Sohn, ein Arzt, und Intensiv-Pflegekräfte des Klinikums Weiden beleben ihn wieder, retten ihm das Leben. Dann setzen die Pflegekräfte ihren Lauf fort - und beenden ihn sogar mit einer Zeit von 50 Minuten. Respekt!

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Weitere Bilder im Internet:

www.onetz.de/1752507

Nofi-Lauf 2018

Nach dem Lauf ist vor dem Lauf: Kaum ist die Veranstaltung vorbei, denken die Organisatoren schon an den nächsten Nofi-Lauf. Der Austragungsort für diesen ist voraussichtlich in Neustadt an der Waldnaab, verrät Ilona Stadler von Oberpfalz-Medien. (spi)

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