01.09.2017 - 15:04 Uhr
KemnathOberpfalz

Nach 13 Jahren läuft nun der Bau des Radwegs von Oberndorf nach Wirbenz Region rückt näher zusammen

Seit 2004 beschäftigt ein geplanter Radweg zwischen Oberndorf und Wirbenz entlang der B 22 die Ämter. Das Projekt droht wegen fehlender Abgabebereitschaft von Grundstücksbesitzern mehrmals zu scheitern. Immer wird das Vorhaben neu angestoßen, bis im Vorjahr nach zahlreichen Gesprächen der Durchbruch gelingt. Jetzt sind die Bagger an der Reihe.

von Michael DenzProfil

Kemnath/Wirbenz. Das rund 13 Jahre lange Ringen um den circa 1,9 Kilometer langen Geh- und Radweg, der wegen einer geplanten Breite von drei Metern auch für die Land- und Forstwirtschaft genutzt werden kann, endete im vergangenen Jahr erfolgreich. So lange versuchte die Stadt Kemnath mit Hilfe des Staatlichen Bauamtes Amberg-Sulzbach und der Gemeinde Speichersdorf den erforderlichen Grund zu erwerben.

"Jahrelang scheitere die Umsetzung an der fehlenden Abgabebereitschaft eines einzelnen Grundstückseigentümers. Als dann die letzte Hürde im vorletzten Jahr erfolgreich genommen war, drohte das Projekt wiederum an erhöhten Forderungen von Grundstücksbesitzern zu Scheitern", berichtet Kemnaths Bürgermeister Werner Nickl. "Doch dann, als man die Umsetzung ,öffentlich begrub', erfolgte doch noch eine Einigung. Schließlich unterschrieben die Grundstückseigentümer die Baufreigabe."

Enteignung stand im Raum

Der Tirschenreuther Vize-Landrat Alfred Scheidler hatte noch im Frühjahr 2016 eine Enteignung in Erwägung gezogen, was jedoch für das Bauamt und die Stadt Kemnath keine gute Lösung darstellte. Dadurch hätten sich auch für die Grundstückseigentümer massive Nachteile ergeben, die das Angebot zur Abtretung bereits angenommen hatten. Auch scheuten die Verantwortlichen den damit verbundenen erhöhtem juristischem Aufwand und ein langwieriges Planfeststellungsverfahren, was das Vorhaben nochmals um Jahre verzögert hätte.

Im vergangenen Herbst wurde eine Schneise in das nahe des Weilers Neuwirthshaus gelegene Waldstück geschlagen, um "freie Bahn" für den Verbindungsweg zwischen den Regierungsbezirken Oberpfalz und Oberfranken zu schaffen. Vor rund zwei Wochen rollten erneut die Bagger an und begannen mit den Bauarbeiten für das Gemeinschaftsprojekt der Stadt Kemnath, der Gemeinde Speichersdorf und der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Staatliche Bauamt.

Laut Baudirektor Gerhard Kederer, ragen von dem rund 1,9 Kilometer langen Wegebau etwa 280 Meter in den oberfränkischen Regierungsbezirk hinein. Aufgrund der landwirtschaftlichen Mitbenutzung werde die Trasse auf einer Breite von 3 Metern, statt der eigentlichen Breite von 2,5 Metern für einen Geh- und Radweg, ausgebaut. Ebenso beanspruche die Bankettbreite je einen dreiviertel Meter. Veranschlagt ist der Wegebau mit Kosten in Höhe von 580 000 Euro.

Zudem schlägt der Brückenbau über dem "Mooswiesengraben" mit weiteren 280 000 Euro zu Buche. Diese Brücke wird eine lichte Weite des Wasserdurchlasses von 2,6 Meter und eine Breite von 4 Metern zwischen den Kappen aufweisen. Von den Gesamtkosten von rund 860 000 Euro tragen die beteiligten Gemeinden einen Anteil von knapp 17 Prozent jeweils auf ihrem Gebiet mit. Ausführende Firma, sowohl für den Brücken- als auch Straßenbau, ist die Firma Richard Schulz aus Pfreimd.

Der Grunderwerb war Sache der Kommunen. Ohne deren "enormen Einsatz" wäre das Projekt nicht möglich gewesen, dankt Kederer. Er selbst betreute "von der Geburtsstunde an" das Projekt mit. Die Fertigstellung sei auf Dezember 2017 festgesetzt. "Mögliche Restarbeiten werden im Frühjahr 2018 folgen. Mit Rücksicht auf die Landwirte wurde erst nach der Sommerernte im August mit dem Bau begonnen." Zu Verkehrsbeeinträchtigungen auf der B 22 werde es nicht kommen. Baulast und Unterhaltspflicht werden nach der Fertigstellung den beiden Kommunen übertragen.

Mehr Sicherheit

Der Radweg verbinde Kemnath über Oberndorf mit Wirbenz, das bis zur Gebietsreform 1972 zur Oberpfalz, dem damaligen Landkreis Kemnath, gehört habe, führt Nickl aus. "Überhaupt freuen sich die Radler schon lange auf diese Verbindung nach Oberfranken, weil dadurch das Radfahren noch sicherer wird." Auch Autofahrer werden vom neuen Verbindungsweg profitieren, da dieser landwirtschaftliche Fahrzeuge von der B 22 fernhalte. "Er verbindet die Orte und die gesamte Region ,Kemnather Land' wieder ein Stück mehr. Und wenn dann auch noch bis Speichersdorf gebaut wird, ist ein großes Etappenziel erreicht", zeigt sich der Kemnather Bürgermeister überzeugt.

Auch sein Speichersdorfer Amtskollege Manfred Porsch begrüßt die Bauarbeiten sehr. "Die enorme Verkehrszunahme auf der Bundesstraße 22 forderte schließlich diesen Weg, welchen Fußgänger und Radler, als auch die Land- und Forstwirtschaft bald optimal nutzen kann." Er dankt dem Bauamt und der Stadt Kemnath für die gute Zusammenarbeit, aber ebenso den "anfangs nicht kooperierenden Grundstücksbesitzern, welche dann aber doch Einsicht zeigten und so zum Gelingen beitragen."

"Der weitere Zusammenschluss zwischen der Oberpfalz und Oberfranken ist nun bald bei den Fußgängern, Radlern und Landwirten spürbar. Es ist einer der ersten Schritte im Radwegebau, weitere sind notwendig und müssen unbedingt zügig folgen", betont Porsch. Damit meint er die Fortführung des Radweges von Wirbenz nach Speichersdorf, entlang der B22 und weiter über Seybothenreuth nach Bayreuth.

Gesondertes Projekt

Derzeit verläuft der Radweg zwischen Kemnath und Oberndorf auf der rechten Straßenseite. Die Fortführung nach Wirbenz erfolgt aber auf der linken Seite der Bundesstraße und erfordert daher einen Fahrbahnteiler in Oberndorf. Wie Ingenieur Gerhard Kederer mitteilt, handelt es sich bei dieser Maßnahme, die Fußgängern und Radfahrern ein deutlich sichereres Überqueren der hochfrequentierten Straße ermöglichen würde, um ein gesondertes Projekt. (mde)

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