02.06.2017 - 16:32 Uhr
KemnathOberpfalz

Neuer Bayern RTW 2017 bei der Rettungswache Kemnath Rollende Intensivstation

Gute Helfer brauchen gute Ausrüstung. In der Kemnather Rot-Kreuz-Bereitschaft passt es nun von beiden Seiten.

von Michael DenzProfil

(mde) Rund um die Uhr im Einsatz: Die Einsatzkräfte des Rettungsdienstes retten Menschenleben, oft geht es dabei um Sekunden. Neben guter Ausrüstung kommt es auf hervorragende Retter an. "Jeder Alarm ist mit einem Schicksal verbunden." Die Rettungswache hat nun einen neuen Rettungswagen, der auch für mehr Sicherheit für die Rettungskräfte sorgen soll.

"Die Menschen bemerken den Rettungswagen nur, wenn er zum Einsatz rollt. Welche Arbeit dahinter steckt, sieht so gut wie keiner", sagt Holger Schedl, Geschäftsführer des BRK-Kreisverbandes Tirschenreuth. Im Rettungswesen werde rund 20 Prozent der Arbeit durch Ehrenamtliche erledigt. Schedl ist überzeugt, dass der Schutz und die Sicherheit der Bevölkerung ohne Ehrenamtliche nicht zu gewährleisten wäre.

Die Ehrenamtlichen beim Bayerischen Roten Kreuz sind nicht nur in den Bereitschaften oder Hilfsdiensten tätig. "Es werden Wochenenddienste auf dem Rettungswagen, oder als Fahrer auf dem Notarzteinsatzfahrzeug, übernommen, Helfer-vor-Ort-Einsätze gefahren und im Bedarfsfall Unterstützungs-Rettungswägen besetzt, wenn die 'Regel-Rettungswägen' nicht mehr reichen", sagt der Leiter des Rettungsdienstes des Kreisverbandes, Manfred Maurer.

Die Mischung machts

Sieben dieser Unterstützungsfahrzeuge gibt es im Landkreis. Starke Stützen in der Rettungswache Kemnath sind die ehrenamtlichen Rotkreuzler, die Helfer vor Ort (HvO) Immenreuth und Fichtelnaabtal mit den BRK Bereitschaften Kemnath und Armesberg. "Die Hauptamtlichen sind auch in den Bereitschaften sehr aktiv", erzählt Schedl. Wachleiter Mike Busch lobt den Zusammenhalt und die Harmonie zwischen haupt- und ehrenamtlichen Kemnather und Armesberger Rotkreuzlern. Er sei auf das gut ausgebildete und hochmotivierte Team sehr stolz. "Im Einsatzgebiet funktioniert auch die Zusammenarbeit mit den Helfer-vor-Ort-Standorten Grafenwöhr, Poppenreuth, Erbendorf, Weidenberg, Creußen, Neustadt am Kulm, Friedenfels, Krummennaab und Pressath sehr gut", würdigt Mike Busch.

Das freut auch Kemnaths Bürgermeister Werner Nickl. Als "wahnsinnig starke Leistung" lobt er zum Beispiel den Einsatz der Hilfsorganisationen beim Nofi-Lauf. "Der eine macht's ohne, der andere mit Geld", weiß Nickl. Beste Notfallversorgung bieten beide. "Ich bin froh, nicht in den Schlagzeilen zu stehen, weil kein Rettungsdienst vor Ort ist", zeigt sich der Bürgermeister über das Rettungswesen begeistert.

Jederzeit Verlass

Auch Schedl ist sich sicher, dass Hilfe jederzeit gewährt werde. "Auf die Mannschaft ist Verlass." Erfreut zeigt sich der Kreisgeschäftsführer, den neuen Rettungswagen mit "Schachbrettmuster" zu bekommen. Dies sei der erste Rettungswagen "BayernRTW2017" in der nördlichen Oberpfalz. Er biete nicht nur optische Neuerungen, sondern auch etliche technische Vorteile.

Es ist der Bayern-RTW der neunten und somit neuesten Generation. Auf dem Fahrgestell eines Mercedes Sprinters mit leistungsstarken Dreiliter V6 Dieselmotor fertigte die Firma Wietmarscher Ambulanz- und Sonderfahrzeuge (W.A.S.) den Kofferaufbau mit medizinischer Einrichtung. Zahlreiche Fahrerassistenzsysteme sorgen für Fahrkomfort. Bayernweit werden rund 130 dieser Rettungswägen in Normal-, Allrad- und Schwerlastversion ausgeliefert. Das Hochsichtbarkeitskonzept, die Beklebung und Gestaltung des Rettungswagen von Außen, fanden auch beim Kemnather Rettungswagen Anwendung. Das Fahrzeug ist so bei jedem Wetter, Tag und Nacht besser sichtbar.

Zur Sicherheit der Besatzung wurde der RTW im Inneren so gestaltet, dass sämtliche Gerätschaften und Funktionen während der Fahrt im Sitzen und angeschnallt bedient werden können. Von einem Bedienelement im Patientenraum können Heizung, Klimanlage, Beleuchtung, Funk, sowie der Tragetisch angesteuert werden. Zudem gibt es zwischen Fahrerraum- und dem Patientenraum eine Sprechanlage, um während der Fahrt Kontakt zum Fahrer zu halten. Vom rechten Betreuersitz im Patientenraum kann der Notarzt Beatmungsgerät, Absaugpumpe, EKG und Defibrillator bedienen.

Ebenfalls neu sind die standartisierten Anschlüsse für EKG und die Messgeräte für Pulsoximeter und Blutdruck. Damit erscheinen alle Daten auf dem Monitor und die Leitung laufen gebündelt vom Patienten weg, Stolperfallen am Boden des Patienenraumes werden vermieden. Somit ist auch eine "Rundumerreichbarkeit" des Patienten auf dem Tragetisch gewährleistet. Für die Einsatzprotokolle ist ein Thermodrucker integriert, im Fahrerraum ein Navi angebracht, auf das die Einsatzdaten geschickt werden. Außerdem ist so eine genaue Ortung durch die Leitstellen möglich.

Ein echtes Martinshorn

Neben Notfallkoffern, auch für Verbrennungen und Kindernotfälle, führt der Rettungswagen die Reanimationshilfe "Lucas2" mit. Zudem gehört ein Tragetuch, eine Umlagerungshilfe, ein Raupentragestuhl für rückenschonende Patiententransporte, ein Rettungsbrett sowie eine moderne Fahrtrage zur Beladung. Letztere verfügt für größere Patienten über eine Kopfteilverlängerung. Auch ein Feuerlöscher, Handlampen, Brechstangen, Helme und Handschuhe gehören zur Beladung.

Zusätzlich zur Sondersignalanlage mit Stadt-/Landschaltung ist eine lautstarke Pressluftfanfarenanlage der Firma Martin (Martinshorn) eingebaut, welche für freie Fahrt sorgen sollen. Auch ein Seitenkamerasystem, welches der Fahrer gut über ein Display einsehen kann, garantiert mehr Sicherheit beim Rangieren oder Wenden. Zur Absicherung der Einsatzstellen ist eine Heckwarneinrichtung angebracht.Unheilbare Helfer

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