25.05.2017 - 00:13 Uhr
KemnathOberpfalz

Nofi-Lauf 2017 in Kemnath Ein Abend zum Erinnern

Läufer loben Organisatoren, Organisatoren loben Läufer. Und weil dann auch noch die Helfer wissen was sie tun, erlebt Kemnath am Mittwochabend einen Nofi-Lauf, an den die Stadt und die ganze Region lange denken werden. Nur das Herz-Kreislaufproblem eines Läufers trübt die Bilanz.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Dicke Tropfen auf der Stirn und ein breites Lächeln auf den Lippen. Werner Nickl ist Anstrengung anzusehen - Anstrengung und Euphorie. Kurz nach 19:33 Uhr beendet der Bürgermeister seinen ganz persönlichen Nofi-Lauf durch sein Kemnath, 33:09 Minuten war der 61-Jährige auf den 5,9 Kilometern unterwegs: "Ich hab es so genossen", schnauft Nickl hinter der Ziellinie.

8300 Läufer waren gemeldet, rund 7000 machten sich tatsächlich ab 18.30 Uhr vom Start am Stadtplatz auf den Weg. Schnellster im Ziel beim Siemens-Werk ist - natürlich - Maximilian Zeus. Nach genau 18 Minuten läuft der Pirker Student auf den Werk-Parkplatz ein. Gegen 20 Uhr kommen die Letzten dort an. (Ergebnisse, Bilder, Liveticker)

Die schnellsten und langsamsten Läufer trennt über eine Stunde, sie verbindet das Lächeln beim Zieldurchlauf und die Begeisterung über die Stimmung entlang der Strecke. Bands, Musiker und Trommelgruppen, vor allem aber tausende Zuschauer nicht nur aus Kemnath, sorgen für eine Atmosphäre, die auch die Laufprofis ganz vorne im Feld von ihren normalen Wettkämpfen nicht kennen.

Frenzel schwärmt

Selbst Olympia-Sieger geraten ins Schwärmen: "Eine tolle Veranstaltung. Ich finde es großartig, wie viele Menschen der Nofi-Lauf auf die Beine bringt", sagt Eric Frenzel, nachdem er die Strecke im Feld absolviert hat. Dem Nordischen Kombinierer schließt sich ein Abfahrtsläufer an. "Ein echtes Erlebnis", findet Kulmains Paralympics-Sieger Gerd Schönfelder, für den Kemnath ein Heimspiel ist.

Das Lob geben die Veranstalter zurück. "Die Läufer haben sich toll verhalten", bescheinigt Ilona Stadler. Obwohl es am Start eng zuging und es etwas dauerte, bis alle loslegen konnten, gab es weder dort noch auf der Strecke Geschiebe oder Drängelei, hält die Marketing-Chefin der Oberpfalz-Medien fest. Mit Martin Neuhaus und Norbert Tannhäuser von den Kliniken Nordoberpfalz AG hatte sie sich um die Organisation gekümmert.

Wetter hält (fast)

Für ihren Fleiß belohnt auch das Wetter die drei Organisatoren und ihr Team. Schon am Nachmittag türmten sich dunkle Wolken über dem Westen des Landkreises Tirschenreuth, wehte teils heftiger Wind. Der beruhigte sich aber pünktlich zum Start und der Regen hält sich zurück, bis die meisten Läufer an den Tischgarnituren unter den Solarpanels auf dem Siemens-Parkplatz ihren Beinen Ruhe gönnen. Die wenigen, kurzen Schauer lassen sich so geschützt leicht aushalten. Für Stimmung sorgt die Band "Partyfüchse" - vor allem aber die Belegschaft der Firma Dr. Loew Soziale Einrichtungen. Mit 268 Teilnehmern stellt sie die größte Laufgruppe.

Bester Stimmung ist zum Ende immer noch Werner Nickl - zum zweiten Mal hat er Grund zur Freude. Als er sich gegen 21 Uhr bei den Einsatzleitern von Polizei und Feuerwehr nach deren Tag erkundet, erhält er positive Fazits. Die Befürchtung, die 5000-Einwohner-Stadt könnte mit annähernd der doppelten Zahl Läufern und Zuschauern überfordert sein, erweist sich dank der guten Planung als unbegründet.

Helfer-Bilanz: Leben gerettet, Dieb gefasst

Den negativen Höhepunkt des Nofi-Laufs 2017 musste Markus Münchmeier vermelden: Aber auch am Ende des Berichts des Rot-Kreuz-Einsatzleiters steht ein gutes Ende: Ein Sportler erlitt auf der Strecke einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Dem BRK-Sanitätsdienst gelang es, den Mann wiederzubeleben. Ein Rettungshubschrauber brachte ihn in ein Bayreuther Krankenhaus. Am späten Mittwochabend war sein Zustand stabil, vermeldet Martin Neuhaus vom Nofi-Orga-Team.
Ansonsten hatten die rund 150 BRK-Einsatzkräfte einen unspektakulären Abend. Bis zum Abbau der Ausrüstung kurz nach 21 Uhr zählten sie 40 Einsätze. Abgesehen von der Wiederbelegung waren es leichtere Fälle von Kreislaufbeschwerden und klassischen Laufverletzungen wie umgeknickte oder gestauchte Knöchel. Auch dank der kreislauf-freundlichen nicht zu heißen Witterung mussten die Helfer wenig häufiger eingreifen, als sie selbst einkalkuliert hatten, bilanzierte Einsatzleiter Münchmeier.
Auch Kemnaths Polizeiinspektionsleiter Bernhard Gleißner war zufrieden. „Natürlich gibt es Behinderungen, wenn man eine Staatsstraße sperrt.“ Ab etwa 17 Uhr kam es zu den erwarteten Behinderungen auf der Staatsstraße 2665 bei Kemnath und der Staatsstraße 2168 von Höflas Richtung. Die Schwierigkeiten hielten sich laut Gleißner aber absolut im Rahmen. Keine Probleme gab es beim Parken. Das war nicht selbstverständlich: „Es war schließlich die größte Veranstaltung, die wir in Kemnath jemals hatten“, vermeldete der Polizeichef Kemnaths.
Auch der Einsatz ziviler Polizisten habe sich gelohnt. Gegen 18 Uhr ertappte eine Streife laut Polizeibericht einen Dieb auf einem Parkplatz an der Mittelschule in der Badstraße auf frischer Tat. Der 51-Jährige aus dem Landkreis Schwandorf war angereist, um Schlüssel auszuspionieren, die die Teilnehmer am eigenen Auto deponiert hatten. Damit räumte er die Autos aus. Aus einem Fahrzeug erbeutete er so zwei Geldbörsen. In einem anderen Auto ließ er die Börse liegen, nahm aber das Geld mit. Insgesamt erbeutete er einen niedrigen dreistelligen Betrag. Zwei Geschädigte hat die Polizei bereits ermittelt. Die Polizei nahm den Mann fest, er muss sich nun wegen besonders schweren Diebstahls verantworten. Außerdem wurden bei der Polizei ein Schlüssel und ein Mobiltelefon abgegeben. Die Eigentümer können sich bei der Polizei in Kemnath melden, Telefon 09642/92030.
Entspannt blieb es den ganzen Abend auch am Stützpunkt von Feuerwehr und Polizei. 172 Feuerwehrleute aus 16 Wehren sicherten die Strecke. Kurz vor 21 Uhr waren alle wieder für den Verkehr frei. „Abgesehen von einigen Unverbesserlichen, die sich nicht an Beschilderung und Anweisungen halten wollten, gab es keine Probleme“, fasste Michael Denz von der Kemnather Wehr den Einsatz zusammen. (wüw)

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