Pfarrer Dirk Grafe spricht über 500 Jahre Reformation
Das Verbindende sehen

"Früher gab es viel mehr Probleme zwischen evangelischen und katholischen Christen als heute", wusste Pfarrer Dirk Grafe aus seiner Erfahrung als Seelsorger. Bild: jzk
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Kemnath
30.06.2017
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„Früher gab es viel mehr Probleme zwischen evangelischen und katholischen Christen als heute“ wusste Pfarrer Dirk Grafe aus seiner Erfahrung als Seelsorger.

"Ökumene wird bei uns in Kemnath groß geschrieben", betont Rita Ponnath in der Monatsversammlung des Frauenbundes. Dass dem so ist, zeigt sich an der Auswahl des Referenten sowie der Reaktionen der Zuhörer.

(jzk) Als Redner hieß Ponnath nämlich den evangelischen Seelsorger Dirk Grafe im Pfarrheim willkommen. Vor den Frauen sowie seinem katholischen Kollegen Pfarrer Konrad Amschl und Pfarrvikar Dr. Pater Joseph Meenpuzhackal sprach er zu dem Thema "500 Jahre Reformation". Mit seinem kurzweiligen und humorvollen Vortrag hinterließ er einen nachhaltigen Eindruck bei seinen überwiegend katholischen Zuhörern.

"Luther sollte auf Wunsch seines Vaters Jurist werden", erzählte Grafe. Aber nachdem er ein Gelübde abgelegt habe, sei er Mönch geworden und in den strengen Augustiner-Eremiten-Orden eingetreten. Nach der Priesterweihe sah Luther in Gottes Gnadenzusage und in der Rechtfertigung durch den Glauben das Wesen des christlichen Glaubens. Als Theologieprofessor kritisierte er vehement Ablassprediger wie den Dominikaner Johann Tetzel, die den Katholiken Vergebung ihrer Sünden nach Geldspenden versprachen. Teuer erkaufte Ablassbriefe sollten einen dem Geldbetrag entsprechenden Erlass zeitlicher Sündenstrafen im Fegefeuer für sie oder für gestorbene Angehörige bescheinigen.

Die eine Hälfte der Einnahmen diente dem kostspieligen Bau des Petersdoms in Rom, die andere teilten sich Erzbischof Albrecht von Brandenburg und der jeweilige Ablassprediger. Der Bischof benötigte die Einkünfte, um seine Schulden bei den Fuggern abzuzahlen. "Auf der Basis dieser Überzeugungen wollte Luther von ihm als Fehlentwicklungen wahrgenommene Erscheinungen der Kirche seiner Zeit beseitigen und sie in ihrem ursprünglichen Zustand wiederherstellen", berichtete Grafe. 1517 schlug dieser 95 Thesen am Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg an. Die wurden durch den Buchdruck rasch weiter verbreitet und fanden großen öffentlichen Widerhall, der die Reformation auslöste.

Als Luther sich weigerte, seine Thesen zu widerrufen, wurde er für vogelfrei erklärt. Er flüchtete auf die Wartburg in Thüringen. Dort schuf er eine mustergültige Bibelübersetzung, die auch einfache Leute verstanden.

1525 heiratete er die ehemalige Nonne Katharina von Bora. Mit ihr hatte er sechs Kinder. "Luther hat nie eine Kirchenspaltung beabsichtigt", betonte der Prodekan. Er wollte lediglich mit Reformen die Missstände in der katholischen Kirche abschaffen. Es kam es jedoch zur Bildung evangelisch-lutherischer Kirchen und weiterer Konfessionen des Protestantismus. Luthers einflussreiche Theologie und Kirchenpolitik wie auch seine Sprache in Bibelübersetzung, Predigt und Lieddichtung trugen entscheidend zu den tiefgreifenden Veränderungen der im christlichen Glauben fundierten Gesellschaft und Kultur der frühen Neuzeit bei. In den vergangenen 40 Jahren habe sich im Zeichen der Ökumene viel verändert, war das Ergebnis der Diskussion. Heute werde bei beiden Konfessionen mehr das Verbindende als das Trennende gesehen.

Rita Ponnath bedankte sich bei Pfarrer Dirk Grafe und überreichte ihm ein Präsent.
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